Montag | 28. Mai 2012 | 12:53 Uhr
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  • FILM REVIEW | Mein liebster Alptraum
  • Mein liebster Alptraum

    Drama, Komödie, Romanze | Belgien / Frankreich 2011
  • | INHALTSANGABE

  • Die Galeristin Agathe und der Verleger François leben mit ihrem Sohn in einem guten Viertel von Paris. Das Paar umgibt sich mit Künstlern und pflegt einen ausschließlich intellektuellen Kontakt miteinander, denn die Leidenschaft ist längst erloschen. Der Sohn ist in der Schule keine Leuchte, sein neuer Freund hingegen wirkt sehr klug auf Agathe. Dessen Vater Patrick schockiert sie umso mehr: Der Mann ist ein bildungsferner Rüpel ohne festen Wohnsitz, dem das Jugendamt den Sohn wegnehmen will. Bevor Agathe weiß, wie ihr geschieht, renoviert Patrick ihre Wohnung und macht sich dort auch sonst recht breit. François hingegen entdeckt die Liebe neu, mit der Frau vom Wohnungsamt, die ihm Patrick vorstellt. Agathe wirft François hinaus.
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      • | FILMKRITIK

      • Ein ungebildeter Rüpel drängt sich in das Leben eines intellektuellen Paares und lockt es aus der vornehmen Reserve. Die französische Komödie von Regisseurin Anne Fontaine bezieht ihren Witz aus dem Zusammenprall sozialer Gegensätze. Die Hauptfiguren, vor allem Agathe und Patrick, sind überspitzt gezeichnet, so dass ihr Benehmen sie permanent in Konflikt miteinander bringen muss. Die spritzigen Dialoge und romantischen Abwege sind umso amüsanter, als in den Hauptrollen Isabelle Huppert, Benoît Poelvoorde und André Dussollier auftreten.

        Die Galeristin Agathe wird als arrogantes Biest eingeführt. Wie sie ihren Assistenten abkanzelt, die Busfahrerin zur Eile antreibt und beim Elternabend respekteinflößend Einwände erhebt, das macht sie auf Anhieb unsympathisch. Wer sich mit dieser Frau anlegt, der muss selbst was auf dem Kasten haben. Aber es ist ausgerechnet Patrick, das asoziale Großmaul, das ihr Paroli bietet. Der Vater des Schulfreundes von Agathes Sohn klingelt an der Tür, um seinen Tony abzuholen, und im nächsten Moment kommentiert er im Wohnzimmer die Einrichtung. Der aus „Nichts zu verzollen“ bekannte belgische Schauspieler Benoît Poelvoorde stellt Patrick dar, der viel und gerne über Sex redet und dem Alkohol zuneigt.

        „Wie ist so ein Eiszapfen im Bett?“ wird Patrick schon bald Agathes Lebensgefährten François fragen. Der weißhaarige Verleger vergisst im Gespräch mit Patrick nie seine guten Manieren und begegnet ihm mit einer Mischung aus freundlichem Interesse und Großzügigkeit. François gesteht Patrick, dass er mit Agathe schon lange keinen Sex mehr hatte. Angespornt von Patricks Kommentaren, entdeckt er die Wonnen der Liebe neu, mit einer jungen Frau vom Wohnungsamt. André Dussollier spielt François mit seinem unnachahmlichen Charme, lässig und souverän. Er bringt eine weiche, geschmeidige Dynamik in die Handlung, die sonst im Zusammenprall von Agathe und Patrick zu dick aufgetragen wirken würde.

        Je mehr Patrick sich in Agathes Leben einnistet, desto stärker bröckelt ihre eisige Maske. Sie stellt fest, dass es noch spaßigere Dinge als die eigene Überheblichkeit gibt. In diesem dialogreichen Hin und Her zwischen dem untreuen François und dem aufdringlichen Patrick entdeckt Agathe ihre natürliche Eleganz. Obwohl die Sprache dank Patrick oft auch ordinär gefärbt ist, entfaltet sich in den Repliken ebenfalls viel Eleganz und Raffinesse.

        Ein Kunstwerk des Fotografen Hiroshi Sugimoto, der im Film einen Gastauftritt hat, spielt eine große Rolle in der Beziehung von Agathe und Patrick. Der Banause findet es doof und lächerlich und hält dabei in gewisser Weise auch der erstarrten Agathe den Spiegel vor. Sie, die Expertin, tut sich wiederum schwer, das künstlerisch Wertvolle in Patricks Traum von einer Bar mit einem Frauen-Aquarium zu erkennen. In Wirklichkeit aber sind weder die Kunst noch die Menschen so fixiert auf soziale Schranken, wie es am Anfang noch den Anschein hatte. Fontaines Komödie übertreibt es allerdings irgendwann mit den Verwicklungen und bleibt nicht nahe bei den Figuren, so dass sie zu Schemen abflachen und der Witz überdehnt wird.
      • | FAZIT

      • Die guten Schauspieler sind das Hauptvergnügen in dieser französischen Komödie über soziale Gegensätze.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bianka Piringer

      • | Userwertung

      Wertung: 9.5/10 (2 votes)

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