FILM REVIEW | Die purpurnen Flüsse 2 - Die Engel der Apokalypse
Die purpurnen Flüsse 2 - Die Engel der Apokalypse
Thriller
| Frankreich / Großbritannien / Italien 2004
| INHALTSANGABE
Ein neuer Fall für Kommissar Niemans (Jean Reno). Wie schon im Original geht die Reise auch diesmal in ein ländliches Randgebiet, in dem sich mysteriöse Geschichten zutragen. Es regnet. Ein Kloster im Elsass, es erinnert an die Abtei in „Der Name der Rose“, wird zum Ort einer scheinbar religiösen Erscheinung: ein Kruzifix beginnt zu bluten. Niemans übernimmt die Ermittlungen. Zeitgleich greift Capitain Reda, Offizier der örtlichen Polizeibehörde und ein ehemaliger Schüler Niemans, einen Verwirrten auf der Strasse auf. Er sieht aus wie Jesus. Niemans, durch und durch Rationalist, kommt dem Zauber schnell auf die Schliche: in der Mauer hinter dem Kruzifix befindet sich eine Leiche. Wie sich herausstellt, handelt es sich um ein Mitglied einer kleinen Sekte, die das Kloster zwischenzeitlich bewohnt hatte.
Ein altes Foto taucht auf. Es zeigt die Gruppe in einer Pose wie einst Jesus mit den 12 Aposteln beim letzten Abendmahl. Die eingemauerte Leiche war erst der Anfang, nach und nach werden die "Apostel" grausam ermordet. Als Niemans und Reda die studierte Religionswissenschaftlerin und Polizistin Marie (Camille Natta) zur Hilfe bitten, fügt sie die Stränge sich zusammen. Die ehemaligen Sektenmitglieder wissen um den Zugang zu einem geheimen Ort in der Nähe des Klosters. Deswegen müssen sie auf grausame Art sterben durch die Hand der "Engel der Apokalypse", die als Mönche auftreten. Im Interesse einer finsteren Macht schrecken diese Monster vor keiner Bluttat zurück, um ihr verborgenes Ziel zu erreichen. Hinzu kommt der mysteriöse deutsche Geschäftsmann und Altnazi Heinrich von Garten (Christopher Lee), dessen Absichten ebenso im Verborgenen bleiben wie die Gesichter der kämpfenden Mönche. Wie sich herausstellt, bestehen Verbindungsgänge zwischen dem Kloster und der Maginot Linie, einer Festungsanlage, die Frankreich vor dem zweiten Weltkrieg zum Schutz vor der Bedrohung durch Nazi-Deutschland baute. In den verworrenen Gängen der Gemäuer bricht der Kampf um ein geheimnisvolles Buch aus.
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| FILMKRITIK
Der Vorspann verrät schon, was sich die Macher für diese zweiten Folge des französischen Erfolgsfilms „Die purpurnen Flüsse“ vorgenommen haben: alles soll spektakulärer sein als gehabt. Fährt die Kamera im Original aus dem Jahr 2000 in detailreichen, intensiven Großaufnahmen einen toten und gequälten Körper ab, muss sie hier schon ins Innere eindringen. Adern und Zellstrukturen, Farben von rot bis purpur. Doch die bunten Formen werden zu harmlosen ästhetischen Arrangements ohne schockierende Wirkung. Dies kann man als Motto für den gesamten Film begreifen. Ein Film nach der „man nehme..“ Methode. Lang ist die Liste der Vorbilder, die Regisseur Dahan in seinem misslungenen Film verwurstet: Farbästhetik und biblische Referenzen wie in „Sieben“, ein Buch im Mittelpunkt des Begehrens wie in „Die neun Pforten“, eine Prise „Stigmata“, die Ausstattung oft angelehnt an „Delikatessen“. Das alles arrangiert um den Türen eintretenden Hauptdarsteller Jean Reno. Man merkt ihm an, wie unwohl er sich inmitten der haarsträubenden Geschichte fühlt. „Die purpurnen Flüsse 2 – Die Engel der Apokalypse“ setzt sich bis in kleinste Details aus Bildern, Motiven und Dialogen seiner Vorbilder zusammen, doch es gibt keine starke Idee, die das Ganze zusammenhält. Ästhetisch wie inhaltlich geht alles unter in dieser maßlos überwürzten Suppe. Luc Besson („Das fünfte Element“, „Leon – der Profi“) hat ein Drehbuch geschrieben, das volle Konzentration fordert, will man der Haupthandlung folgen. Doch zu sehr sollte man sich auch wieder nicht konzentrieren, dann nämlich treten die zahlreichen logischen Brüche, die oft lachhaften Figuren und Dialoge voll ins Bewusstsein. Flics, die einen Mann auf der Strasse schwer anfahren und dann lustige Sprüche darüber machen, oder ein Amphetamin aus Kriegszeiten, das –ähnlich Obelix’ Zaubertrank – unverwundbar und fast unendlich stark macht.
Die französische Provinz wird hier, wie schon im viel besseren ersten Teil, von zurückgebliebenen Hinterweltlern besiedelt, man ist im Mittelalter stehen geblieben. Erst Kommissar Niemans bringt Licht ins Dunkel und klärt uns einmal mehr darüber auf, dass der Aberglauben meistens von finsteren Hintermännern missbraucht wird, um ihre weltlichen Ziele durchzusetzen. Ein rationalistischer Gedanke, den der Film selbst torpediert, wenn er bewusst Metaphysisches zu zeigen versucht - Holzbalken leuchten voll innerer Glut, und ein reinkarnierter Jesus visioniert im Krankenbett liegend, was zugleich andernorts geschieht. Dort versucht der ewige Nazi (Christopher Lee), das Geheimnis des Christentums an sich zu reißen. Natürlich gelingt ihm das nicht; Niemans Sieg ist natürlich so sicher, wie das Amen in der Kirche. Bleibt nur zu hoffen, dass die Produzenten von einem weiteren Sequel absehen. Empfehlenswert nur für ausgesprochene Reno – Fans.
| FAZIT
Der Psychothriller vermittelt eine düstere und bedrohliche Atmosphäre, die diesen Film mit seiner abstrusen Story und seinen Ungereimtheiten allerdings allein nicht tragen kann. Selbst in seinen besten Momenten ist „Die purpurnen Flüsse 2 – Die Reiter der Apokalypse“ meilenweit von seinen Vorbildern entfernt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung