Dienstag | 29. Mai 2012 | 16:49 Uhr
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  • FILM REVIEW | Maria voll der Gnade
  • Maria voll der Gnade

    Drama | USA 2004
  • | INHALTSANGABE

  • 17 Jahre und recht temperamentvoll ist Maria, zu temperamentvoll für das Leben in einem kleinen kolumbianischen Dorf. Ihre Arbeit auf einer Rosenplantage kann ihr kaum helfen, aus der häuslichen Armut zu entfliehen, und sie ist auch noch schwanger von ihrem ungeliebten Freund Juan. Da macht ihr ein Bekannter, der charmante Franklin, ein Angebot, das sie nicht ablehnen kann: Er wirbt sie als Drogenkurier an.

    Sie lernt ihre „Kollegin“ Lucy kennen, und auch ihre beste Freundin Blanca lässt sich anwerben, gegen viel Geld Drogenpäckchen zu schlucken und durch den amerikanischen Zoll zu schmuggeln.

    Dann sind die drei in New York, bewacht von zwei brutalen Gangstern; doch dann stirbt Lucy, und Maria und Blanca sind allein in New York...
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      • | FILMKRITIK

      • Von Anfang an merkt man Maria an, dass sie sich nicht zugehörig fühlt. Sie will sich nicht fügen in die Strukturen von Familie und Arbeit – sie lebt mit Großmutter, Mutter, Schwester und deren kranken Kind zusammen, und der Ablauf in der Rosenplantage ist streng reguliert, selbst die Toilettenpausen sind vorgeschrieben. Maria ist anders, ein störrischer Geist wohnt in ihr, der ihr mehr einflüstert, als der Alltag im kolumbianischen Dorf bieten kann. Maria ist anders: Der Film zeigt das deutlich an durch ihre Schönheit, die sie von anderen abhebt, die gleich klarmacht, dass sie die Hauptfigur ist, die klarmacht, dass sie sich zu Höherem bestimmt sieht. In einer Szene will sie mit ihrem Freund auf das Dach eines Neubaus klettern, wo niemand sie sehen kann, Kitzel und Abenteuer in der Liebe: Doch selbst diese Mini-Grenzüberschreitung ist dem Freund zu viel.

        Maria ist schwanger, und sie hat ihren Job gekündigt in einem Ausbruch des Rebellischen. Maria, die 17jährige, ist bereit, ihrem unbestimmten Sehnen nachzugehen; und sie lässt sich auf einen Pakt mit dem Teufel ein, Franklin, der Coole mit der Lederjacke, umgarnt sie, und sie wird Drogenkurier.

        War der Film bis hierhin ein genauer, aber kursorischer Blick auf den Alltag eines Teenagers in einem engen Dorf mit festgefügten Strukturen und Verhaltensweisen, so wirft er jetzt einen genauen und beinahe dokumentarischen Blick auf den Drogenschmuggel: Das Verpacken der Drogen in Gummi, das Schlucken, der Flug, die Angst vor dem Entdecktwerden und vor dem Gift im eigenen Körper, der Verdacht des amerikanischen Zolls, die Befragung und das knappe Entkommen wird ausführlich gezeigt, bis zur Bewachung durch brutale Verbrecher in einer Absteige, das Warten auf das Ausscheiden der Drogen, bis zum Tod der Schmugglerkollegin Lucy. Dann das Verlorensein in New York, die Überwältigung durch das Neue der Großstadt, der Zwist mit der Freundin Blanca und das Bewusstsein von dem Kind, das im Bauch wächst – die Kamera bleibt stets nah an Maria, sie bewegt sich mit ihr. Und durch die Nähe können wir sie verstehen, in ihren Widersprüchen, in der Komplexität ihres Charakters, in ihren Versuchen, sich zurecht zu finden in ihrem Leben. Sie hat falsche Entscheidungen getroffen, sie ist sich selbst im Weg gestanden – und wir können es verstehen, weil wir dabei waren. Es ist ein harter, authentischer Blick auf die Empfindung des Verlorenseins, den der Film bietet; Maria ist auf der Suche nach einem Ausweg aus ihrem verlorenen Leben im Dorf, und sie greift den falschen Strohhalm. Am Ende hat Maria tatsächlich alles verloren, die Freundin, den Vater des ungeborenen Kindes, die Familie, die Heimat: Sie ist allein, und vielleicht ist das ein neuer Anfang, mit neuen Entscheidungen.
      • | FAZIT

      • Authentischer Film, der den Drogenhandel von der Seite der Schmugglerin her beleuchtet.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Harald Mühlbeyer

      • | Userwertung

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