Montag | 28. Mai 2012 | 13:02 Uhr
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  • FILM REVIEW | Und wenn wir alle zusammenziehen?
  • Und wenn wir alle zusammenziehen?

    Komödie | Deutschland / Frankreich 2011
  • | INHALTSANGABE

  • Seit Jahrzehnten sind die Ehepaare Annie und Jean, Jeanne und Albert und der Single Claude miteinander befreundet. Das Alter macht ihnen allen zu schaffen, auf unterschiedliche Weise. Der 75-jährige Claude trifft sich gerne mit jüngeren Frauen, doch das Herz spielt nicht mehr richtig mit. Sein Sohn lässt ihn nach einem Herzanfall ins Pflegeheim bringen. Albert wird langsam dement und kann seinen Hund nicht mehr ausführen. Die muntere Jeanne ist in Wirklichkeit todkrank. Jean und Annie streiten sich oft, er fühlt sich als alter Mann von der Gesellschaft nicht ernst genommen, sie will mehr mit ihren Enkeln zusammen sein.

    Dann beschließen die Freunde, eine WG zu gründen, im großen Haus von Annie und Jean. Sie holen Claude aus dem Heim, und auch Jeanne, Albert und der Hund ziehen aus ihrer bisherigen Wohnung dorthin. Das Zusammenleben hat aber auch seine Tücken, nicht nur wegen Alberts Demenz. Eifersuchtsgeschichten kommen hoch. Der junge Ethnologiestudent Dirk aus Deutschland zieht mit in das Haus, um eine Doktorarbeit über die Alten-WG zu schreiben.
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      • | FILMKRITIK

      • Die französische Komödie von Regisseur und Drehbuchautor Stéphane Robelin beleuchtet das angstbesetzte Thema des Altwerdens. Fünf langjährige Pariser Freunde finden es, jeder für sich und auch bei ihren Zusammenkünften, allmählich anstrengend, ihren Alltag zu bewältigen und den Wandel der Gesellschaft zu begreifen. Krankheiten bedrohen ihre individuelle Unabhängigkeit. Auf Heim-Tristesse und Vereinsamung aber legen sie keinen Wert, und so beschließen sie, sich gegenseitig zu unterstützen – indem sie zusammenziehen. Diese fröhliche Selbsthilfe bewirkt tatsächlich, dass sich die Alten den schönen Dingen des Lebens ungestörter widmen können. Aber das Kommunen-Experiment hat auch zur Folge, dass sich die Bewohner besser kennen lernen, als manchen von ihnen lieb ist.

        Das Thema des Films ist hochaktuell. Weil es immer mehr alte Menschen gibt, die immer länger alt sind, gerät dieser von noch nicht Betroffenen gerne verdrängte Lebensabschnitt allmählich mehr ins Visier. Neue Wohnformen wie Alten-WGs sind im Kommen. Wenn sie so aussehen wie in diesem leichten, unbeschwerten und die Nähe zur spielerischen Utopie suchenden Film, bieten sie eine Reihe von Vorzügen: die Sicherheit einer vertrauten Gemeinschaft, die gegenseitige Unterstützung ohne Bevormundung von außen, den Erhalt der Selbstbestimmung und das Verständnis der Mitmenschen, weil sie in der gleichen Lage sind.

        Das Thema scheint wie gemacht für die große Gruppe älterer Kinogänger, die Komödie greift den gelassenen Schmunzelhumor reiferer Semester auf, und die Darsteller zeigen an der eigenen Person, wie die Zeit vergeht. Denn Jane Fonda, die Jeanne spielt, Geraldine Chaplin, die Annie darstellt, Claude Rich als Claude, Pierre Richard – ja, „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“ - als weißhaariger, verwirrter Albert und Guy Bedos als Jean sehen aus wie im Zeitraffer gealterte Versionen ihrer früheren Kinoblüte. Mit sanfter Selbstironie und ein bisschen Wehmut statten diese Schauspieler ihre Figuren aus, wenn sie über ihre Probleme als Autofahrer, Versicherungsnehmer, politischer Aktivist oder Foodkonsument sprechen.

        Die Dialoge wirken treffsicher und die Situationen genau beobachtet. Auch im neuen gemeinsamen Wohnhaus gibt es in der Gruppe Irritationen, die aus dem Leben gegriffen scheinen, zum Beispiel wenn alle sich zum Essen hinsetzen, Albert jedoch den Fernseher einschaltet. Mit der Figur des jungen Dirk, den Daniel Brühl spielt, bringt der Regisseur einen zusätzlichen Spannungsfaktor in die Komödie. Denn Dirk betreibt in der WG Feldforschung, stellt eine Kamera auf und spricht in sein Aufnahmegerät, was er beobachtet: „Die Alten entspannen sich, spielen Karten.“

        Dirk wirkt auch als Katalysator für Konflikte und Entwicklungen in der WG, denn die Alten decken ihn gerne mit kleinen Aufträgen ein. Jeanne möchte, dass er in seiner Arbeit auch das Thema Sexualität im Alter behandelt. Auf diesem Gebiet warten auch noch ein, zwei Enthüllungen auf die Bewohner. Die Utopie kann ausgekostet werden in dieser Geschichte voller kleiner Anekdoten. Die unbeschwerten Momente der Gemeinschaft vermitteln etwas von der Wärme und Zuversicht, die sie ihren Mitgliedern verleiht. Tiefgründige Problemerörterung oder Charakterschilderung findet nicht statt, aber das würde ja wohl auch nicht zum Umgangston in einer WG passen.
      • | FAZIT

      • Vergnügliche, realitätsnahe Versuche von fünf befreundeten Senioren, mittels Wohngemeinschaft das Beste aus dem Alter zu machen.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bianka Piringer

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      • | Userwertung

      Wertung: 8.8/10 (6 votes)

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