FILM REVIEW | Vanity Fair - Jahrmarkt der Eitelkeiten
Vanity Fair - Jahrmarkt der Eitelkeiten
Drama,
Romanze
| Großbritannien / USA 2004
| INHALTSANGABE
Rebecca Sharp (Reese Witherspoon), die Tochter eines englischen Malers und einer französischen Opernsängerin, wird, nachdem beide Elternteile verstorben sind, von den Pinkerton’s aufgenommen, um eine Ausbildung zur Gouvernante zu erhalten. Sie lernt dort ihre beste Freundin Amelia Sedley (Romola Garai) kennen, die adligen Standes ist. Becky kann das Ende der Schulzeit kaum erwarten. Zum einen um endlich von den Pinkerton’s loszukommen, die sie immer deutlich haben spüren lassen, dass sie keinesfalls auf dem gleichen gesellschaftlichen Niveau steht wie sie. Zum anderen, weil genau dies in ihr einen inniglichen Wunsch geweckt hat, sich in der Gesellschaft emporzuarbeiten um genau jenen einmal offen ins Gesicht zu lachen, die sie ihr ganzes Leben immer nur klein gehalten haben.
Als die beiden Mädchen endlich ihre Ausbildung vollendet haben, nimmt Amelia Becky mit auf das Gut ihrer Eltern. Becky lernt dort auch Amelias Bruder Joseph Sedley (Tom Mandsley) kennen, ein Gentleman, der sich am liebsten im fernen Indien aufhält. Joseph ist sofort Feuer und Flamme für Becky, die ihn sofort heiraten würde, doch dies wird von Amelias Verlobten George Osborne (Jonathan Rhys Meyers) vereitelt. Wieder einmal wird Becky wegen ihres Standes nicht anerkannt, mehr noch offenkundig diskriminiert.
Becky nimmt stattdessen eine Stelle als Gouvernante bei den Pitts an. Diese leben fernab von der englischen Gesellschaft auf einem verkommenen Gut, ein Ort, an dem Beckys distinguiertes Benehmen wie eine Verschwendung wirkt. Dies ändert sich als die Schwester von Lord Pitt eintrifft, Lady Crawley (Meg Wynn Owen). Diese erkennt sofort, was alles in Becky steckt und nimmt sie mit sich nach London. Mit ihnen reist auch Lady Crawleys Neffe Rawdon Crawley (James Puferoy), der Becky mehr als nur schöne Augen macht. In London angekommen, geht sie auf Rawdons Offerten ein, was gar nicht im Sinne von Lady Crawley ist. Sie verstößt die beiden und versagt ihrem Neffen jegliche weitere finanzielle Unterstützung. So ist Becky ihrem Ziel endlich in der Gesellschaft ganz oben zu stehen, nur wenig näher gekommen. Bald darauf findet die Schlacht von Waterloo statt, bei der Amelias nunmehr Ehemann George Osborne ums Leben kommt. Rawdon jedoch kehrt unversehrt zurück und Becky und er ziehen mit ihrem kleinen Sohn in ein Haus schräg gegenüber des Anwesens von Marquis von Steyne (Gabriel Byrne). Als Becky den Marquis persönlich kennen lernt, sieht sie ihre Chance gekommen, endlich in der oberen Gesellschaft mitzumischen. Rawdon will sie vor den möglichen Gefahren eines solchen Unterfangens warnen, doch Becky schlägt seine Ratschläge in den Wind. Sie riskiert ihr ganzes Glück, nur um endlich anerkannt zu werden.
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| FILMKRITIK
Ein Film über die englische Gesellschaft Anfang des neunzehnten Jahrhunderts von der indischen Regisseurin von MONSOON WEDDING. Wer denkt, dass es abwegiger nicht geht, hat weit gefehlt. Denn Mira Nair schafft es auch in ihrem neuesten Film überzeugende Charaktere zu einer interessanten Gesellschaftsstudie zu formen.
In einer Gesellschaft, in der alles auf gute Abstammung und einen adligen Titel ankommt, ist die junge bürgerliche Becky offensichtlich fehl am Platze. Nichtsdestotrotz riskiert sie sogar ihr persönliches Glück um endlich zu der oberen Klasse gezählt zu werden. Nicht um des Ruhmes willen, sondern um endlich anerkannt zu werden. Immer wieder spürt sie selbst bei Freunden die Gesetze des Adels, die Klüfte, die sich auf einmal zwischen ihr und den umgebenen Menschen auftun. Hollywoods Nachwuchshoffnung Reese Witherspoon vermag es die opulenten Kleider des 19. Jahrhunderts schauspielerisch auszufüllen, obwohl man sie bisher eher aus seichten Komödien kannte.
William Makepeace Thakeray hatte, wie viele seiner zeitgenössischen Autoren, eine Vorliebe für Geschichten, die sich aus vielen verschiedenen Charakteren zusammen setzen. Mira Nair geht nicht immer auf die literarische Vorlage ein, doch behält sie die wichtigsten Charaktere bei. Dadurch entsteht ein umfassendes Bild über alle noch so widrigen Dinge, die in der englischen Gesellschaft vor sich gehen. Mira Nairs Film ist nicht umsonst in Cannes gewürdigt worden, ihre Regiearbeit beweist ein Gespür für die Feinheiten ihrer Figuren, so dass wirkliche Charaktere entstehen, deren Schicksale den Zuschauer nicht unberührt lassen. Nichtsdestotrotz schwiert einem irgendwann der Kopf ob der vielen Figuren und ihrer verschachtelten Beziehungen zueinander. Ab der Hälfte des Filmes steigert Nair zudem das Tempo und so findet man sich unversehens in der Schlacht von Waterloo, Beckys Flucht aus Brüssel und letztendlich sogar in Baden-Baden. Es ist schwer hier den Überblick zu behalten und gleichzeitig alle Entscheidungen der Figuren nachzuvollziehen. Letztendlich behält Mira Nair die Geschichte aber nichtsdestotrotz in der Hand und macht nicht den Fehler sich in weitere Einzelheiten zu verstricken, die die literarische Vorgabe eigentlich vorgesehen hat.
Mit einem kleinen Augenzwinkern nimmt man zu Kenntnis, dass die Wurzeln der Regisseurin aber auch in diesem Film eine Rolle spielen. Dankbar nimmt die Regisseurin den Verweis auf ihr Heimatland an, und inszeniert eine kleine Hommage an Indien als Abschluss des Filmes.
| FAZIT
Eine weitere filmische Umsetzung von Thakerays Stoff, sehr gelungen inszeniert mit überzeugenden Darstellern.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung