Da Simon (Bill Skarsgard) am Asberger-Syndrom erkrankt ist, gestaltet sich das Zusammenleben mit dem pedantischen Weltraumfan als reichlich schwierig. Der Jugendliche toleriert weder körperliche Berührungen fremder Menschen noch Veränderungen in seinem Alltag. Doch Frida (Sofie Hamilton), genervte Freundin seines Bruders Sam (Martin Wallström), will sich auf Dauer nicht mehr seinem strengen Reglement fügen und zieht aus ihrer Wohnung aus. Um eine neue Freundin für seinen depressiven Bruder zu finden, zumal sich dieser jetzt nicht mehr ausreichend um Simon kümmert, umwirbt der autistische Junge die spleenige Jennifer (Cecila Forss). Um jedoch ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen, muss er erst einmal selbst seinen Kokon verlassen.
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| FILMKRITIK
Auf die Frage, was er eigentlich von seinen schauspielernden Söhnen hält, entgegnete Stellan Skarsgard vor zehn Jahren in einem Berlinale-Interview sarkastisch: „Schauspieler? Das sind doch keine Schauspieler, das sind nur Stars.“ Inzwischen dürfte der international erfolgreiche Kosmopolit seine Meinung geändert haben, da er selbst schon mehrfach mit ihnen vor der Kamera stand. Am bekanntesten ist gewiss Alexander Skarsgard, der inzwischen mit Filmen wie „Straw Dogs“ in Hollywood Fuß fasste und zuletzt bei Lars von Triers „Melancholia“ an der Seite seines Vaters agierte. Aber auch der jüngere Sohn Bill kann mehrere Hauptrollen vorweisen, wobei er hier in Schwedens diesjährigem Oscar-Vorschlag „Simple Simon“ als eigensinniger, penibler Achtzehnjähriger mit Asperger-Syndrom überzeugt.
Im rot-blauen Trainingsanzug und mit gescheitelter Frisur erweist sich Simon als fanatischer Raumfahrtsexperte, der Kubricks „2001“ längst auswendig kennt und im Gegensatz keine Liebeskomödien mag. Wenn der prinzipientreue Jugendliche sein Ordnungssystem gefährdet sieht, flüchtet er in einen überdimensionalen Kessel als Raumkapselersatz. Hier lässt er alle Lebensstürme unbeirrt an sich vorüber ziehen. Während es Bruder Sam gewohnt ist, mit diesen Macken umzugehen und deshalb Simon bei sich aufgenommen hat, will dessen Freundin irgendwann nicht mehr sein rigides Ordnungssystem tolerieren. Auf der Suche nach einer neuen Lebensgefährtin für seinen Bruder und somit der Rückkehr zur vertauten Norm begibt sich der kranke Sonderling auf eine ungewöhnliche Brautschau.
Natürlich wird es schnell deutlich, dass seine Zufallsbekanntschaft, die flippige Sophie, genau die richtige Freundin für Simon selbst wäre – schon einmal deshalb, weil sie sich in ihrem chaotischen Handeln als genaues Gegenteil entpuppt und ihn somit ideal ergänzt. „Im Weltall gibt es keine Gefühle“ ist eine jener typisch skandinavischen Produktionen in „Elling“-Tradition, die humorvoll für einen toleranten Umgang mit Behinderten plädieren. Andreas Öhmans märchenhafte Romantikkomödie um einen Romantikkomödien hassenden Protagonisten glänzt durch skurrile Figuren, wobei man eben akzeptieren muss, dass sich Sophie an Marotten einiges mehr gefallen lässt, als man es normalerweise bei neuen Bekannten durchgehen lassen würde. Selbst Simon muss schließlich lernen, sich auf sein Gegenüber einzulassen.
Zwar gehört Öhmans Debüt nach mehreren Kurzfilmen zu jenen Werken, die ihr anfängliches Tempo und den Witz nicht ganz durchhalten können. Besonders der Prolog mit den computeranimierten Grafiken, die Simons Vorstellungswelt bildlich demonstrieren, wurde reichlich originell in Szene gesetzt. Doch ebenso vermag der restliche Film durch charmanten Witz, ein wenig Klamauk und überzeugende Darstellern zu gefallen. Papa Stellan dürfte durchaus zufrieden sein
| FAZIT
Ein sympathisches Regiedebüt um Handikaps, Liebe und Chaos mit schrägen Bildeinfällen und pfiffigem Witz.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung