Tagsüber arbeitet der wortkarge Driver (Ryan Gosling) in der Autowerkstatt seines Freundes Shannon (Bryan Cranston) sowie als Stuntman bei Hollywood-Projekten. Für Shannon übernimmt der Einzelgänger nachts regelmäßig kriminelle Aufträge - meistens als Fluchtfahrer bei Raubüberfällen. Seine Komplizen müssen sich jedoch Drivers strengen Regeln unterwerfen, wobei er sich das Kommando in seinem Gefährt ausbedingt und niemals zweimal mit den gleichen Leuten arbeiten will. Als er die Serviererin Irene (Carey Mulligan) kennen lernt und feststellt, dass sie und ihr kleiner Sohn Benicio (Kaden Leos) nebenan leben, freundet sich der stoische Außenseiter langsam mit ihnen an.
Enttäuscht muss Driver eines Tages die Existenz von Irenes inhaftiertem Ehemann Standard (Oscar Isaac) erfahren, der bald aus dem Gefängnis entlassen wird und von dessen Zuneigung zu Irene nicht gerade begeistert ist. Dennoch bietet der Fahrer seine Hilfe an, als Standard mit Gangstern in Konflikt gerät und zu einem neuen Coup erpresst wird. Jedoch gerät der scheinbar todsichere Überfall auf ein Wettbüro plötzlich aus dem Lot, und Drivers ehrgeizige Pläne für einen Neuanfang als Rennprofi stehen auf der Kippe.
WERBUNG
| FILMKRITIK
Ein Actionfilm von Nicolas Winding Refn bildet im Grunde ein Widerspruch in sich. Konsequent bürstete der dänische „Auteur“ in den letzten 15 Jahren jedes Genre gegen den Strich, womit er stets die Zuschauerresonanz spaltete. Offensichtlich kennt und schätzt Ryan Gosling dessen düstere „Pusher“-Trilogie und den Ableger „Bleeder“, weshalb er Winding Refn als Regisseur für die Verfilmung eines James Sallis-Kriminalromans durchsetzte. Eine mutige Entscheidung, wenn bedenkt, dass der eigenwillige Filmemacher bei der verstörenden Wikingersaga „Walhalla Rising“ das Tempo bis zum völligen Stillstand entschleunigte und laut Audiokommentar auf den vorgesehenen Endkampf bewusst verzichtete. Überraschenderweise gibt es bei „Drive“ sogar wenige kurze Actionsequenzen, doch Winding Refn hakt sie kompetent, aber eher pflichtschuldig ab.
Ansonsten bleibt er sich in seiner Handschrift vollkommen treu: lange hypnotische Kamerafahrten, introvertierte Einzelgänger als Protagonisten, ein ausgefallener, die Handlung unterstützender Soundtrack und eruptiv einbrechende, exzessive Gewalteinlagen. Ähnlich stilisiert wie die Vorgängerfilme, kommt sein absurd-makaberer Humor etwa in einem surrealen Tableaux zum Tragen, als Driver einen seiner Gegenspieler in einer Umkleidekabine das Gesicht zu Brei schlägt, während um sie herum eine Gruppe gelangweilter, halbnackter Stripperinnen die Konfrontation desinteressiert verfolgt.
Ryan Gosling charakterisiert seinen Macho-Protagonist als stillen, regungslosen Zeitgenossen, der keine Kommunikation zu seinen Mitmenschen sucht. Erst eine schüchterne Kellnerin und ihr kleiner Sohn vermögen seinen Kokon aufzubrechen. Dass mit Driver nicht zu spaßen ist, offenbart sich in einer späten Szene, als ein Gangster, mit dem er in der Vergangenheit bei einer kriminellen Aktion in Kontakt kam, ihn in einer Bar ansprechen will und der abweisende Stuntman mit einer emotionslosen, aber eindeutigen Drohung reagiert.
Wenig originell steuert die konventionelle Handlung auf die Konfrontation eines in die Enge getriebenen, prinzipientreuen Outlaws zu, der sich nicht der Übermacht einer mächtigen Organisation beugen will und damit seine ehrgeizigen Aufstiegspläne aufs Spiel setzt. Winding Refn, der das Projekt von Neil Marshall übernahm, kann auf eine starke Besetzung mit derzeit angesagten Darstellern wie Carey Mulligan, Bryan Cranston aus „Breaking Bad“, Christina Hendricks aus „Mad Men“, einem gewohnt bedrohlichen Ron Perlman und dem perfekt gegen seinen Typ besetzten Komödianten Albert Brooks als aalglatter Gangsterboss Bernie Rose zurück greifen.
Schon von den ersten Momenten an zeigt sich der Neo-Noir-Thriller mit stimmigen nächtlichen Los Angeles-Bildern, einem Vorspann mit rosa Schriftzug und atmosphärischen Synthesizer-Score in Tangerine Dream-Tradition am Achtziger-Jahre-Gangsterkino orientiert. Während Ryan Gosling mit seiner weißen Skorpion-Jacke, welche der Protagonist trotz aller Blutflecken demonstrativ weiter trägt, an Steve McQueen erinnert, folgt „Drive“ deutlich den Vorbildern zwischen Walter Hills „Driver“ (anfangs fast ein Remake), Michael Manns „Der Einzelgänger“ oder William Friedkins „Leben und sterben in L.A.“. Dank präziser Kameraarbeit, konsequenter Farbdramaturgie und perfekter Lichtsetzung kann das düstere Drama durchaus Drive entwickeln, wenn man sich auf die stilisiert-distanzierte Inszenierung und exzessiven Gewalteinlagen einzulassen bereit ist.
| FAZIT
Spröde, drastische und übersteigerte Hommage an das harte Männerkino der Achtziger. Actionfans sitzen definitiv im falschen Film.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung