Montag | 28. Mai 2012 | 12:24 Uhr
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  • FILM REVIEW | Bessere Zeiten
  • Bessere Zeiten

    Drama | Finnland / Schweden 2010
  • | INHALTSANGABE

  • Leena und ihr Mann Johan führen ein glückliches Leben mit ihren beiden Töchtern. Da bekommt Leena einen Anruf von ihrer Mutter. Sie liegt im Sterben und möchte sie sehen. Leena will nicht hinfahren, doch ihr Mann drängt sie dazu, also macht sich die Familie auf den Weg in Leenas Heimatstadt. Ihren Töchtern hat sie verschwiegen, dass es eine Oma gibt, und auch ihr Mann weiß nichts über ihre Kindheit. Leena erinnert sich nun wieder an Szenen aus ihrem Elternhaus. Die Eltern verfielen dem Alkohol und sie versuchte verzweifelt, den kleinen Bruder zu beschützen.
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      • | FILMKRITIK

      • Ein drastisches Familien- und Alkoholikerdrama aus Schweden verbirgt sich hinter dem ironischen Titel „Bessere Zeiten“. Dieser stammt aus der Romanvorlage von Susanna Alakoski, die die Schauspielerin Pernilla August für ihr Regiedebüt nutzte. Leenas Eltern versprachen ihr einst bessere Zeiten, doch in Wirklichkeit wurden sie schlimmer. Die Hilflosigkeit der Kinder in einer Alkoholikerfamilie wird hier schonungslos vor Augen geführt. Die Erinnerungen Leenas wirken sehr authentisch und bleiben, ob man will oder nicht, lange nach Filmende im Gedächtnis haften.

        Noomi Rapace spielt die erwachsene Leena, die im Kreise ihrer kleinen Familie einen glücklichen Eindruck macht, bevor sie den Anruf aus dem Krankenhaus erhält. Auf dem Weg zu ihrer sterbenden Mutter, an ihrem Bett und in der Wohnung ihrer Kindheit jedoch verstummt Leena und reagiert auf Fragen ihres Mannes und ihrer Töchter aggressiv. Nach und nach wird anhand ihrer Erinnerungen, die der Film in Rückblenden einstreut, deutlich, warum Leena mit dieser Vergangenheit brechen musste.

        Das Mädchen Leena wird von Tehilla Blad sehr ausdrucksstark gespielt. Immer ernst, aufgeweckt und ehrgeizig, strengt sich die kleine Leena an, eine gute Schwimmerin zu werden. Ihre Mutter hat ihr erzählt, dass sie früher auch gut schwimmen konnte und übt mit ihr, in der Badewanne die Luft anzuhalten. Auch der Vater, ein Immigrant aus Finnland, spornt sie an, sich anzustrengen und wie er selbst zu kämpfen. Leena ist bald die einzige in der Familie, die kämpft: Während es die Eltern nach einer durchzechten Nacht kaum aus dem Bett schaffen, macht Leena den kleinen Bruder Sakari fertig für seinen ersten Schultag.

        Leena beobachtet, beunruhigt und hellhörig, die ersten Anzeichen, dass es nach dem Umzug mit ihren Eltern und dem Bruder in die neue Wohnung doch nicht bergauf gehen wird. Sie sieht den Vater rückfällig werden, sie zieht Sakari aus dem Verkehr, wenn die Eltern streiten und der Vater die Mutter schlägt. Sakari wird dennoch traumatisiert, spricht nicht mehr und isst nicht mehr. Sozialarbeiter kommen, aber sie gehen zunächst ohne den Jungen weg, obwohl sie beide Eltern völlig verkatert vorfanden. Die Mutter will sich nicht von dem gewalttätigen Vater trennen.

        Die bedrückende Stimmung wird durch dunkle Aufnahmen flankiert, draußen spielt die Handlung meistens abends oder nachts. Auch wenn sich der Film etwas zu sehr in den dramatischen Verlauf hineingräbt und das Schweigen der erwachsenen Leena mit der Zeit unglaubwürdig wird, erzeugen seine Bilder eine starke Wirkung. Das liegt sowohl an der Hilflosigkeit der beiden Kinder, die dem zerstörerischen Werk ihrer Eltern nicht entkommen, wie auch daran, dass letztere nicht einseitig negativ dargestellt werden. In Leenas Erinnerungen erhalten sowohl die Mutter als auch der Vater neben all dem Kaputten auch liebenswerte Züge, und das macht ihre Haltung umso schwerer verdaulich.
      • | FAZIT

      • Drastischer Film über eine Kindheit in einer Alkoholikerfamilie.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bianka Piringer

      • | Userwertung

      Wertung: 1.0/10 (1 vote)

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