Dienstag | 29. Mai 2012 | 02:22 Uhr
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  • FILM REVIEW | Perfect Sense
  • Perfect Sense

    Drama, Romanze | Großbritannien 2011
  • | INHALTSANGABE

  • Ein rätselhafter Virus, der den Menschen nacheinander die Sinne raubt, verbreitet sich überall auf der Erde. Zunächst äußert sich die Infektion durch ekstatische Gefühlsausbrüche, die ein untrügliches Zeichen darstellen, dass das Individuum danach Geruchs- und Geschmackssinn, Gehör und schließlich sogar das Augenlicht verliert. In dieser prekären Situation lernt die Epidemologin Susan (Eva Green), die darunter leidet, keine Kinder bekommen zu können, den Chefkoch Michael (Ewan McGregor) kennen, dessen Glasgower Restaurant gegenüber ihres Appartements liegt. Durch seine Kochkünste versteht es der Gourmetspezialist, die kühle Wissenschaftlerin zu gewinnen. Die beiden geben einander Halt in der dramatischen Krise, die sie zunehmend hilfloser agieren lässt.
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      • | FILMKRITIK

      • Wenn sich eine inhaltliche Tendenz beim Fantasy Filmfest 2011 erkennen ließ, dann war es die apokalyptische Thematik zahlreicher Werke. Selten versammelte man so viele Endzeitfilme wie in diesem Jahr, wo Zombies, Vampire und andere Monster den Planeten unterjochen und alle humanen Werte zertrümmerten. David Mackenzies sechster Film schlägt in die gleiche Kerbe, geht aber wesentlich subtiler vor, indem er einen verhängnisvollen Virus ausbrechen lässt, welcher der Menschheit global jede Selbstständigkeit raubt.

        Da erscheint es als kein Zufall, dass Lars von Triers Firma Zentropa den Film mitproduzierte, was einerseits dem produktiven dänischen Drehbuchautor Kim Fupz Aakeson geschuldet ist. Andererseits setzte von Trier den Endzeitgedanken später mit „Melancholia“ fort, wo er in Bildern tragischer Schönheit den menschlichen Absturz beschwor. Auch „Perfect Sense“ wird von einer melancholisch-düsteren Stimmung beherrscht, die sich vom ersten Moment an über den Bilderstrom internationaler Schauplätze legt – unterstützt durch einen allwissenden, Unheil beschwörenden Voice Over-Kommentar und einer Violine-/Klavier-Untermalung. Aakesons vertrauter ironischer Humor hätte offensichtlich nicht zum desperaten Tonfall gepasst, vielleicht aber die starre Dramaturgie etwas aufgelockert.

        Sein Skript beschwört die Kraft der Liebe als letzten Halt in Zeiten des zivilisatorischen Untergangs. Erneut wird die Epidemieursache nie näher erläutert, obwohl es naheliegend wäre, auf eine Antwort der Natur zur Industrialisierung und Umweltzerstörung zu schließen. Entsprechend zieht sich Wasser als Leitmotiv durch den Film - als ein sich zunehmend ausbreitender Fluss: Susans Vater arbeitete als Seemann, mit ihrer Schwester unternimmt sie stets lange Strandspaziergänge, Michael ließ sich eine Muschel auf den Arm tätowieren, und schließlich mündet der Endzeitplot in arktischen Zeitrafferbildern.

        Überschwängliche Gefühlsausbrüche setzen ein untrügliches Fanal zur Infizierung der Individuen. Eine übergreifende Traurigkeit kündigt den Verlust des Geruchssinns an (für Koch Michael natürlich eine existenzielle Bedrohung), nicht zu bändigende Fressattacken rauben den Geschmackssinn, Wut- und Panikanfällen folgt Taubheit, und eine Welle an Glücksüberschuss mündet in Blindheit. Jede dieser Epidemien erhält von der Wissenschaft eine eigene Bezeichnung: SOS bedeutet etwa „Severe Overfatigue Syndrom“, doch ein Gegenmittel wird nicht entdeckt. Dadurch bricht bald ein übergreifendes Chaos aus, doch Mackenzie zeigt, dass Zusammenhalt und gegenseitiges Vertrauen einen Überlebenshaken darstellen können.

        Ewan McGregor, schon bei Mackenzies Debüt „Young Adam“ mit dabei, und Eva Green bilden ein attraktives Paar, was aber auf Dauer nicht darüber hinweg täuschen kann, dass die Geschichte im Verlauf auf der Stelle tritt. Wie bei einem Stationsdrama werden die beängstigenden Syndrome nacheinander abgehakt, doch dramaturgisch bleibt das existenzielle Untergangsszenario recht schwerfällig.
      • | FAZIT

      • Ein melancholisch-romantisches Apokalypsedrama, das nach dicht entwickelter Exposition nicht ohne Längen auskommt.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Gregor Ries

      • | Userwertung

      Wertung: 7.0/10 (4 votes)

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