Als 17. Earl of Oxford und Günstling von Queen Elisabeth (Joely Richardson/Vanessa Redgrave), kann es sich Edward de Vere (Jamie Campbell Bower/Rhys Ifans) nicht leisten, seine selbst verfassten, regierungskritischen Theaterstücke unter eigenem Namen zu veröffentlichen. Kurzentschlossen wählt er den Weg, einen Strohmann für deren Aufführung einzusetzen. Da der talentierte, aber impulsive Autor Ben Jonson (Sebastian Armesto) die Qualität des ihm anvertrauten Stoffes verkennt und weiterhin auf den eigenen Durchbruch hofft, ergreift der selbstverliebte Schauspieler William Shakespeare (Rafe Spall) die Gelegenheit und präsentiert sich als Schöpfer von „Henry V“. Um sich keine Blöße zu geben, müssen de Vere und Jonson den Schwindel unterstützen.
Gleichzeitig verzaubert de Vere Königin Elisabeth mit seinen poetischen Schriften, obwohl er längst mit der Tochter seines verschlagenen, machgierigen Vormunds William Cecil (David Thewlis) verheiratet ist. Sowohl die Affäre mit der Queen als auch dessen politische Ambitionen sind dem höfischen Chefberater ein Dorn im Auge. Um jeden Preis will er den Einfluss seines buckligen Sohns Robert (Edward Hogg), des Earl of Salisbury, ausbauen, wobei Cecil einen früheren unbedarften Mord des rebellischen de Vere geschickt einzusetzen weiß.
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| FILMKRITIK
In den Babelsberger Studios entstand Roland Emmerichs ambitioniertestes Projekt über die vermeintliche wahre Identität des Autors der Shakespeare-Werke, das im elisabethanischen England rund um Thronfolgeintrigen angesiedelt ist. Laut des Skripts handelt es sich beim angeblichen Verfasser um einen unbedarften Säufer; Mörder und Aufschneider, während der wahre Autor Edward de Vere aus Standesgründen und politischem Kalkül seine Begabung verbergen musste. Erstmals seit 22 Jahren, dem zähen Science Fiction-Actionfilm „Moon 44“, drehte der Schwabe wieder in Deutschland. Obwohl der Spezialist für Alien- und Monsterinvasionen zuletzt mit „The Day after Tomorrow“, „2012“ und als Produzent von „Trade – Willkommen in Amerika“ ambitionierte Züge erkennen ließ, überrascht die Stoffwahl zunächst. Doch Emmerich sah in John Orloffs Skript ein publikumswirksames Projekt um Liebe, Hass, Eifersucht, Rebellion und Mord.
Dem ursprünglichen Konzept fügte er den Machtkampf um die Thronfolge von Queen Elisabeth und ein Inzestmotiv hinzu. Hierbei entpuppt sich die „jungfräuliche Königin“ als keineswegs so enthaltsam wie allseits angenommen. Obwohl er von der Wahrhaftigkeit der umstrittenen Oxford-Theorie überzeugt ist, war es für Emmerich wichtig, mit einem Gegenwartsauftritt von Sir Derek Jacobi als Erzähler, gleichfalls die Klammer um die historische Handlung, zu beginnen, um das Geschehen als bewusste Fiktion, als imaginäres Spiel zu verdeutlichen.
Roland Emmerich, der sein Werk auf der Buchmesse vorstellte und an einer teils hitzigen Podiumsdebatte zum Thema Shakespeare-Urheberschaft teilnahm, benötigte fünf Jahre, um das Projekt auf die Beine zu stellen. Im Gespräch sagt er, inzwischen sei er über diesem Umstand ganz froh. Vor Jahren hätte sich das Budget schon in die Richtung 45 Millionen bewegt, was zu viel sei für einem Kostümfilm, der es an den US-Kassen erwartungsgemäß und Genre bedingt schwer haben wird. Letztlich gelang es Emmerich, die Herstellungskosten auf 25 Millionen Dollar zu drücken. In einer Sache zeigte er sich allerdings unnachgiebig gegenüber Produzent Larry Franco: Viele Hintergründe aus dem elisabethanischen England wurden per CGI kreiert, doch bei den Bühnen des Rose und Globe Theaters, die aus einem Set bestehen, insistierte Emmerich auf eine Konstruktion in Babelsberg. Dabei gibt er zu, sich erzählerische Freiheiten genommen zu haben, da zur damaligen Zeit etwa keine Bühnenkulissen existierten
Gerade die Theatermomente, die Shakespeares Stücke mit visuellen Einfallsreichtum manchmal etwas zu verspielt zum Leben erwecken, geben der beweglichen Kamera Platz, durch die Ränge zu gleiten und die mitgerissenen Massen einzufangen. Anna J. Foerster, erstmals Emmerichs „Director of Photography“, orientierte sich an Vermeers Gemälden, um die Szenerie mit geringem Licht und reichlich Schatten einzufangen: „Verschwörung und Betrug werden in der Dunkelheit geboren, und einige Charaktere leben am besten im Schatten“. Emmerich schwört auf die talentierte Bild- und Effektspezialistin, die für Luftaufnahmen oder als Regieassistentin bei vielen seiner Projekte seit „Independence Day“ beteiligt war: „Anna sollte schon bei ‚10000 B.C.’ die Kamera übernehmen, aber damals war ihr das Projekt noch zu groß. In nächster Zeit wird sie aber bei allen meinen Filmen für die Kameraarbeit zuständig sein.“
Auf die Frage, ob das niedrige Budget dafür verantwortlich sei, dass vorrangig erfahrene, aber weitgehend unbekannte Darsteller eingesetzt wurden, entgegnet Emmerich, dass schon bei „Amadeus“ niemand zuvor die Akteure kannte. Dabei gibt er zu, dass es verschiedene Autorenversionen für die Urheberschaft der Shakespeare-Stücke wie etwa Francis Bacon oder Christopher Marlowe gibt. Gegen die Oxford-Theorie spricht, dass einige Werke erst nach dessen Tod veröffentlicht wurden. Verstärkt ging es ihm aber um einen fesselnden Historienkrimi rund um bestehende Fakten. Zahlreiche Elemente um Intrige und Inzest fügte Emmerich hinzu, weil er als Geschichtenerzähler mehr daran interessiert war, ein düsteres Drama in Shakespearischen Dimensionen zu entwickeln.
Zunächst muss man sich allerdings erst einmal innerhalb der Rückblende-in-der-Rückblende-in-der-Rückblende-Struktur zurecht finden. Dass die Charaktere meistens doppelt besetzt wurden, erleichtert dem Zuschauer die Orientierung keineswegs. Nur David Thewlis als verschlagener Gegenspieler tritt per Maske in verschiedenen Altersstufen auf. Nach „Wetherby“ verkörpern Vanessa Redgrave und ihre Tochter Joely Richardson erneut gemeinsam eine Person, hier die mehrfach manipulierte Queen Elisabeth. Doch nach einiger Zeit vermag man sich im verschachtelten Aufbaus zu orientieren und von dem düsteren Spektakel dank herausragender Ausstattung, Kameraführung und Akteursleistung mitreißen zu lassen. Nebenbei wirft Emmerich noch Fragen um Geniekult, Unterdrückung von literarischer Kritik und der Imaginationskraft auf – alles Sujets, die weiterhin aktuell sind.
| FAZIT
Roland Emmerichs bislang bester Film ist jenseits aller Spekulation ein packendes Kostümdrama um den ewigen Widerstreit zwischen Politik und Literatur
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung