Otis und Eddy träumen im Berlin des Jahres 2000 von einer Karriere als Rapper. Die jungen Männer haben Talent, aber weder Einkommen noch Knowhow. Auf Anraten des Plattenladenbesitzers Fusco nehmen sie in Eigenregie ein Tape mit ihren Songs auf, das sich im Laden zum Verkaufshit entwickelt. Otis und Eddy heißen jetzt „Blutzbrüdaz“ und lassen sich von Fusco managen. Im Keller seines Ladens soll, sobald genügend Geld hereingekommen ist, ein Aufnahmestudio für sie eingerichtet werden.
Der Musikproduzent Facher möchte das Duo bei dem großen Plattenkonzern, für den er arbeitet, unterbringen. Otis und Eddy nehmen das verheißungsvolle Angebot an und singen fortan im Studio, gehen zu Fotoshootings und bekommen Auftritte im Rundfunk. Facher stellt den jüngeren Eddy, den er für publikumswirksamer hält, in den Vordergrund und lässt ihn Soloparts zu den Texten von Otis singen. Auch sonst muss Otis erkennen, dass er nicht mehr viel zu melden hat bei den Blutzbrüdaz und steigt im Zorn aus. Während Eddy nun allein die große Karriere macht, findet auch Otis Verbündete, die ihm helfen wollen, ein eigenes Album herauszubringen.
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| FILMKRITIK
Der Berliner Rapper Sido ist der Hauptdarsteller in diesem Spielfilm, der von Constantin Film und Fatih Akins Firma Corazón International gemeinsam produziert wurde. Als HipHop-Musiker Otis, der mit seinem besten Freund den Aufstieg zum gefragten Rap-Duo schafft und dann zur Marionette der Musikindustrie degradiert werden soll, spielt Sido eine Figur, deren Milieu und Mentalität er bestens kennt. Trotzdem ist der zweite Film des „Chiko“-Regisseurs Özgür Yildirim weder Biografie noch um Authentizität bemühtes Szeneporträt, sondern ein Unterhaltungsfilm mit Komödienelementen. Dabei mischt er kernige Sprache und realistische Züge mit viel Musik und ein wenig unentschieden auch mit weiteren Zutaten wie Charakterdrama und Romanze.
Die Geschichte von Otis und seinem besten Freund Eddy, der von Sidos Rap-Kollegen B-Tight gespielt wird, ist nicht zufällig im Jahr 2000 angesiedelt. Damals, so die Filmemacher, habe in Berlin eine neue Generation von HipHop-Musikern angefangen, von denen manche wie Sido den Sprung vom Underground in den Mainstream schafften. Am Beispiel der beiden Freunde, die blutige Amateure sind und sich am Konflikt von künstlerischer Freiheit und Vermarktung aufreiben, geht es um eine zeitlos-typische Story vom Aufstieg im Showbusiness.
Die Jahrtausendwende ist so weit weg, dass es damals nicht nur noch die D-Mark gab, sondern auch Musikcassetten und Vinylplatten. Das mutet stellenweise etwas übertrieben retro an, andererseits sind die Protagonisten aber mit den Möglichkeiten des Internets auch vertraut. Die Betonung des Altmodischen eröffnet komödiantische Plattformen, indem die Jung-Rapper zum Beispiel schön unpassend in elterlichen Wohnzimmern mit verschnörkelten Tapeten und Regalen voller Nippes hocken müssen. Oder indem es beinahe glaubwürdig wirkt, wenn Otis und Eddy anfangs den musiktechnischen Jargon nicht beherrschen und nicht in der Lage sind, im Laden ein Mikrofon auszuwählen.
A propos Mikrofon für die Erstaufnahme, es wird geklaut, denn wie sagt der von Alpa Gun gespielte Adal zu seinem Kumpel Otis so schön: „Wann hast du gesehen, dass ich was gekauft hab?“ Diese Nebenrolle ist zuständig für die Prise Gangstertum, die eine ernstzunehmende Rappergeschichte offenbar benötigt, zumindest im Drehbuch von Nicolas J. Schofield und Jan Ehlert. Zum Straßen- und Underdogmilieu, das Otis und Eddy in ihren Songs beschwören, passt auch die Sprache der Protagonisten untereinander, von „Ey Alter“ bis „Jetzt ficken wir!“.
Otis und Eddy mimen die Durchblicker, die aber auf komische Weise keine Ahnung haben, wie sie mit Geschäftspartnern verhandeln müssen. Sowohl Sido als auch B-Tight beweisen Humor und Mut zu unvorteilhafter Darstellung, wenn sie zum Beispiel im Studio auf Geheiß des Produzenten Facher plötzlich zu singen versuchen und das lächerlich klingen lassen. Die Verbiegung, die Facher, gespielt von Tim Wilde, von ihnen verlangt, geht für Otis einher mit einer Kette von Demütigungen. Es gehört zu den stärkeren Seiten des Films, wie Sido die Verwundbarkeit dieser Figur zeigt und sie nicht zum überdimensionalen Helden stilisiert. Kernige Authentizität vermitteln die Szenen mit improvisiertem Rap, auch in Duellform in Clubs oder beim Proben im Wohnzimmer. Überflüssig wirken hingegen die zögerlichen Frauengeschichten, auf die der Film nicht ganz verzichten wollte.
| FAZIT
Die Geschichte zweier Underdogs, die Musik-Karriere machen, punktet mit ihren Darstellern Sido und B-Tight, bissiger Sprache und Humor, pendelt aber ein wenig unentschieden zwischen den Genres.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung