Montag | 28. Mai 2012 | 12:23 Uhr
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  • FILM REVIEW | Tiger Factory
  • Tiger Factory

    Drama | Japan / Malaysia 2010
  • | INHALTSANGABE

  • Die 19-jährige Ping Ping setzt sich in den Kopf, ihre malaysische Heimat unbedingt verlassen zu müssen. Doch es fehlen die notwendigen finanziellen Mittel, um einen Automechaniker bezahlen zu können, der ihr einen Job in Tokio vermitteln und die Überfahrt organisieren könnte. Obwohl Ping in einer Schweinezuchtfarm und als Tellerwäscherin eines Straßenlokals arbeitet sowie mit kriminellen Geschäften und kleinen Diebstählen Geld aufzutreiben versucht, bekommt sie dennoch nicht die erforderliche Summe zusammen. Zudem durchschaut ihre zwielichtige Tante Madame Tien die Pläne und konfisziert kurzerhand ihren Pass. Vielmehr soll das zierliche Mädchen ein weiteres Mal für illegale Einwanderer als Leihmutter fungieren.
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      • | FILMKRITIK

      • Mit der harte Realität in armen asiatischen Regionen und der sexuellen Ausbeutung junger Frauen beschäftigt sich Ming Jin Woo in seiner sozialkritischen Studie. Japan steht für einen schwer erreichbaren Traum auf ein besseres Leben. Für die schweigsame Ping könnte ein scheinbar vertrauenswürdiger Schleuser Wünsche wahr werden lassen und ihr einen Job in Tokio beschaffen, doch ohne Vorabzahlung verweigert er jede Hilfeleistung. Für ihre herrische Tante muss das Mädchen nicht nur an zwei Arbeitsplätzen niedere Dienstleistungen verrichten, sondern dient auch als lukrative Babylieferantin. Gleich zu Beginn wird Ping mitgeteilt, dass ihr Neugeborenes tot geboren wurde, woraufhin sie mit einer geringen Prämie abgespeist wird.

        Ming Jin Woo stellt einen Zusammenhang her zwischen Pings Arbeit in der Schweinefabrik, wo den Tieren Sperma abgezapft wird (welches das Mädchen in Geldnöten heimlich veräußert), und der Zeugungsmaschinerie in einem schäbigen Hotel. Beides geschieht routiniert und mechanisch. Ping wird von ihrer verschlagenen Tante an der kurzen Leine gehalten, die über alle Schritte informiert scheint. Als das Mädchen einmal eine freundschaftliche Beziehung zu einem der bezahlten „Spermaspender“ aufbaut und er sie vor ihrer zwielichtigen Verwandten warnt, scheint es fast, als würde das Geschäft mit der künstlichen Fortpflanzung ins Stocken kommen. Emotionen sind im Handel mit ungeborenem Leben nicht erwünscht, weil sie die Rädchen der illegalen Zeugungskette ins Stocken bringen könnten. Auch Ping muss dies bald einsehen. Ohnehin fällt die Entlohnung für weibliche Babys weit geringer aus als für männliche. Allein darin äußert sich die niedrigere Stellung der Frau in der malaysischen Gesellschaftsordnung.

        „Tiger Factory“, der dank der Beteiligung der Hamburger Filmförderung in wenigen Kopien die deutschen Kinos erreicht, sieht man sein geringes Budget durchaus an. Die digitale Kamera folgt der duldsamen Protagonistin zu trostlosen Absteigen, in spartanisch eingerichtete Wohnungen und schäbige Arbeitsplätze. Die Schweißflecken der mitunter etwas unbeholfenen Akteure sind echt, weshalb sich trotz oder aufgrund der einfachen, skizzenhaften Machart ein authentisches Bild eines ausbeuterischen Systems einstellt. Den dokumentarischen Gestus unterstreicht Min Jin Woo, der sich von einem Zeitungsartikel zu seiner tragischen Studie inspirieren ließ, durch einen völligen Verzicht auf begleitende Musik, womit sentimentale oder melodramatische Elemente vermieden werden. „Tiger Factory“ bildet keinen Einzelfall ab, sondern alltägliche Realität. Letztlich muss Ping für ihre Entscheidungen auf dem Weg in eine vermeintlich glückliche Zukunft einen hohen emotionalen Preis zahlen.
      • | FAZIT

      • Illusionslos-realistisches Porträt eines ausreisungswilligen Mädchens in den Mühlen des illegalen Babyhandels.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Gregor Ries

      • | Userwertung

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