Montag | 28. Mai 2012 | 12:26 Uhr
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  • FILM REVIEW | Bombay Diaries
  • Bombay Diaries

    Drama | Indien 2010
  • | INHALTSANGABE

  • Um Bombay per Fotokamera zu erkunden, kehrt die amerikanische Investmentbankerin Shai (Monica Dogra) in die Heimat ihrer Eltern zurück. Bei einer Vernissage trifft sie den ausstellenden Maler Arun (Aamir Khan) und verbringt mit ihm eine Nacht. Doch da er am nächsten Morgen reichlich distanziert reagiert, trennen sich ihre Wege wieder. Während Shai dem einsamen Künstler noch heimlich nachtrauert, interessiert sich dieser weitaus stärker für drei Videotagebücher einer ihm fremden jungen Frau (Kriti Malhotra), die er in seinem neuen Appartement fand. Shai freundet sich derweil mit dem Wäscher Munna (Prateik) an, der von einer Karriere in der Filmindustrie träumt und sie überredet, Starporträts von ihm aufzunehmen.
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      • | FILMKRITIK

      • In Indien zählt Aamir Khan zu den absoluten Superstars. Sein oscarnominierter Hit „Laagan – Es war einmal in Indien“ sorgte 2001 maßgeblich für die internationale Popularität des Hindi-Kinos. Dank dieses etwas weniger auf bonbonbunten Chic ausgerichteten Historienfilms setzte sich auch in Deutschland mit Verzögerung die indische Musicalwelle in Gang. Obwohl Khan weiterhin in eskapistischer Unterhaltung wie demnächst „Dhoom 3“ vor der Kamera steht, gilt sein Interesse länger schon einem an der Gegenwart angelehnten politischen Kino. Als Produzent und später als Regisseur hält der perfektionistische Star alle Zügel in der Hand. So wirkte er in dem Jugenddrama „Rang de Basanti – Die Farbe der Rebellion“ mit und produzierte mit seiner Frau Kiran Rao die satirische Bauernselbstmord-Tragikomödie „Live aus Peepli“. In beiden Filmen wurden traditionelle Songs nur zur Illustration der Geschichte im Hintergrund eingesetzt.

        Trotz einer angedeuteten Dreiecksgeschichte löst sich Kiran Rao, einst Regieassistentin bei „Lagaan“, in ihrem selbst verfassten Regiedebüt „Dhobi Ghat“, so der Originaltitel, weitaus stärker von den Erwartungshaltungen des Unterhaltungskinos. Nur an einer Stelle im Mittelteil wird ein Song eingesetzt, um die Schicksale der drei Protagonisten miteinander zu verknüpfen. Eigentlich handelt es sich um vier Charaktere, doch die frisch verheiratete Hausfrau Yasmin taucht nur in für ihren Bruder bestimmten Videobändern auf, welche der Künstler Arun in seiner neuen Wohnung entdeckt. Während er sich an einer Beziehung zu einer Zufallsbekanntschaft, der attraktiven Hobbyfotografin Shai, wenig interessiert zeigt, fasziniert ihn mehr die Biografie seiner unbekannten Vormieterin, was sich in neuen Arbeiten niederschlägt.

        Währenddessen knüpft die wohlhabende Shai Kontakt zu einem Wäschelieferanten, der selbst vom Starruhm träumt. Die Konventionen des Bollywoodkinos hätten ihnen eine gemeinsame Zukunft gesichert, doch „Bombay Diaries“ unterstreicht dagegen die Klassenunterschiede, Kommunikationsdifferenzen und hartnäckigen Vorurteile ihres Umfelds. Seinen beengten Verschlag schmückt Munna mit den Postern seiner Idole, aber für die eigenen Porträtfotos erntet der ehrgeizige Wäscher ob seiner Illusionen nur Spott. Ein Aufstieg aus der eigenen Kaste erweist sich als schwieriges Unterfangen. Seine Liebe zu Shai wagt der junge Mann aus keineswegs unbegründeter Angst vor Zurückweisung nicht zu bekennen, zumal die Hobbyfotografin in ihm nur einen Begleiter durch ein unbekanntes Milieu sieht.

        Mit ihrer skizzenhaften Hommage an die lebendige Metropole Mumbai, gefilmt auf Mini-DV und Super16mm, fängt Kiran Rao überzeugend das pulsierende Großstadtleben und die kontrastierenden sozialen Schichten ein, das luxuriöse Milieu der Besserverdienenden und die schäbigen Absteigen von Menschen aus einfachen Verhältnissen zwischen Gangstreitigkeiten und täglichen Verrichtungen für einen Hungerlohn. Zwischen Unterhaltungs- und dokumentarischem Independentkino angesiedelt, setzt Rao auf (außer Khan) unbekannte Gesichter und verzichtet auf eine gewohnt ausufernde Überlänge, welcher selbst die an sozialer Realität orientierten Werke verpflichtet sind.

        Dennoch fehlt es der melancholisch-bittersüßen Geschichte streckenweise an Dynamik und Dichte. Trotz ihres tragisch kulminierenden Schicksals nutzt der Handlungsstrang um die unbekannte junge Hausfrau dem Plot wenig, zumal es mäßig fesselnd erscheint, Maler Arun bei der Sichtung fremder Home Videos zu beobachten. Hier tritt das etwas behäbig entwickelte Charakterporträt gelegentlich auf der Stelle. Noch mangelt es Rao etwas am Gespür für den rechten Rhythmus selbst angesichts einer getragenen Erzählweise. Allerdings stellt die Abkehr von reinem Bollywoodglanz mit einem sachlicheren Blick auf Indiens Wirklichkeit eine erfreuliche Entwicklung des dortigen Kinoangebots dar.
      • | FAZIT

      • Atmosphärisch und darstellerisch überzeugendes indisches Großstadtdrama in einer uneinheitlichen Inszenierung.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Gregor Ries

      • | Userwertung

      Wertung: 7.0/10 (2 votes)

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