"Eyes Wide Shut", ein sehr interpretierbarer Titel, analysiert das Eheleben des New Yorker Yuppie-Paares Harford. Bill Harford (Tom Cruise) hat alles was er sich wünschen kann. Er ist ein sehr erfolgreicher Arzt, er ist Mitglied der High Society von New York, er ist seit neun Jahren mit der schönen Galleristin Alice verheiratet und hat eine liebreizende kleine Tochter. Sein Leben zerbricht jedoch, als ihm Alice, nachdem die beiden einen Joint geraucht haben, gesteht, dass sie einmal in Versuchung war, ihn zu betrügen und dabei auch bereit gewesen wäre, ihr gesamtes Leben aufzugeben.
Die Vorstellung, dass seine Frau ihn betrügen könnte, überhaupt fähig dazu wäre, macht Bill innerlich rasend. So beginnt er durch die Nacht zu streifen und taucht in eine Welt ein, von der er niemals geahnt hätte, dass es sie gibt. Seine Odyssee endet mit einem Schock: Auf einer geheimen Feier der High Society, auf der wilde Sexorgien gefeiert werden, wird Bill als nicht Zugehöriger erkannt - und muss von jetzt an um sein Leben fürchten.
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| FILMKRITIK
Ok, ich geb es zu, ich mag keine Stanley Kubrick-Filme. Ich finde sie sehr interessant, ohne jede Frage brilliant gemacht und auch sehr aussagekräftig. Aber sie sind mir zu schwer zugänglich. "2001-Odyssee im Weltraum" reizt mich zum Gähnen, "Full Metal Jacket" geht mir auf die Nerven, "Clockwork Orange" finde ich faszinierend aber irgendwie auch abstoßend. Ich persönlich halte Stanley Kubrick für einen der größten Regisseure unserer Zeit, keiner kann ein so außergewöhnliches Gesamtwerk präsentieren, denn alles was er gemacht hat, ist einzigartig. Ich mag seine Filme nicht, trotzdem bewundere ich ihn für seine Risikobereitschaft und seinen Querkopf, sich seine gesamte Karriere lang dem Hollywood-Mainstream zu verweigern.
Er hat in allen Genres gedreht, dem Kriegsfilm, dem Abenteuerepos, dem Horrorfilm und dem Science-Fiction-Film. Stanley Kubrick ist tot. Fünf Tage nach der Fertigstellung seines letzten Films "Eyes Wide Shut" starb Kubrick im Alter von 67 Jahren. Die Filmwelt war erschüttert. Drei Jahre hatte man auf sein neues Werk gewartet, skandalumwittert war es von Anfang an. Nicht nur, dass mehrfach nachgedreht werden musste, so wurden mitten in den Dreharbeiten Jennifer Jason Leigh durch Julienne Davis und Harvey Keitel durch Sydney Pollack ersetzt und bereits vor der US-Premiere schrie die prüde Zensur bereits: Porno.
Stanley Kubrick hat mit seinem letzten Film wieder ein neues Genre erkundet, den Erotik-Thriller. Oder das Ehe-Drama? Schwer zu sagen, von beidem etwas. Vor der Premiere war nur eines klar, es geht um Sex. Verdammt harten Sex. Und das Schauspielerehepaar Cruise und Kidman zeigt alles. Letzteres ist gelogen. Das mit dem Sex hingegen nicht.
"Eyes Wide Shut" - wie geht das, die Augen weit geschlossen? Der Titel spielt auf die Lebenslügen der Harfords an, die ihnen zwar deutlich bewusst sind, vor denen sie jedoch lieber die Augen verschließen. Dies beinhaltet nicht nur ihre Ehe-, sondern auch ihre gesellschaftlichen Probleme. Bill Harford mag ein sehr guter Arzt sein, er passt jedoch wenig in die Dekadenz der High Society.
In der Eingangssequenz befinden sich die Harfords auf einer Feier des reichen Victor Ziegler (Sydney Pollack). Dieser alternde Mann legt im ersten Stock ein junges Mädchen flach, das sich gerade mit Koks vollgedröhnt hat. Bill rettet ihr das Leben, kritisiert aber in keinem Moment das Verhalten Zieglers, der das Mädchen nur schnell loswerden will. Er kriecht ihm lieber in den Arsch, denn Ziegler ist ja sein Freund.
Mit dem Eintauchen Bills in die Unterwelt muss er sich jedoch damit beschäftigen, wem er vertrauen kann und was wirklich wichtig ist. Soll er seine Nachforschungen einstellen, so dass er sich nie Gewissheit verschaffen kann, was wirklich auf dieser orgiastischen Feier passiert ist, auf der eine Prostituierte für ihn ihr Leben gelassen hat? Auch weiß er nichts von seinem ehemaligen Studienkollegen Nick Nightingale (Todd Field), der ihn erst zu dieser Party gebracht hat, von dem jetzt aber jede Spur fehlt?
Am Ende weiß Bill eines, nämlich dass es völlig egal ist, ob seine Frau ihn gerne betrogen hätte, denn sie hat es nicht getan. Ihm ist klar, dass sein Leben nie wieder so sein wird, wie es vorher war, aber auch, dass seine Ehe niemals zerbrechen wird, denn er hat verstanden, dass Alice ihn ebenso liebt wie er sie.
"Eyes Wide Shut" ist starker Tobak, besonders im prüden Amerika sorgte der Film für Wirbel. Einige Sequenzen wurden mit einem Weichzeichner überlegt. Von dem Skandal bleibt am Ende die äußerst bodenständige Analyse einer Liebe übrig, kritisch, schwierig, aber mehr als sehenswert. Ich mag keine Stanley Kubrick-Filme. Das ist bei mir die Regel. "Eyes Wide Shut" mag ich. Sogar sehr. Alle Regeln haben schließlich ihre Ausnahmen.
| FAZIT
Eine kritische, schwierige und sehr sehenswerte Analyse einer Liebe.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
Gesamtwertung:
Autor: Sebastian Schmidt
| FILMPLAKAT
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