Dass der Film auf einer wahren Geschichte beruht, und nicht dem fantasievollen Hirn eines Drehbuchautors entsprungen ist, ist noch lange keine Qualitätsgarantie. Wenn sie dann noch in wunderschönen Bildern von Landschaften und Tieren mit goldenen Gegenlichtaufnahmen erzählt wird, kann man ins Stutzen geraten. Und nachdem das unausweichliche Ende vorgezeichnet ist, da man die Intention des Aussteigers konsequent zu Ende schildert, geht auch die Spannung flöten und das Ganze schrammt am Rande von Edelkitsch vorbei. Unterwegs sind wir mal zu Gast in einer Hippiesiedlung mit FKK Gehalt und der Held philosophiert mit einem alten Mann, warum er aussteigen will, nicht ohne die altbekannten amerikanischen Tugenden zu preisen. Die Sozialkritik am American Way of Life trifft die Eltern und ist platt und unverblümt. Das Beste ist noch der Soundtrack unter anderem mit musikalischen Topvertretern der achtziger Jahre wie Canned Heat. Penn ist eigentlich eher bekannt für erstes Kino. Hier quält er den Zuschauer am Ende wie in einer nicht enden wollenden Seifenoper: der Held ist tot und singt noch eine ewig lange Soloarie. Mannn!
Mir persönlich lag die Aussteigerthematik nicht so sehr, daher erschien mir der Film auch ein wenig zu lang. Nichtsdestotrotz konnte dieser unterm Strich doch recht schöne Film aber zum einen durch die zwischenmenschlichen Interaktionen, die die Hauptfigur im Laufe ihrer Reise zuhauf durchlebt, und zum anderen durch die vielen wunderbaren Bilder des Kameramanns Eric Gautier bei mir punkten. Ebenfalls sehenswert fand ich unter den DVD-Extras das Featurette über die wahre Geschichte des Christopher McCandless, die Entstehung des Buches, auf dem der Film basiert und die Dreharbeiten am Film selbst, für den der Regisseur Sean Penn eine zehnjährige Vorbereitungszeit investiert hat.