Ihre Umwelt glaubt, dass sie nicht ganz richtig tickt. Nach dem Selbstmordversuch haben ihre Eltern genug und weisen die 19jährige Susanna (Winona Ryder) in die Edel-Klapse Claymore ein, damit sie wieder zur Besinnung kommt. Ein paar psychologische Defizite scheint Susanna auch zu haben, so hat sie doch ständig Kopfschmerzen und glaubt, dass ihre Knochen hin und wieder mal ihren Körper verlassen. Es ist 1969 und die Medizin ist nicht gerade sonderlich fortschrittlich, eher eingefahren, beherrscht von alternden Psychoanalytikern, die die gesamte Woodstock-Generation für wahnsinnig hält.
Susanna sitzt in Wirklichkeit zwischen allen Stühlen, sie hat kein Selbstvertrauen, ist eine sehr emotionelle Person. Schriftstellerin will sie werden, ihre Umwelt belächelt dies, sie hat keine Freunde, keine Vertraute. Das ist es aber, was sie eigentlich braucht und nicht etwa eine Therapie. Abgeschoben landet sie zwischen scheinbaren Psychopathen, doch Susanna muss schnell feststellen, dass ihre neuen "Freunde" gar nicht mal soviel anders sind als sie selber.
Das Zimmer teilt sie sich mit Georgina (Clea DuVall), die eine notorische Lügnerin ist. Dann ist da die entstellte Polly (Elizabeth Moss), die durch die Tatsache, dass sie von keinem Menschen jemals auch nur mit der Kneiffzange angefasst werden wird in die tiefsten Depressionen verfallen ist. Dann die anscheinend arrogante Daisy (Brittany Murphy), die sich auf dem Einsamkeitstrip befindet. Und schließlich Lisa (Angelina Jolie). Eine Soziopathin, die sich ständig gegen alles auflehnt, eine Rebellin wie sie im Buche steht, eine junge Frau, die ihre Umwelt lieber durch ihre Kaltschnäuzigkeit verletzt als jemanden an sich ran zu lassen.
Nach anfänglichem Zögern werden Susanna und Lisa die besten Freundinnen, denn eines haben die beiden nicht verloren: ihre Fantasie. Und die brauchen sie auch in der Welt, die sich ihnen im Sanatorium präsentiert. Hier wird den Patienten nicht wirklich geholfen, sie werden ruhig gestellt, nicht mehr. Und so beginnt für Susanna ein Kampf in den in ihr aufgezwungenen vier Wänden. Ein Kampf gegen die anscheinend ruppige Schwester Virginia (Whoopi Goldberg), ein Kampf gegen die anscheinend unzulängliche Psychiaterin Dr. Wick (Vanessa Redgrave), ein Kampf um die eigene Freiheit und auch ein Kampf um die Psyche Lisas. Solange bis Susanne merkt, dass sie den falschen Weg geht, denn kämpfen muss sie nur um eines: endlich ihr eigenes Leben in den Griff zu bekommen...
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| FILMKRITIK
1993 veröffentlichte die Schriftstellerin Susanna Kaysen unter dem Titel "Girl, Interrupted" ihre Memoiren aus den späten 60er Jahren, in denen sie gegen ihren Willen in der Psychiatrie gesessen hatte. Elf Wochen lang stand das Buch auf der Bestsellerliste der New York Times. Douglas Wick, ein Produzent der Columbia Pictures sicherte sich schnell die Filmrechte und fand auch bald in der jungen Winona Ryder die passende Besetzung, denn die hatte die Klapse selbst schon von innen gesehen.
Es sollte zwar einige Jahre dauern, bis das Projekt erste Formen bekommen sollte, aber als man den Independent-Filmer James Mangold, der 1997 mit dem starbesetzten "Copland" seinen Durchbruch hatte, sowohl für die Regie als auch für eine Umschreibung des existierenden Drehbuchs von "Gorillas im Nebel"-Autorin Anna Hamilton Phelan verpflichtete, konnte die Produktion endlich beginnen.
Entstanden ist ein Darsteller-Film mit zwar großer psychologischer Tiefe, aber nicht genug Zeitcharisma und gesellschaftskritischer Schärfe. So basiert der Reiz doch viel eher auf dem grausam guten Spiel der beiden Hauptdarstellerinnen Ryder und Jolie. Letztere durfte für ihre Rolle unter anderem den Oscar und den Golden Globe in Empfang nehmen. Ansonsten ist der Film definitiv kein Nachfolger von "Einer flog über das Kuckucksnest", mit dem "Durchgeknallt" so gerne verglichen wird.
Lag in Milos Foremans Klassiker der Mittelpunkt doch eher auf der gnadenlosen Zurschaustellung der horrorhaften Zustände in amerikanischen Psychiatrien, so liegt er hier eher auf der Präsentation einer verletzten Seele und ihrer Reinkarnation. Die Darstellung eines unsicheren jungen Mädchens, das erst durch die psychische Gewalt, die ihr in der Klapse widerfährt, zur starken und erwachsenen Frau werden kann, die in der Lage ist, sich gegen ihre Umwelt durchzusetzen, und für die die Psychiatrie am Ende doch nicht ein so schlimmes Erlebnis ist.
Und da widerspricht sich der Film doch eigentlich selber und wird undurchsichtig. Mangolds unspektakuläres Finale passt nicht recht zum Rest des Films. Ein überaus sehenswerter Film, der jedoch, solange man nicht bedenkt, dass er auf einer wahren Geschichte basiert, wesentlich härter hätte sein müssen. Dadurch, dass es in diesem Film keinen Bösen gibt, wirkt er natürlich realistischer, für den Massenpublikumsgeschmack wird er dadurch aber auch untauglich. Umso mehr ist es verwunderlich, mit welcher Leichtigkeit der Film sein 24 Millionen Dollar Budget in Amerika wieder eingespielt hat.
| FAZIT
Ein sehr sehenswerter Film mit großer psychologischer Tiefe, dem es aber an Härte fehlt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
Gesamtwertung:
Autor: Sebastian Schmidt
| FILMPLAKAT
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