Tom Sawyer (Louis Hofmann) und sein Halbbruder Sid (Andreas Warmbrunn) leben gemeinsam mit Tante Polly (Heike Makatsch) im US-Städtchen St. Petersburg am Mississippi. Häufig bringen die ständigen Streiche und Gaunereien, die Tom mit seinem besten Freund Huck Finn (Leon Seidel) ausheckt, Erzieher und Lehrer zur Verzweiflung. Erst als Tom seine neue Klassenkameradin Becky Thatcher (Magali Greif) anhimmelt, die Tochter des neuen Richters (Peter Lohmeyer), versucht er in der Schule zu glänzen. Bei nächtlichen Streifzügen auf dem Friedhof werden Tom und Huck unfreiwillig Zeuge am Mord von Doc Robinson (Sylvester Groth) durch den geächteten Indianer Joe (Benno Fürmann), der seinem Komplizen Muff Potter (Joachim Król) die Tat in die Schuhe zu schieben versucht. Da die beiden verängstigten Jungen die Rache des Mörders fürchten, schrecken sie vor der Entlastung des tollpatschigen Streuners zurück.
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| FILMKRITIK
Im Grunde besitzt jede Generation ihre eigene Version des unverwüstlichen Mark Twain-Jugendbuchklassikers. Unter den zahlreichen Kino- und TV-Adaptionen gehört die Hanna-Barbera-Real-/Trickserie “The New Adventures of Huckleberry Finn” von 1968, von der das ZDF nur acht Folgen übernahm, zu den kuriosesten Bearbeitungen. Per Zeitreise gelangten Twains junge Protagonisten an unterschiedliche Orte, wobei ihnen dort der rachsüchtige Injun Joe in stets neuer Gestalt auflauerte. In Hermine Huntgeburths aktueller Bearbeitung tritt der Bösewicht als eingedeutschter Indianer Joe auf, was bei der Premiere auf dem “Lucas”-Kinderfilmfest häufig zur namentlichen Verwechselung mit einer berühmten Spielberg-Gestalt führte.
Anfangs charakterisiert die neue Version den von Benno Fürmann verkörperten, langhaarigen Außenseiter noch als Opfer der Verhältnisse, als verachteten Angehörigen einer missliebigen Rasse. Auf dem Rummelplatz können die Besucher an der Wurfbude auf Pappindianer zielen, die somit dem Spott preis gegeben werden. Im Gegensatz etwa zur Hanna-Barbera-Serie, in der Injun Joe als zähnefletschender Bilderbuchschurke auftaucht, greift Huntgeburth auf eine wesentlich differenziertere Figurenzeichnung zurück.
Ansonsten orientiert sich die aktuelle Version streckenweise durchaus an der Vorlage, so dass wichtige Stationen aus Twains Abenteuerroman wie Tom Sawyers erfolgreiche Weitervermittlung seiner Zaun-Anstreicherpflicht nicht fehlen dürfen. Dazu peppen Huntgeburth und Autor Sasha Arango den vertrauten Stoff mit ruppigen Gags sowie gelegentlichen Grusel- und Actioneinlagen auf, die den Tonfall aber nicht schädigen. Für jüngere Zuschauer mögen die unheimlichen Traumsequenzen und Verfolgungsjagden durch düstere Höhlen jedoch zu bedrohlich wirken.
Die Neuverfilmung zeichnet Tom als aufmüpfigen Rebellen, der sich keiner Regel unterwerfen mag und damit ständig aneckt. Im Gegensatz zum Outlaw Indianer Joe bewegt er sich noch innerhalb des festgefügten Systems, doch mit seinen derben Streichen stört er die geregelte Ordnung nachhaltig wie sich Huck Finn als kleiner Dieb ebenso nicht an Gesetze hält. Wenn sie den fälschlich beschuldigten Muff Potter im Gefängnis (auch aus schlechtem Gewissen) mit Nahrung versorgen, beweisen die ungestümen Knaben mit Sinn für Freiheit und ungebändigtem Leben jedoch ihr gutes Herz.
Hermine Hundgeburths epische Neuauflage, gedreht in Rumänien, Niedersachsen und Thüringen, glänzt durch Starbesetzung in den Nebenrollen, zahlreiche fesselnde und humorvolle Sequenzen sowie eine stimmige Ausstattung. Leider gilt die alte Regel: „Kein deutscher Jugendfilm ohne nervigen Kinderrap“, aber das lässt sich ähnlich wie deutlich angeklebte Rauschebärte verschmerzen. Die Fortsetzung „Huck Finn“ ist längst in Arbeit. Laut dem zuversichtlichen Produzent und Verleiher Benjamin Herrmann sei es besser, die Dreharbeiten gleich fortsetzen, solange sich die jungen Darsteller noch im idealen Alter befinden.
| FAZIT
Weitgehend geglückte, unaufdringlich modernisierte Neuverfilmung eines unsterblichen Jugendklassikers.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung