Ihr Nachname bedeutet ’Innenfläche der Hand’ und genau mit diesem Körperteil arbeitet Irina Palm in der Bar Sexy World. Es ist genial gemacht, dass man von dem ganzen Pornorummel fast überhaupt nichts sieht, sondern eher die menschlichen Probleme im Mittelpunkt stehen. Aber das beeindruckendste ist, wie Marianne Faithfull, die einstige Popikone und Superpartymaus der Sechziger Jahre in die Rolle der liebevollen Oma schlüpft, die sich dazu durchringen muss, hier das Geld für die nötige Behandlung des todkranken Enkels zu verdienen. Und es kommt sogar Komik auf, wenn die heuchlerische oder verklemmte Umgebung über Irinas vorübergehendes Handikap, den Penis-Arm, aufgeklärt wird. Auch der überraschende Schluss ist gelungen und verleitet zum Weiterdenken des Gesehenen, weil auch die Entwicklung der durchaus anrührenden zwischenmenschlichen Beziehung zu Barbesitzer Miki Manojlovic zu Herzen geht.
Die Sixties-Ikone als Oma, die Männern mit biederer Gewissenhaftigkeit einen von der Palme wedelt: Das ist großes, warmherziges und dennoch ironisches Kino aus Europa!
Eine derart schlichte und doch wundervolle Tragikomödie habe ich wirklich schon lange nicht mehr gesehen. Ein toller Film, der in erster Linie von seinen durchweg perfekt besetzten Charakterdarstellern lebt; allen voran natürlich die sehr sichtlich gealterte Marianne Faithfull, welche jedoch dermaßen knuffig rüberkommt, daß man sie spätestens ab der Mitte des Films einfach nur mal feste drücken möchte. Das Wechselbad zwischen ernsten und sehr heiteren Szenen funktioniert hervorragend. Wer das Herz am rechten Fleck hat, sollte diesem schönen ruhigen Film unbedingt eine Chance geben!