Die 20-jährige Marisa lebt bei ihrer Mutter in der ostdeutschen Provinz. Die Tätowierungen auf ihrem Körper zeigen ihre rechtsextreme Gesinnung. Mit ihrer Clique verprügelt sie Fahrgäste in einem Regionalzug, worauf ihr Freund Sandro, der Haupttäter, verhaftet wird.
An einem Badesee kommt es zu einem Streit der Clique mit zwei jungen afghanischen Asylbewerbern. Voller Wut tritt einer von ihnen gegen den Außenspiegel von Marisas Auto. Marisa fährt dem Mofa der beiden nach und fegt es von der Straße. Später begegnet sie einem der Afghanen im Supermarkt. Rasul ist minderjährig und will nicht ins Jugendheim, sondern nach Schweden zu seinem Onkel, erzählt er Marisa und bittet sie um Hilfe. Inzwischen ist Sandro aus dem Gefängnis entlassen worden und hat sich eine Pistole gekauft.
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| FILMKRITIK
Von den blühenden Landschaften, die Kanzler Kohl einst prophezeite, ist diese ostdeutsche Provinz weit entfernt. Die Elterngeneration hat sich in Gefühlsarmut zurückgezogen. Die rechtsextremen Jugendlichen in Marisas Clique sind erlebnishungrig, und sie haben wenig, worauf sie stolz sein können. Regisseur und Drehbuchautor David Wnendt hat für seinen Abschlussfilm an der Filmhochschule Konrad Wolf in Potsdam-Babelsberg viel recherchiert unter jungen ostdeutschen Neonazis. Das merkt man dem Drama „Kriegerin“ an.
Marisa wohnt nicht nur bei ihrer Mutter, sie arbeitet auch im gleichen Supermarkt wie sie. Die Mutter nimmt Sandros Anwesenheit in ihrer Wohnung hin, selbst als es deswegen einen Polizeieinsatz im Haus gibt. Als im Supermarkt die beiden Afghanen an die Kasse kommen, weigert sich Marisa, ihre Waren anzunehmen, und die Mutter eilt von hinten herbei, um ihre Tochter an der Kasse abzulösen. Einerseits also akzeptiert sie ihre Einstellung, andererseits macht sie ihr einmal klar, dass sie ihr außer Kinderkriegen nicht viel zutraut.
Alina Levshin stellt Marisa dar, die extrem gewalttätig werden kann und sich burschikos und abgebrüht gibt. Aber wenn sie ihren Großvater im Krankenhaus besucht, zeigt sie eine weiche Seite. Ihre Impulsivität beweist, dass sie noch nicht erwachsen geworden ist. Glücklicherweise geht der Film nicht so weit ins Unglaubwürdige, dass er Marisa und den Afghanen Rasul zum Liebespaar macht, vielmehr geht ihr allmähliches Sich-Kennenlernen nur zögerlich in Richtung Freundschaft. Rasul erscheint als ein Opfer der Behörden, ihm wird vom Amt sogar ein Telefongespräch mit seinem Onkel in Schweden verweigert. Wenn sich der Junge in einem leerstehenden Haus versteckt und sich fragt, wie er die Schlepper bezahlen soll, die über das Meer fahren, sieht Marisa einen Menschen in Not, statt ihr Feindbild von gestern.
Die 15-jährige Svenja, gespielt von Jella Haase, rutscht in die rechte Szene aus Protest gegen ihren Stiefvater. Mit ihr wird der Zuschauer durch die Räume einer Blockwohnung geführt, die einem älteren Nazi gehört. Dutzende meist männliche Jugendliche haben sich dort eingefunden, um sich zu betrinken und sich von NS-Propaganda berieseln zu lassen, als wäre das ultimatives Geheimwissen. Der kollektive Rausch wirkt abstoßend und verwandelt die Wohnung in eine Bruchbude. Die hemmungslose Randale, die in der Neonazi-Gruppe gefeiert wird, dient offenbar dazu, das individuelle Verlierergefühl für kurze Zeit in Triumph zu verwandeln.
Wnendt zieht auch einen Bogen von Marisas Ansichten zu denen ihres geliebten Großvaters. Während die Mutter arbeitete, kümmerte sich der Alte früher um das Kind und legte ihm die Werte seiner braunen Ideologie ans Herz. Die Mutter selbst ist emotional verkümmert, wie auch Svenjas Mutter als Bezugsperson nicht wirklich zur Verfügung steht. Auch gegen die Unsicherheit der Eltern richten sich die geballten Hassparolen der Neonazis. In diesem Spielfilm, der den Rechtsextremismus unter ostdeutschen Jugendlichen sicherlich nicht umfassend erklären kann, sieht er aus wie die hässliche Fratze einer Verwahrlosung, die sich von der Landesebene über die soziale Kommunikation bis zu den Individuen erstreckt.
| FAZIT
Der Filmhochschul-Absolvent David Wnendt hat für sein Drama gründlich in der rechtsextremen Jugendszene Ostdeutschlands recherchiert.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung