Dienstag | 29. Mai 2012 | 05:34 Uhr
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  • FILM REVIEW | Der Gott des Gemetzels
  • Der Gott des Gemetzels

    Drama, Komödie | Frankreich / USA 2011
  • | INHALTSANGABE

  • Auf einem Spielplatz in Brooklyn streiten sich zwei elfjährige Jungen. Einer der beiden schlägt zu mit einem Stock, den er in der Hand hält, der andere verliert zwei Zähne. Die Eltern des Opfers, Penelope und Michael, laden die Eltern des Täters, Nancy und Alan, zu einem Gespräch in ihre Wohnung. Zuerst sind alle mehr oder weniger bemüht, sich zu einigen, indem sie den Vorfall bedauern und missbilligen. Aber schon bald eskalieren leichte Meinungsverschiedenheiten zu gegenseitigen Beschimpfungen. Alkohol fließt, die Hemmungen fallen, Ehekrisen kommen zum Vorschein, die Nerven liegen blank.
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      • | FILMKRITIK

      • Bereits das gleichnamige Theaterstück von Yasmina Reza aus dem Jahr 2006 war ein internationaler Erfolg, und das Interesse an der Verfilmung dürften darüber hinaus die großen Namen von Cast und Crew schüren. Ein Film von Roman Polanski ist für viele Kinogänger einfach ein Muss, und hier lässt er vier Charaktere sich verbal die Köpfe einschlagen, die von Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz und John C. Reilly gespielt werden.

        Nach dem Prinzip, dass Erwachsene die Sache schnell verschlimmern können, wenn sie sich in den Streit ihrer Kinder einmischen, läuft auch das Treffen der beiden Elternpaare in Brooklyn aus dem Ruder. Dabei streifen die kultivierten Erwachsenen nach und nach die Regeln der Höflichkeit, des guten Benehmens und den Gemeinschaftssinn ab, den sie bei der Auseinandersetzung ihrer Kinder vermissten. Die von Jodie Foster gespielte Penelope ist als Mutter des Jungen mit den ausgeschlagenen Zähnen besonders zäh darin, die Tat zu verurteilen und von den Eltern des Schlägers Betroffenheit und Reue zu verlangen.

        Die erwartete Zerknirschung verweigert ihr der von Christoph Waltz gespielte zynische und desinteressierte Alan, dessen Sohn die Tat begangen hat. Seine Frau Nancy, die von Kate Winslet dargestellt wird, und der Mann Penelopes, Michael, vertreten anfangs noch moderate Positionen. Man isst Kuchen, trinkt Kaffee, Alan telefoniert als vielbeschäftigter Rechtsanwalt alle paar Minuten per Handy. Das regt wiederum seine Frau Nancy auf, die auch Anstoß daran nimmt, dass Michael, gespielt von John C. Reilly, nichts Schlimmes daran findet, den Hamster seiner Tochter ausgesetzt zu haben. Der gutmütige Michael, der Scotch serviert, hält irgendwann nicht mehr hinter dem Berg damit, dass ihm seine eigene Frau mit ihren moralischen Ansprüchen auf die Nerven geht.

        Worüber die vier Personen streiten und wie sie argumentieren, während die Hemmungen allmählich fallen, das wirkt realitätsnah und in der satirischen Zuspitzung komisch. Polanski drehte den Film fast ausschließlich im Wohnzimmer von Penelope und Michael. Die Vierergruppe verlagert sich mal ins Treppenhaus, dann geht jemand ins Bad, man kommt im Wohnzimmer wieder zusammen. Das Geschehen spielt sich in Echtzeit ab, es gibt keine Unterbrechungen im Sinne von „Am nächsten Morgen“ oder „Stunden später“. Damit schafft die Komödie eine theaterhafte Atmosphäre, die durch die Art des Schauspiels an manchen Stellen noch verstärkt wird.

        Besonders Christoph Waltz stellt Alan genüsslich als Egoisten dar, der kein Blatt vor den Mund nimmt, wenn er sich über die gesellschaftlichen Konventionen im Allgemeinen oder das Gutmenschentum von Penelope im Besonderen lustig macht. Wenn dieser Alan dann urplötzlich in sich zusammensinkt, wenn Penelope in Tränen ausbricht, Michael sich als rücksichtsloser Grobian entpuppt und Nancy betrunken ausrastet, dann sieht das einem Bühnenspiel ähnlich. Der Verlauf dieser Eskalation ist amüsant, auch wenn ihr Inhalt zu keinen neuen philosophischen oder psychologischen Erkenntnissen führt.
      • | FAZIT

      • Polanskis Wohnzimmerstreit ist vor allem wegen der vier Darsteller Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz und John C. Reilly sehenswert.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bianka Piringer

      • | Userwertung

      Wertung: 7.8/10 (8 votes)

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