Dienstag | 29. Mai 2012 | 02:14 Uhr
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  • FILM REVIEW | Die Reise des Personalmanagers
  • Die Reise des Personalmanagers

    Drama | Deutschland / Frankreich / Israel 2010
  • | INHALTSANGABE

  • In Jerusalem kommt die rumänische Mitarbeiterin einer großen Bäckerei bei einem Selbstmordanschlag ums Leben, die trotz ihrer Qualifikation nur niedere Dienste erledigen durfte. Allerdings bemerkte zuvor niemand, dass sie nicht mehr zur Arbeit erschien. Nun droht der Firma aufgrund negativer Presse ein Skandal, welcher dem Personalmanager (Mark Ivanir) angelastet werden soll. Dabei plagen den gestressten Mann schon reichlich private Sorgen, weil ihn seine Frau verließ und die Tochter auf Distanz geht. Um das Schlimmste abzuwenden, beschließt die Chefin der Bäckereikette, die sterblichen Überreste der Toten in ihre osteuropäische Heimat zu überführen, wobei der Manager den Sarg begleiten soll. Dort angekommen, muss er sich zunächst mit dem exaltierten Vizekonsul, einem trinkfreudigen Fahrer und einem aufdringlichen Reporter, der eine exklusive Enthüllungsstory wittert, auseinander setzen. Weder der Ex-Mann der Verstorbenen noch ihr verstockter Sohn können die notwendige Unterschrift für die Beisetzung leisten, so dass sich die Reise zur unendlichen Irrfahrt ausweitet.
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      • | FILMKRITIK

      • Mit seinen ebenfalls bei uns gestarteten Arbeiten "Die syrische Braut" und "Lemon Tree" erwies sich Eran Riklis als Spezialist tragikomischer Porträts von Menschen, die in die Mühlen von Bürokratie, Paragraphendschungel und politischen Fronten geraten. In diese Kerbe schlägt auch das schräges Road Movie des israelischen Regisseurs, der in Frankfurt und Wiesbaden zuletzt die Biografie des deutsch-israelischen Basketballtrainers Max Stoller als fiktive Geschichte „Playoff“ nachzeichnete. Doch bei „Die Reise des Personalmanagers“ geht die angestrebte Balance aus tragischen und komischen Episoden, Schicksalsdrama und bissiger Satire nicht immer auf.

        Stärker noch als auf die aktuelle israelische Gegenwartssituation zielen Riklis und seine Autoren auf das marode politische System Osteuropas. Ein Selbstmordanschlag, bei dem neben anderen eine ausreisende rumänische Frau starb, setzt die unfreiwillige, abenteuerliche Odyssee ihres Sargs in Gang. Zum hintergründigen Humor gehört es, dass die anonyme Tote als Einzige mit Namen (Yulia Petracke) erwähnt wird. Alle anderen Charaktere bleiben exemplarisch anonym und werden nur per Beruf oder privater Funktion definiert. Stets liegt darin allerdings die Gefahr, dass die Figuren stark in die Nähe von Stereotypen geraten. Besonders der hartnäckige, schleimige Enthüllungsjournalist (Guri Alfi), als "Wiesel" gekennzeichnet, erscheint wie eine Fleisch gewordene Karikatur. Gleichzeitig fällt der bärtigen Klette der Running Gag zu, auf der Reise ständig - teils absichtlich – am Straßenrand vergessen zu werden.

        Zunehmend zerfasert der durch kulturelle Unterschiede und Sprachdifferenzen erschwerte Todeszug durch ein verschneites, vereistes Land in Episoden unterschiedlicher Pointendichte und –qualität. In der Exposition entwickelt sich der Plot am intensivsten, wenn das Schicksal des seines Jobs überdrüssigen Personalverantwortlichen mit dem der unbekannten Toten verknüpft und mit feinen, witzigen Spitzen angereichert wird. Hier offenbart sich Riklis’ Talent, festgefahrenen Strukturen anhand von Kettenreaktion aus absurd-fatalen Situationen zu begegnen. Im Verlauf wächst die skurrile Abordnung aus Manager, Reporter und Sarg immer weiter an, bis die Reise sogar per Fähre und Panzer fortgesetzt werden muss. Zunehmend nimmt Riklis Anleihen bei Slapstick und Klamauk, obgleich er scharfe Pfeile gegen Politik und Militär mit einem präzisem Blick hinter korrupte Fassaden abfeuert. Leider fehlt seiner schwarzhumorigen, ironischen Farce dieses Mal der stilsichere Erzählrhythmus, den seine beiden Vorgängerwerke noch auszeichnete.
      • | FAZIT

      • Das schräge, satirische Road Movie flüchtet sich mitunter in Klamauk und Klischees, so dass die angestrebte tragikomisch-warmherzige Balance nicht völlig gelingt.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Gregor Ries

      • | Userwertung

      Wertung: 1.0/10 (1 vote)

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