Filme über Psychokiller sind seit "Dirty Harry" alltäglich geworden. "Desperate Measures" ist nicht anders als diese, obwohl er es versucht. Doch weder ein Tatmotiv wird klar, noch wird der Wahnsinn des Killers greifbar und spürbar. Eher das Gegenteil ist hier der Fall. Der Massenmörder Peter McCabe, eindrucksvoll dargestellt von Michael Keaton, wirkt, zumindest bei näherer Betrachtung gar nicht mal so unnormal. Er mordet, um nicht ins Gefängnis zurück zu müssen, aber warum hat er davor reihenweise Menschen abgeschlachtet, was macht seine Kaltblütigkeit aus?
Am Anfang sitzt McCabe noch im Hochsicherheitstrakt des Gefängnisses, in Einzelhaft in einem gummizellenartigen Raum. Als er sein Gegenüber und zukünftigen Konkurrenten Frank Conner (Andy Garcia) erstmals trifft, ist er noch wie ein Hannibal Lecter gefesselt und geknebelt. Seine Taten werden kurz angerissen, jedoch passt sein zukünftiges Handeln nicht dazu. Der Mann ist ein Mörder, ohne Frage. Aber er ist auch ein gerissenes Genie - vor allem ist er aber auch ein Mensch.
Frank Conner ist Polizist, hat bereits eine steile Karriere hinter sich und eine noch steilere vor sich. Frank Conners Frau ist tot, gestorben bei einem Unfall. Das einzige, was Frank Conner noch hat ist sein zehnjähriger Sohn. Und wenn er nicht bald einen Knochenmarksspender für das krebskranke Kind findet, wird Frank Conner auch ihn verlieren - und danach allein auf der Welt sein. Er hat sich über Vorschriften hinweggesetzt, Gesetze gebrochen, um an Daten zu gelangen und nun hat sich seine Mühe ausgezahlt.
Vor ihm sitzt der Mann, der das Leben seines Kindes retten könnte und Frank ist bereit, ihn zu zwingen, falls er es nicht freiwillig tut. Frank weiß nur noch nicht wie. Vor ihm sitzt ein arroganter, absolut zorniger Mann, der die Hälfte seines Lebens im Knast verbracht hat, und trotzdem versucht er sofort, Frank seine geistige Überlegenheit zu demonstrieren. Sein grässliches, selbstgefälliges Grinsen missfällt Frank, er geht nicht gerne einen Pakt mit dem Teufel ein, doch es muss sein. McCabe willigt ein, Connors Kind zu helfen, wenn er wieder ein normaler Häftling werden darf, also raus aus der Einzelhaft, kein Rauchverbot mehr etc.
Und so beginnen die Vorbereitungen für die Operation. Franks Boss Cassidy (Brian Cox) willigt zähneknirschend ein, denn auch ihm ist klar, dass falls etwas schief geht, Köpfe rollen werden. Und natürlich geht etwas schief. McCabe trickst alle aus, richtet im Operationssaal ein Blutbad an und flüchtet. Das Krankenhaus wird sofort abgeriegelt, doch es ist groß und so beginnt für Frank Conner und die ihm doch ziemlich sympatische Ärztin Samantha Hawkins (Marcia Gay Harden) ein Wettlauf mit der Zeit um das Leben von Franks Sohn, aber auch ein "Stirb langsam" im Krankenhaus.
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| FILMKRITIK
"Desperate Measures" ist ein spannender Action-Psycho-Thriller, der an den Ansprüchen scheitert, die er sich selbst gesetzt hat. Er scheitert jedoch nicht an unklaren Formulierungen oder einem schwammigen Skript, sondern daran, dass er ganz einfach seine Möglichkeiten nicht nutzt, nicht konsequent genug ist. Er stellt Frank Conner als einen Mann dar, der bereit ist, über Leichen zu gehen, um das Leben seines Sohnes zu retten. Jedoch muss Conner das nie wirklich unter Beweis stellen, er verstößt nur gegen ein paar unwichtige Gesetze, Dinge die ein Martin Riggs jeden Tag tun würde.
Der Charakter des Peter McCabe wird nicht klar genug ausformuliert, nur damit der Film zu einem guten Ende findet. Dann wird der kaltblütige Killer zum mitfühlenden Menschen - ist ihm die Welt etwa doch nicht scheißegal, so wie es den ganzen Film über den Anschein hatte? Es wird versucht, dies durch die Killer - Kind Beziehung zu begründen, doch das plötzliche Mitleid McCabes für Conners Sohn ist durch seine Erkenntnis, dass sie "beide die gleichen Gene haben" ziemlich unglaubwürdig.
Ebenso sieht es mit der Beziehung Killer – Polizist aus. Frank Conner tut alles, um McCabe am Leben zu halten, schmeißt sich zwischen ihn und das Kugelgewitter seiner Kollegen. Gut, er ist die einzige Möglichkeit, sein Kind am Leben zu erhalten, aber warum verbindet ihn dies mit dem Killer auch auf einer "Schweigen der Lämmer"-Basis? Mit "Desperate Measures" kann man sich bestens unterhalten, aber tiefgründig ist er leider nicht. Michael Keaton brilliert als Psychopath endlich wieder in der Rolle, die er am besten spielen kann, in der ihn das Publikum den Saubermann nur nicht gerne sieht.
| FAZIT
Ein spannender aber nur wenig tiefgründiger Film, der sein Potential nicht voll ausschöpft
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
Gesamtwertung:
Autor: Sebastian Schmidt
| FILMPLAKAT
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