Dienstag | 29. Mai 2012 | 05:52 Uhr
Sie befinden sich hier: KINO | Startseite > Reviewübersicht > Reviewdetails
  • FILM REVIEW | King of Devil´s Island
  • King of Devil´s Island

    Drama | Norwegen / Schweden 2011
  • | INHALTSANGABE

  • Im Jahr 1915 kommen zwei neue Insassen in die Besserungsanstalt für männliche Jugendliche auf der norwegischen Insel Bastøy. Der unerschrockene Erling bereitet alsbald zielstrebig seinen Ausbruch aus dem mit drakonischer Härte geführten Heim vor. Der schmächtige Ivar wird vom Hausvater sexuell missbraucht. Erling gelingt die Flucht in einem Boot, doch schon kurze Zeit später wird er ins Heim zurückgebracht.

    Erling wirft dem angepassten Jugendlichen Olav, der nach sechs Jahren vor seiner Entlassung steht, vor, dass er in seiner Funktion als Barackenvorsteher den sexuellen Missbrauch nicht anzeigt. Olav geht also zum Direktor, der ihm jedoch nicht glaubt. Dennoch wird der eingeschüchterte Ivar aus der Wäscherei in die Waldarbeitsgruppe versetzt. Weil er nicht kräftig genug ist, droht ihm jedoch die Rückkehr in die Fänge seines Peinigers, und der Junge ertränkt sich. Das ist der Anlass für eine Revolte, die nach und nach das ganze Heim erfasst und schließlich die Armee auf den Plan ruft.
    WERBUNG
      • | FILMKRITIK

      • Das erschütternde Jugenddrama des norwegischen Regisseurs Marius Holst schildert in komprimierter Form die Zustände in einer Besserungsanstalt auf der Insel Bastøy zu Anfang des vorigen Jahrhunderts. Auf Archivmaterial und den Schilderungen ehemaliger Insassen basierend, entsteht das düstere Bild eines entbehrungsreichen und gewalttätigen Alltags. Vor diesem Hintergrund entwickelt sich die Freundschaft zweier ungleicher Jugendlicher, die sich gegen die Demütigungen auflehnen und den anderen Vorbild sind.

        Es mag vielleicht übertrieben erscheinen, dass gegen Ende ein Kriegsschiff die Insel ansteuert und bewaffnete Soldaten die Meuterei niederschlagen sollen. Aber der Regisseur versichert, dass die Armee in Wirklichkeit nicht nur einmal auf die Insel entsandt wurde, auf der Kinder und Jugendliche im Alter zwischen acht und 21 Jahren untergebracht waren. Die meisten von ihnen hatten allenfalls kleinere Straftaten begangen, wie der Olav im Film, der als Elfjähriger aus der Kollekte stahl und dafür mit sechs Jahren auf Bastøy büßen musste. Aber sie stammten alle aus sozial schwachen oder zerrütteten Familien und bekamen deswegen die Verachtung ihrer Betreuer zu spüren.

        Der Direktor, gespielt von Stellan Skarsgård, vertritt die damalige Auffassung, wenn er behauptet, die Jugendlichen verdankten jeden positiven Wesenszug nur seinem strengen Regiment. Die Jungen bekommen Namen wie C1 und C19, müssen schwere Arbeit verrichten und leiden Hunger. Der langjährige Hausvater Tor Bråthen, gespielt von Kristoffer Joner, betrachtet seine Zöglinge als Abschaum und greift sich einen von ihnen als Sexobjekt heraus. Obwohl alle anderen Jungen wissen, warum Ivar schließlich ins Wasser geht, fühlen sich die Betreuer so unangreifbar, dass sie die Verantwortung für diese Tragödie ungeniert auf die Jugendlichen abwälzen. Dieses Schicksal, welches das Fass zum Überlaufen bringt, erinnert an die Leiden zahlloser Missbrauchsopfer aus deutschen Heimen und Internaten auch viel jüngeren Datums.

        Der Schauspielschüler Benjamin Helstad spielt den rebellischen Erling, der sich mit dem fügsamen Olav anfreundet. Dessen Darsteller Trond Nilssen ragt aus dem jugendlichen Laienensemble mit seinem differenzierten Spiel besonders heraus. Die bleierne Schwere, die über der winterlichen Landschaft und dem monotonen Alltag liegt, erinnert an klassische Gefängnisdramen. Die stummen Blicke, die sich die Jungen zuwerfen, werden in dieser Atmosphäre der Unterdrückung allmählich zu einer eigenen Sprache. Sie dienen der Orientierung, der Abstimmung und sogar dazu, sich gegenseitig den Rücken zu stärken.

        Erling ist Analphabet, aber ein begnadeter Geschichtenerzähler. Gemeinsam mit Olav entwickelt er ein Fantasieszenario, das auf einem Walfängerschiff spielt. Es dient den Jugendlichen dazu, ihren Glauben an sich selbst zu stärken und an Werte, die sie in dieser Anstalt nicht finden. Erst dadurch können sie sich aus der Grausamkeit ihrer Umgebung herausschälen. Diese menschliche Entwicklung macht den ansonsten so bedrückenden Film, der auf den Festivals in Hamburg und Lübeck Preise bekam, erst erträglich.
      • | FAZIT

      • Düsteres, bewegendes Jugenddrama über die Hintergründe einer Revolte in einer norwegischen Besserungsanstalt im Jahr 1915.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bianka Piringer

      • | Userwertung

      Wertung: 0.0/10 (0 votes)

      • | Cinefacts bei Facebook
      Facebook Logo
        • | WEITERE INFOS
            •   AKTIONEN