Ein abscheulicher Serienkiller treibt sein Unwesen – auf junge hübsche Frauen hat er es abgesehen, die er erst tötet und dann vergewaltigt. Die junge hübsche Louise (Emily Hampshire) ist in gleicher Weise fasziniert und verängstigt und zusammen mit ihrem Nachbarn – dem Rollstuhlfahrer Spencer (Scott Speedman) – diskutiert sie bei ihren allabendlichen Treffen jedes Detail, das über die Morde an die Öffentlichkeit dringt. Als Victor (Jay Baruchel) in das Haus einzieht, verliebt er sich sofort in Louise, was Spencer gar nicht behagt. Trotzdem schließen die drei so etwas wie Freundschaft. Doch dann schlägt der Killer wieder zu und tötet eine Arbeitskollegin von Louise. Während die Polizei ihre Ermittlungen vorantreibt, wird klar, dass alle drei etwas zu verbergen haben und unterschiedlich weit gehen würden, damit gewisse Dinge auch weiterhin im Verborgenen bleiben.
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| FILMKRITIK
Es ist offenbar mal wieder Zeit, ein paar Worte über die Funktion von Trailern zu verlieren: Sie sollen Werbung machen für einen Film und Lust machen auf einen Film. Sie sind also durchaus eine recht sinnvolle Erfindung – eigentlich. Aber den Trailer zu „Good Neighbors“ sollte man sich einfach nicht anschauen. Nicht nur, dass er viel zu viel verrät, er trifft den Ton des Films nicht einmal im Geringsten. Für die, die den Trailer bereits gesehen haben: Nicht abschrecken lassen. Dieser Thriller hat einiges mehr zu bieten! Ich werde mich jedenfalls bemühen, in den folgenden Zeilen nicht denselben Fehler zu machen.
Wie jedes andere Genre ist auch der Thriller mit gewissen Erwartungen verbunden. Einige erfüllt Regisseur Jacob Tierney, mit andern spielt er und wieder andere führt er in „The Good Neighbors“ ad absurdum. Anfangs zeichnet Tierney lediglich ein schrulliges Porträt der Bewohner des Apartmenthauses – dem Hauptschauplatz des Films. Eigentlich ganz harmlos. Die Bedrohung durch den Serienkiller ist zwar präsent, aber scheint noch sehr weit weg. Vordergründig geht es erst mal um die Marotten der Hausbewohner: Allen voran die eigenbrötlerische Louise, die offensichtlich nur zu ihren zwei bildschönen Katzen eine echte enge Beziehung aufbauen kann und Spencer, der im Grunde ebenfalls ungern andere Menschen um sich hat und sich lieber mit seinen zahlreichen Aquarien beschäftigt. Eine einzige kurze Szene reicht aus, um zu zeigen, dass die beiden sich gegenseitig offenbar so akzeptiert haben, wie sie sind, bestens mit den Eigenheiten – zumindest denen, die sie sich offenbaren wollten – vertraut sind und sich arrangiert haben. Victor hingegen scheint keinerlei Bedürfnis nach Distanz oder Privatsphäre zu haben, drängt sich den beiden förmlich auf und fungiert somit wie ein Eindringling, den Spencer – gekonnt gespielt von Scott Speedman – mit einem aufgesetzten, eiskalten Lächeln empfängt. Dieses Lächeln, sein ansonsten formvollendetes Benehmen und seine ebenso perfekt sitzende Kleidung – kurz um, sein ganze Erscheinung erinnert stark an Patrick Bateman. Und obwohl die ersten Szenen zu dritt lediglich von einem Gefühl der gezwungenen Freundlichkeit und sogar ein wenig Fremdschämens geprägt sind, deutet Tierney hier bereits an, dass es um weit mehr geht. Immer wieder blitzen plötzlich Bilder auf, die so eingeschnitten nichts mit dem eigentlich gerade Gezeigten zu tun haben. Quasi Subliminalbilder – lang genug, um sie zu registrieren, allerdings zu kurz, um eindeutig sagen zu können, was man da gerade gesehen hat.
Der zweite Akt ist dann schon nicht mehr ganz so harmlos, Tierney zieht deutlich an Tempo an, der Handlungsstrang mit dem Serienkiller rückt mehr und mehr in den Mittelpunkt und die ersten Geheimnisse werden preisgegeben. Dann zeigt sich, die Hausbewohner sind nicht einfach nur schrullig, sondern haben ernste Probleme, die sie für sich und andere zu einer genauso ernsten Gefahr machen. Fruchtbar drastische Szenen lassen keinen Zweifel daran und Tierneys schrulliges Porträt wird zu einem äußerst zynischen Kommentar über Schein und Sein und menschliche Abgründe, die tiefer nicht sein könnten, voll gepackt mit pechschwarzem Humor. Zum Ende hin ist das Tempo so rasant, dass der Showdown recht abrupt erfolgt und fast schon belanglos wirkt – zynisch bis zum bitteren Ende.
| FAZIT
Unter dem Deckmantel eines Thrillers erwartet den Zuschauer ein zynisches Szenario über menschliche Abgründe mit einer großartigen Portion schwarzen Humors.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung