Montag | 28. Mai 2012 | 12:49 Uhr
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  • FILM REVIEW | Jonas
  • Jonas

    Komödie | Deutschland 2011
  • | INHALTSANGABE

  • Was wäre, wenn man noch einmal die Schulbank drücken müsste? Der Schauspieler und Entertainer Christian Ulmen wollte es wissen und meldete sich als der 18-jährige Jonas, zweimal sitzengeblieben, an der Paul-Dessau-Gesamtschule in Zeuthen bei Berlin, an. Dort wurde er, mit Probezeit, in die 10. Klasse aufgenommen, seine letzte Chance auf die Mittlere Reife. Während dieser sechs Wochen begleitete ihn das Filmteam in die Unterrichtsstunden, auf den Pausenhof und zu den Treffen der von ihm gegründeten Schulband.
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      • | FILMKRITIK

      • Frankreich hat Schulfilme wie „Die Klasse“ und „Sein und Haben“, in Deutschland besucht Christian Ulmen als ein angeblich 18-Jähriger eine real existierende Schule. Was soll dabei herauskommen? Ein Beitrag zur Überwindung der Pisa-Misere sicher nicht. Denn der falsche Schüler hat mit einem echten Jugendlichen wenig gemeinsam. Die wirklichen Schüler und ihre Lehrer zeigen sich so nett und umgänglich, dass man sich fragt, warum das Image der Lehranstalten dann nicht besser ist und warum einem in der eigenen Schulzeit nicht eine ähnliche Idylle widerfuhr.

        Inspiriert wurde Ulmen, wie er im Presseheft erzählt, zu diesem Projekt von seinen nächtlichen Albträumen, das Abitur noch einmal machen zu müssen. Solche Angstträume mit dem Zurück-zur-Schule-Szenario kennen vermutlich die meisten Menschen. Vielleicht steckt ja bei dem einen oder anderen auch der heimliche Wunsch dahinter, noch einmal Schüler sein zu dürfen. Wenn man nun also, vertreten durch Christian Ulmens Jonas, den Alltag in einer Klasse der Gegenwart erlebt, dann stellt sich bald Erleichterung ein, dort nicht mehr wirklich drin sitzen zu müssen. Und zwar trotz aller Harmonie schon deshalb, weil Schule noch langweiliger wirkt, wenn man sie nicht mit dem Geist eines Heranwachsenden wahrnimmt.

        Regisseur Robert Wilde, der auch schon die Fernsehserie „Mein neuer Freund“ mit Christian Ulmen inszenierte, verzichtet hier im Unterschied zu damals auf eine versteckte Kamera. Die Schule war über das Projekt informiert, wobei unklar ist, wer alles über die echte Identität von Jonas Bescheid wusste. Der junge Schuldirektor ist den Wünschen und Anliegen seines neuen Schülers gegenüber sehr verständnisvoll, er lässt sich sogar von Jonas umarmen. Im Nullkommanix kann Jonas seine Schulband-AG gründen und wenn er ein Megafon benutzt, um die Mitschüler im Pausenhof auf sich aufmerksam zu machen, wird das als witziger Einfall toleriert.

        Jonas sucht fleißig das Gespräch zu seinen neuen Lehrern, auch über den Unterricht hinaus. Er schwärmt für seine blonde Musiklehrerin und fürchtet den Mathematikunterricht. Alle Lehrer finden Jonas als freundlichen, mal schlagfertig-gewitzten, mal unsicher-naiven Charakter sympathisch. Auch die Schüler machen es Jonas erstaunlich leicht, sich zu integrieren und schmunzeln zustimmend, wenn er sich etwas eulenspiegelhaft im Unterricht einbringt. Das Verhalten der Schüler und Lehrer ist sicher nicht nur der Kamera geschuldet, sondern belegt auch, über welches humane und harmonische Potenzial diese Schule verfügt. Ob es jenseits von „Jonas“ auch so zur Geltung kommt, das können aber nur die echten Mitglieder der Schulfamilie wissen.

        Ärgerlich ist die narzisstische Plattform, die dieser Film Christian Ulmen bietet. Als falscher 18-Jähriger leitet er die Bandproben und die Jugendlichen lassen sich von ihm unterweisen wie von einem Rockmusiker. Als Falsch-Verliebter überrascht er die Musiklehrerin mit einem Sektpicknick. Sie reagiert freundlich, aber korrekt, und die Idee entlarvt ihre selbstgefällige Intention, denn welcher echte Jugendliche würde sich trauen, so etwas aufzuziehen? Jung und Schüler zu sein, ist oft genug peinlich, aber nicht mehr jung zu sein und die Schule als Bühne für eine solche Ego-Show zu verwenden, ist noch viel peinlicher.
      • | FAZIT

      • Christian Ulmen schaut sich als vorgetäuschter 18-Jähriger an einer echten Schule um und beweist, wie peinlich es ist, sich nicht altersgemäß zu verhalten.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bianka Piringer

      • | Userwertung

      Wertung: 5.5/10 (2 votes)

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