Wieder einmal landet ein Flüchtlingsboot aus Afrika am Strand – direkt neben der Touristin Natalie. Halbverdurstete Kinder, Frauen und Männer in einem kleinen Ruderboot, einige Tote – Natalie will helfen, holt für einen Vater und seinen Sohn Wasser. Rettungskräfte versorgen die Flüchtlinge, die Zollpolizei nimmt sie mit. Im Flüchtlingslager werden sie befragt; und besonders José ist skeptisch: Alle geben an, aus dem Kongo zu kommen und politische Flüchtlinge zu sein; doch er ahnt, dass sie alle aus dem einigermaßen sicheren Senegal kommen, um im reichen Westen ein besseres Leben zu finden. Senegal: das bedeutet Abschiebung; und José will das auch durchziehen.
Zola und seinem Sohn Mamadou freilich gelingt die Flucht aus dem Internierungslager, sie finden Unterschlupf in einem Vergnügungspark, wo ihnen Natalie mit Kleidung und Geld hilft – gegen den Willen ihres Freundes, der sie vor Problemen warnt. Probleme aber bekommt Zola, der wegen des Geldes der Touristin fast totgeschlagen wird… Mamadou ist allein; Natalie steht vor den Konsequenten ihres gutgemeinten Handelns; und nur José weiß einen Ausweg, wie wenigstens Mamadou geholfen werden kann…
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| FILMKRITIK
Da ist José, derZollpolizist auf der Kanarischen Insel, der schon viel erlebt und viel gesehen hat, der schon oft angelogen wurde, der sich ein hartes, zynisches Herz zugelegt hat. Da ist Natalie, die Touristin, die konfrontiert wird mit den schwarzafrikanischen Flüchtlingen, die am Strand in einem kleinen Boot zusammengepfercht ankommen, die Hälfte entkräftet, die andere Hälfte tot; und die so gerne helfen möchte. Da sind Zola, der Vater, und Mamadou, der Sohn, die aus dem Senegal kommen und in Europa ein besseres Leben erwarten, die viel Geld für eine mörderische Überfahrt bekamen, die sich für Kongolesen – und damit für politische Flüchtlinge – auszugeben versuchen, die vor den Zollfahndern fliehen und doch nicht wissen wohin.
Maggie Peren hat in ihrem zweiten Spielfilm ein drängendes Thema aufgegriffen; und wie leicht kann ein Flüchtlingsdrama wie dieses in die Hose gehen, wie leicht in Klischees erstarren und in Betroffenheitssentimentalität stecken bleiben, wie leicht kann billig-simplizistisch ein unreflektiertes Gutmenschen-Wohlbefindlichkeitsfilm daraus werden; und wie sehr weist der Titel dieses Filmes auf eben solches recht unerträgliches, weichgespültes Konsens-Tränendrüsen-Kino hin, mit viel mitleidiger Gefühlsduselei, die nur eine leichte Verkleidung der Selbstgerechtigkeit ist…
Allein: Peren schafft es, in den allerweitesten Teilen des Films eine größtmögliche Komplexität zu schaffen; das liegt vor allem an den Figuren, die nicht einfach schwarz-weiß gezeichnet sind. Allerhand Grauschattierungen treffen wir: Zola, der Flüchtlingsvater, ist sicherlich eine Sympathiefigur – aber dennoch: er hat seinen Wasservorrat auf dem Boot nicht geteilt, weshalb einige Kinder verdurstet sind; er ist lediglich ein Wirtschaftsflüchtling, wird nicht verfolgt, will nur ein besseres Leben für sich und seinen Sohn und flieht dafür vor den Problemen in der Heimat. Natalie, die Touristin, ist gutherzig, mitleidig, sie hilft, bringt den Flüchtlingen Wasser, Kleidung, sogar Geld – und ist damit ungewollt schuldig geworden an einer Katastrophe. Sie weiß nichts von den wirklichen Verhältnissen, meint, die Oberfläche mit ihren Gaben verschönern zu können und kann doch den Lauf der Ereignissen nur zum Schlechteren beeinflussen. Ihr Freund übrigens, der zunächst als reiner, egomaner Businessman daherkommt, entwickelt ebenfalls tiefgründigere Seiten, als sein pragmatischer Lebensansatz und die geschäftsmäßige Verwaltung seiner Emotionen zunächst vermuten lassen. José, der Zollpolizist, mit dem hat Peren ein paar Probleme; denn es reicht ihr nicht, ihn sein etwas weicheres Herz entdecken zu lassen, das er sonst streng verborgen hält, er muss auch eine drogensüchtige Schwester beigeordnet bekommen, damit seine Läuterung so richtig in Schwung kommt. Das ist der Punkt, an dem sich der Film als Konstruktion offenbart, an dem zu sehr dem Plakativen Raum gegeben wird.
Doch insgesamt ist der Film – man muss sagen: überraschenderweise – gekennzeichnet von klugen Subtilitäten, von leisen Zwischentönen. Er ist kein offensives Aufrüttel- oder emotionales Sentimental-Flüchtlingsdrama, sondern überzeugt durch eine komplexe Ausgestaltung seines Themas. In großen Kinobildern entfalten sich die dunklen Seiten der Urlaubs-Kanaren, die dem Touristen verborgen bleiben, die man sonst nur aus den Nachrichten kennt – und neben den durchweg hervorragenden Schauspielern (insbesondere der junge Dami Adeeri als Flüchtlingssohn mit tragender, tragischer Rolle) ist es auch das Sprachengewirr, das zur (filmisch konzipierten, aber real erscheinenden) Wahrhaftigkeit des Films beiträgt. Ein Glück, dass Sabine Timoteo neben deutsch auch Spanisch und Französisch kann – hoffentlich bringt Kinowelt / Studiocanal den Film in der mehrsprachigen und nicht in einer vereinheitlicht durchsynchronisierten Fassung heraus.
| FAZIT
Emotional packendes, aber unsentimentales Flüchtlingsdrama auf den Kanaren, das mit vielschichtigen Charakteren dem komplexen Thema weitestgehend gerecht wird.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung