FILM REVIEW | Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter
Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter
Komödie,
Romanze
| Deutschland 1998
| INHALTSANGABE
"Die Liebe lässt sich nicht rufen, nicht zwingen und nicht zähmen, widerspricht vorsätzlich jeder Vernunft, bricht alle Wahrscheinlichkeit und jedes Gesetz. Wo man sie am sehnsüchtigsten erhofft, vertrödelt sie die meiste Zeit, wo keiner auf sie wartet, schlägt sie erbarmungslos zu." Ein sehr vielschichtiger, niveauvoller innerer Monolog. Schade, dass nicht der Rest des Films so ist.
Dieser Monolog stammt aus dem Buch des Autors Charly Müller (Christopher Waltz), der schon lange versucht, sein Werk an den Mann zu bringen. Klappt aber nicht. Und deswegen ist Charly auch vom Leben gefrustet und will Selbstmord begehen. Schön und gut, nur was haben die Geschichten von Sandra und Paul, Jimmy und Birgit, Cornelia und Hilde. Tamineh und Marcello und Sven und Manuela damit zu tun. Eigentlich nicht viel, und da ist das Problem des Films.
In seinen 85 Minuten versucht der Film, ein Dutzend Charaktere zu entwickeln und schafft es gerade mal, jeden an der Oberfläche anzuritzen. Ok, Sandra (Cosma Shiva Hagen) und Paul, beide stark am pubertieren, suchen den ganzen Film über einen Ort, um zum ersten Mal miteinander zu schlafen. Dabei wird ihnen klar, dass Kondome kaufen schwer ist und öffentliche Toiletten ziemlich ungemütlich sind.
Dann gibt es die Story von Pauls Mutter Cornelia (Gudrun Landgrebe), die ein braves Hausmütterchen ist, dann jedoch auf die Sekräterin Hilde (Michaela May) trifft, die sich nachts zum Vamp entwickelt, klaut und vorgibt, dass ihr eine Model-Agentur gehört. Mit ihr zusammen beginnt auch Cornelia aufzudrehen.
Manuela (Ann-Kathrin Kramer) ist Charlys Ex-Frau, immer auf der Suche nach dem perfekten Mann. Da Charly diesem Anspruch nicht mehr genügt hat, hat sie ihn zusammen mit Tochter Hanna verlassen. Weil Charly an diesem Tag keine Zeit hat, auf seine Tochter aufzupassen - er hat einen wichtigen Geschäftstermin wegen seines Buches - bringt Manuela die Tochter zu ihrer Freundin Birgit (Isabella Parkinson), die immer noch solo ist, weil sie sich völlig zurückzieht und wie ein Mauerblümchen lebt.
Doch dann trifft Birgit durch Zufall auf Jimmy (Oliver Korittke), der in einem Fitnesstudio jobbt, und es scheint so, als hätte er an ihr Interesse. In Wirklichkeit ist Jimmy schwul und braucht dringend eine weibliche Begleiterin für eine Tanzveranstaltung am Abend, damit er seinen Traummann wiedersieht.
Deswegen landet die kleine Hanna bei Birgits Kumpel Sven (Heio von Stetten), der ebenfalls auf der Suche nach der wahren Partnerin ist. Beim Spaziergang mit Hanna trifft er auf Manuela, verliebt sich in sie und gaukelt ihr vor, Hannas Vater zu sein. Die erkennt natürlich sofort ihr Kind, spielt aber mit, weil sie ihn auch so sympathisch findet.
Manuela wohnt zusammen mit der Deutschlehrerin Tamineh (Anica Dobra), die zwar Geburtstag hat, der jedoch alle Gäste kurz vor dem Kaffeetrinken absagen, auch ihr Freund. Auf dem Balkon trifft sie auf Marcello (Dieter Landuris), der sich vom Dach stürzen will, weil seine Freundin ihn betrügt, wie sich herausstellt mit Taminehs Freund. Die beiden beschließen gemeinsam Selbstmord zu begehen, verlieben sich jedoch im Laufe des Tages ineinander.
Charly findet zwischenzeitlich wieder keinen Arbeitgeber - und stiehlt den Ferrari des Verlegers Hendrick (Frank Giering), der sein Buch im Gespräch verrissen hat, ohne es auch nur angeschaut zu haben. Er will sich mit dem Auto totfahren, doch vorher trifft er noch auf Cornelia und Hilde und erlebt mit den beiden eine abenteuerliche Nacht.
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| FILMKRITIK
Der deutsche Film ergötzt sich seit den Anfängen eines Sönke Wortmanns an der Komödie, ohne dass er leider wirklich imstande ist, etwas neues zu fabrizieren. "Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit" macht da leider keine Ausnahme. Er täuscht Tiefe und Sinn vor, versucht krampfhaft eine Metapher über die Liebe und das Leben zu sein - und scheitert dabei an seiner Episodenhaftigkeit, seinen uncharmanten Darstellern, Christopher Waltz, Oliver Korittke, Ann-Kathrin Kramer und Cosma Shiva Hagen ausgenommen - dummerweise gehört niemand von diesen vier Darstellern zum gleichen Paar - und seinen flauen Gags.
Es gelingt dem Regisseur nicht, seine Figuren zusammenzuführen, das Finale wirkt überheblich, unecht und auch ein wenig peinlich.
| FAZIT
Ein ganz unterhaltsamer, kurzweiliger Film, von dem man aber nicht viel erwarten sollte.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
Gesamtwertung:
Autor: Sebastian Schmidt
| FILMPLAKAT
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