Dienstag | 29. Mai 2012 | 05:31 Uhr
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  • FILM REVIEW | Sommer der Gaukler
  • Sommer der Gaukler

    Komödie | Deutschland 2011
  • | INHALTSANGABE

  • Emanuel Schikaneder und seine Theatertruppe fahren im Sommer 1780 von Bayern nach Salzburg. Weil sie aber dort auf Anhieb keine Spielgenehmigung erhalten, mieten sie sich in einem Dorfgasthof nahe der österreichischen Grenze ein, um zu warten. Die Truppe ist pleite, was der Wirt möglichst lange nicht erfahren darf, und Schikaneders bester Schauspieler Wallerschenk lästert über die fehlende Arbeitsmoral des Theaterdirektors. Schikaneder gibt nämlich vor, an einem neuen Stück, dem „Weltentheater“ zu schreiben, hat aber keine Ideen. Wallerschenk ist in Schikaneders Frau Eleonore verliebt und drängt sie, mit ihm fortzugehen.

    Im Dorf formiert sich der Widerstand der Bergleute gegen den Grubenbesitzer Paccoli. Der eigentlich friedliebende Bergarbeiter Georg Vester aus dem Ostallgäu wird unfreiwillig zu ihrem Anführer ernannt. Paccolis Tochter Babette ist in Vester verliebt, aber ihr Vater will sie mit einem Richter verkuppeln, den er für seine Geschäfte braucht. Als Schikaneder von der Geschichte erfährt, hat er den Stoff für sein Theaterstück. Eifrig schreibt er an der Figur des Bergrebellen, zu der er Vester verklärt. Ein Baron will der Theatertruppe eine Freilichtaufführung im Dorf finanzieren.
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      • | FILMKRITIK

      • Was ist Realität, was ist Suggestion? Wenn Menschen Geschichten erzählen, verflechten sie wirkliche Ereignisse mit dem Faden der Vorstellungskraft. In Marcus H. Rosenmüllers Komödie „Sommer der Gaukler“ wird der Zauber des Bühnendramas beschworen, das seinem Publikum im 18. Jahrhundert Zugang zu neuen Sphären des Geistes und der Fantasie ermöglichte. Das Drehbuch von Klaus Wolfertstetter und Robert Hültner verwendet reale Zutaten wie die Person des Dramaturgen Emanuel Schikaneder, der das Libretto für Mozarts „Zauberflöte“ schrieb, für eine fiktive Posse, die ihn und seine Theatertruppe in die bayerische Provinz verschlägt. Rosenmüllers Inszenierung spielt wie ein Vexierbild mit Realität und Fiktion und dabei mit der Bereitschaft der Zuschauer, sich etwas zusammenzureimen, was im nächsten Moment wieder anders aussieht.

        Die Handlungsebene des Films ist zwar quirlig und prall gefüllt mit Wendungen und Fügungen, aber an sich noch wenig aufregend. Schikaneders Truppe gastiert im Wirtshaus eines Dorfes, träumt von der großen Kunst in Salzburg und ihre Mitglieder verzanken sich, geplagt von Eifersucht und Geldsorgen. Gleichzeitig bahnt sich im Dorf ein Aufstand der Bergarbeiter an und die Tochter des intriganten Grubenbesitzers verliebt sich in den Anführer der Bergleute. Gemäß Schikaneders Motto, dass das Theater von der Realität nicht zu trennen ist, bringt der Film die Welt der Theaterleute mit der der Dorfbewohner in einen Kontakt, der ihr aller Leben kreativ umgestaltet, inklusive der Freilichtaufführung.

        Die Theaterleute, die Reichen und die Adeligen tragen Perücken und schminken sich. Damit distanzieren sie sich auch optisch vom einfachen Volk auf dem Land, das für Kunst nach herrschender Meinung nichts übrig hat. Der Kutscher der Theatertruppe aber begeistert die Magd des Wirtshauses, wenn er im Stall Monologe aus Shakespeare-Stücken vorträgt. Die Sprache der Figuren ist altertümlich gewählt: „Erzähl er doch bitte weiter“, fordert Babette Paccoli den Gast Schikaneder auf, Details aus seinem neuen Stück mit dem Bergrebellen preiszugeben. Die Musik von Gerd Baumann ist im Stil der damaligen Zeit gehalten und unterstützt die leichte, verspielte Atmosphäre.

        Emanuel Schikaneder, gespielt von Max von Thun, ist die schillerndste Figur der Geschichte: Halb ist er ein Tausendsassa wie aus einem Mantel- und Degen-Film, halb ist er der abgehobene Künstler, der sich die Realität interpretiert, wie er sie braucht. Er wirkt manchmal ein wenig irre, meistens wie ein Hochstapler und doch offenbart er im Laufe der Handlung auch geniale Züge. Doch auch andere Rollen bieten den Darstellern in Rosenmüllers Ensemble außergewöhnliche Möglichkeiten, ihr Talent zu entfalten. Ob es nun der von Michael Kranz gespielte Kutscher ist, der mit leuchtenden Augen einen Bühnenmonolog für seine Magd improvisiert, die von Anna Maria Sturm gespielte schlagfertige Babette, der beharrlich-verliebte Wallerschenk, den Nicholas Ofczarek gibt, Lisa Maria Potthoff als Eleonore Schikaneder oder der Kabarettist Maxi Schafroth in seiner ersten Kinorolle als Vester, sie schaffen zusammen einige brillante Momente.

        In den Dialogen prallen die verschiedenen Mentalitäten aufeinander und es ergeben sich urplötzlich neue Blickwinkel. Rosenmüller bannt die Authentizität dieses Theaters virtuos auf die Leinwand, und zwar mit den flexiblen Mitteln des Films wie beweglicher Kamera und Perspektivenwechsel. Die gehobene, ausgelassene Atmosphäre, in der nichts unmöglich zu sein scheint, überträgt sich auf den Zuschauer. Auch wenn Rosenmüllers Lust am experimentellen Spiel manchmal ins Alberne überschwappt und dadurch die Spannung dämpft, überrascht der Witz von Einfällen wie, die Bergleute einen Blues singen zu lassen oder Vester, seiner Zeit weit voraus, über sein Befinden schwafeln zu lassen.
      • | FAZIT

      • Ansteckende Spielfreude, brillante Momente und eine Liebeserklärung an das Theater bietet Marcus H. Rosenmüllers im Jahr 1780 angesiedelte Ensemblekomödie.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bianka Piringer

      • | Userwertung

      Wertung: 5.3/10 (4 votes)

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