Der Anwalt Charles (Michel Bouquet), dessen Ehefrau Hélène (Stéphane Audran) und ihr Sohn bewohnen eine gepflegte Villa in Versailles. Doch der Schein trügt: Hinter der schönen Fassade regieren Frust und Langeweile. Hélène sucht sich deshalb einen Liebhaber – den jungen Schriftsteller Victor (Maurice Ronet). Charles wittert den Betrug und engagiert einen Privatdetektiv. Doch er kann seinen Zorn nicht zähmen und nimmt Rache.
Ein Remake vergleicht man immer mit der Vorlage, auch wenn über dreißig Jahre dazwischen liegen. Lyne (Untreu) hält in weiten Bereichen den Vergleich mit Chabrol (Die untreue Frau) aus. Manche Szenen sind allerdings einfach exakt nachgedreht worden. Bei Lyne wurde die Handlung ins Amerika von heute verlegt, mit allem was dazu gehört. Und es wird in den Dialogen etwas mehr Wert auf das Innenleben der Akteure gelegt; bei Chabrol sind es stumme Blicke, die das widerspiegeln. Nur in einem Punkt ist die Neufassung unglaubwürdig: einen liebevollen, aufmerksamen, gut aussehenden Ehemann (Richard Gere!) betrügt man nicht! Zumal er keinen Grund dafür liefert. Anders bei Chabrol wo Michel Bouquet einen viel älteren, steifen, verknöcherten Alten gibt. Und dann das Ende: bei Lyne ist alles wieder F.F.E - auch wenn man mal kurz ein Martinshorn hört. Die Familie bleibt in Takt. Bei Chabrol sehen wir einen totalen, sich von den Personen distanzierenden Kameraschwenk, der die Kluft zwischen der untreuen Frau mit ihrem Sohn auf der einen und dem bösen Ehemann auf der anderen Seite verdeutlicht. Beide Gruppierungen verharren stumm und erlauben Zeit, einen Ausgang zu finden.
27.07.2010
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