Montag | 28. Mai 2012 | 12:31 Uhr
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  • FILM REVIEW | Poliezei
  • Poliezei

    Drama | Frankreich 2011
  • | INHALTSANGABE

  • Als PR-Maßnahme soll die Fotografin Melissa (Maiwenn) die tägliche Arbeit der Pariser Jugendschutzbehörde dokumentieren. Besonders Polizist Fred (Joey Starr) sieht darin eine weitere bürokratische Schikane, da die Beamten ohnehin häufig mit ihrem peniblen Chef Beauchard (Wladimir Jordanoff) aneinander geraten. Nach der Verhaftung einer jungen Taschendiebin führt die Abteilung unter Balloo (Fréderic Pierrot) eine Razzia im rumänischen Wohnlager durch, wobei die Kinder von ihren Eltern getrennt und in ein Kinderheim transportiert werden. Weitere Ermittlungen der Polizisten, zu denen die frisch geschiedene Nadine (Karin Viard) und ihre Freundin Iris (Marina Fois) gehören, richten sich gegen eine drogensüchtige Mutter, die ihr Baby entführte, und den Gatten von Madame de la Faublaise (Sandrine Kiberlain) wegen des Verdachts von Kindesmissbrauch. Gerade diese Nachforschungen erweisen sich aufgrund guter Kontakte des Familienvaters (Louis Do de Lencquesaing) zu höheren Kreisen als problematisch, was beim Verhör schnell zu Konflikten führt.
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      • | FILMKRITIK

      • In ihrer dritten Regiearbeit, erneut ein Ensemblestück, porträtiert Schauspielerin Maiwenn Le Besco den zermürbenden Alltag einer Pariser Polizeieinheit für Jugendschutz. Bis in die Nebenrollen mit prominenten Kollegen und Freunden besetzt, zudem die Regisseurin selbst und Coautorin Emmanuelle Bercot, entwirft das glaubwürdige Sozialdrama ein authentisches Bild der mitunter aussichtlosen Ermittlungen gegen jugendliche Diebesbanden, Päderasten, Drogensüchtige und kriminelle Vereinigungen. Stets bleibt die digitale Handkamera nahe an den Protagonisten bei ihren alltäglichen Konflikten im privaten und beruflichen Bereich.

        Neben zahlreichen Ermittlungsfällen werden ebenso die kleinen Probleme wie unglückliche Ehen, Liebesaffären und Scheidungszwiste angeschnitten, die sich gleichfalls auf den Revierjob auswirken. Einige dieser Plotstränge werden zu Ende geführt, andere nur als momentane Handlungssplitter aufgeworfen. Die episodenhafte Erzählweise, neben vielen dramatischen auch komische Erlebnisse der Beamten bündelnd, mündet im eher konventionellen Showdown auf der Jagd nach Juwelendieben in einem Shoppingcenter. Offensichtlich wollte Maiwenn ihre authentische Milieu- und Charakterstudie doch mit einem traditionellen Finale beenden.

        In den letzten Jahren machte sich die einst mit Luc Besson verheiratete Maiwenn, deren Schwester Isild Le Besco ebenfalls als Schauspielerin und Regisseurin reüssierte, auf der Leinwand eher rar. Dagegen konnte sie sich mit ihren drei Regiearbeiten „Verzeiht mir“, „Le Bal des Actrices“ und „Poliezei“ Achtung verschaffen. In allen dreien vermischen sich Spiel- und Dokumentarfilm, wobei stets ein medial gebrochener Blick auf die Wirklichkeit entworfen wird. Erst durch den Kamerablick entsteht eine neue Wahrnehmung der sozialen Realität, die veränderte Perspektiven, aber auch Fragestellungen aufwirft. Doch dieses Mal wirkt die von Maiwenn gespielte Fotografin, die zunächst die Zuschauerposition einnimmt, dann aber in die Handlung eingreifen darf, überflüssig. Damit mag sie ihre eigene Position während der Filmvorbereitungsphase reflektieren und überhöhen, doch für den Verlauf der Geschichte erscheint diese Figur wenig hilfreich.

        Als die in Cannes mit dem Jurypreis ausgezeichnete Filmemacherin auf dem Münchner Filmfest ihr neues Werk vorstellte, berichtete sie, dass viele Passagen in improvisierten Proben unter den Darstellern entstanden. Letztlich kamen die Akteure damit ganz unterschiedlich klar. Gerade zu Beginn hemmen die zahlreichen Diskussionen unter den Beamten aber den Erzählfluss. Stärker wirken die glaubwürdigen Straßen- und Rechercheszenen nach. Maiwenn betonte, dass zwar die Charaktere erfunden, aber die aufgeworfenen Fälle real seien. Besonders die unerklärliche Kurzschlusshandlung einer Protagonistin in der Schlussszene habe sich tatsächlich so zugetragen. Für ihr nächstes Projekt wolle sie aber Abstand von Ensembledramen gewinnen und wieder mit neuen Darstellern arbeiten. Vielleicht verzichtet sie dabei auch auf einige zu übertriebene Szenen, die im Figurenkontext zu unplausibel wirken.
      • | FAZIT

      • Ein desillusionierendes Polizeiporträt zwischen Schreibtisch- und Straßenkämpfen mit Schwächen im Timing.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Gregor Ries

      • | Userwertung

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