Dienstag | 29. Mai 2012 | 18:31 Uhr
Sie befinden sich hier: KINO | Startseite > Reviewübersicht > Reviewdetails
  • FILM REVIEW | Der Krieger und die Kaiserin
  • Der Krieger und die Kaiserin

    Drama, Liebesfilm | Deutschland 2000
  • | INHALTSANGABE

  • Einsam, freudlos, ohne jegliche Lebenserfahrung. Das ist Sissis (Franka Potente) Schicksal. So glaubt sie jedenfalls. Aufgewachsen ist sie in der Klappsmühle, ihre Mutter arbeitet dort als Krankenschwester, ihr Vater ist selbst einer von den Irren. Rausgekommen ist sie nie, sie ist auch nicht dazu erzogen worden, dass sie jemals das Verlangen haben könnte, die Welt sehen zu wollen.

    Und nun ist sie in die Fußstapfen ihrer Mutter getreten und ist selber Schwester. Liebevoll betreut sie ihre Patienten, auch wenn diese ihre Aggressionen an ihr auslassen. Sie hat für alles Verständnis und sie glaubt an ihr Schicksal. Doch dann trifft sie Bodo (Benno Fürmann). Und auch dies hält sie für einen Wink des Schicksals, auch wenn bei der ersten Begegnung bewegungslos unter einem Lastwagen liegt und zu ersticken droht.

    Der LKW-Fahrer hat die Ampel zu spät gesehen und konnte nicht mehr bremsen. Helfen tut ihr niemand, nur Bodo, der ihr einen Luftröhrenschnitt verpasst, das Blut absaugt und sie ins Krankenhaus bringt. Danach verschwindet der Lebensretter spurlos. Als Sissi nach knapp zwei Monaten wie durch ein Wunder fast völlig geheilt die Klinik verlässt, kann sie Bodo nicht aus ihrem Kopf verdrängen.

    Das einzige was ihr von ihm geblieben ist, ist ein Hemdknopf den sie ihm bei der Rettungsaktion abgerissen hat. Und so begibt sich Sissi auf die Suche nach ihrem Retter, denn sie hält nun ihn für ihr Schicksal. Was sie jedoch findet, ist eine Tragödie.

    Bodo schickt sie weg, er will niemanden an sich ranlassen und nur langsam erfährt Sissi den Grund dafür. Vor einigen Monaten starb Bodos Frau bei einem Unfall an einer Tankstelle. Seitdem bekommt er sein Leben nicht mehr in den Griff. Nachts wird er von Visionen geplagt, dass seine Frau auf der Couch hockt. Er nimmt sie in den Arm, in Wirklichkeit umklammert er den heißen Kohlenherd.

    Seit dem tragischen Unglück lebt Bodo mit seinem Bruder Walter (Joachim Król) zusammen, der ergebnislos versucht, aus Bodo wieder einen normalen Menschen zu machen. Von Depressionen geplagt, findet dieser keine Arbeit und so kommen Bodo und Walter, der als Wächter in einer Bank arbeitet, nur schwer über die Runden.

    Um alle Geldsorgen endlich los zu sein und ein neues Leben in Kanada anfangen zu können, plant Walter, die Bank auszurauben. Sein Plan funktioniert jedoch nicht. Mit dem schwer verwundeten Walter tritt Bodo nach dem missglückten Coup die Flucht an und ohne die unvermutet auftauchende Retterin Sissi wäre die Geschichte zu diesem Zeitpunkt wohl schon vorbei...
    WERBUNG
      • | FILMKRITIK

      • Was kommt dabei heraus, wenn Regisseur und Hauptdarstellerin einer der besten deutschen Filme der letzten Zeit gemeinsam einen neuen Film drehen? In diesem Fall ein Drama, das zwar die volle Aufmerksamkeit des Zuschauers verdient, nicht aber vom Vorwurf befreit werden kann, hier einen Stoff, der bestenfalls für 90 Minuten reicht auf volle 129 Minuten zu dehnen... .

        Mit "Lola rennt" haben Tom Tykwer und Franka Potente viele Lorbeeren einheimsen können. Gerade das ziemlich Straffe, welches dem Zuschauer keine Ruhepause gegönnt hat, machte den Film zu einem Erlebnis. Er hat nur schlappe 77 Minuten gedauert, doch wegen der Dichte und der wirklich originellen Story wirkte er wie ein kleines Epos.

        Ganz anders ist "Der Krieger und die Kaiserin". Hier wird wirklich jedes Wort auf die Waagschale gelegt, bei manchen Dialogen braucht es Sekunden, bis man vom Gegenüber eine Antwort bekommt. Das führt dazu, dass der Film auf unsägliche 129 Minuten anwächst und wohl nur Hartgesottene von einem äußerst kurzweilgen Vergnügen sprechen können.

        Vor allem die Darbietung von Franka Potente sorgte dafür, dass ich gut und gerne Lust darauf gehabt hätte, jemandem eine zu scheuern. Sie zog jeden noch so banalen Satz, jeden noch so nichtssagenden Dialog derart in die Länge, dass im Vergleich dazu Zähneziehen zu einem wahren Vergnügen werden würde. Sie wirkt, als hätte sie eine Prozessorbremse eingebaut bekommen.

        Der Charakter soll ja ziemlich labil und daneben wirken und das gelingt in den ersten paar Minuten auch ziemlich gut, doch wenn man das die volle Spielzeit mit ansehen muss, verstehe ich jeden, der dabei Aggressionen entwickelt. Ganz anders schon agiert Benno Fürmann. Dessen Rolle ist das genaue Gegenteil: Er ist aufbrausend, wahnsinnig direkt und verletzend. Dass das nur ein Abwehrmechanismus gegen seine tief empfundene Trauer ist, erfährt man erst ein wenig später und das sorgt dafür, dass man mit seinem Charakter mitfühlt.

        Faszinierend ist gegen Ende dann die Auflösung seines Problems. Die Idee ist originell, doch übertrieb Tykwer derart maßlos, so als wolle er diejenigen, welche noch nicht den Schlaf der Gerechten schlafen, dafür entschädigen, dass der Film streckenweise zu einem Folterinstrument verkommt. Doch so langweilig auch der Inhalt des Films ist, kann er doch einige Pluspunkte für sich verbuchen.

        So ist die Musikuntermalung in vielen Szenen einfach perfekt und der Soundtrack kann allen, welche sich der klassischen Musik verschrieben haben, uneingeschränkt empfohlen werden. Zahlreiche Klavierstücke nehmen den Zuschauer teilweise so für sich ein, dass man sich in manchen Szenen lieber auf die wunderschönen Töne, denn auf die träge Handlung konzentriert.

        Weiterhin hat man schon lange nicht mehr eine so schöne Kameraführung im Kino bewundern können (Weil es heißt, ich weiß soetwas nicht zu würdigen, erwähne ich das jetzt mal :-) ). Manchmal zieht die Kamera schön langestreckt über die Landschaft, während eines Gesprächs gleitet sie seidenweich um die Akteure und meine Lieblingseinstellung ist wirklich ein kleines Meisterwerk (alt, aber gut): Die Kamera zoomt auf eine Fotografie heran, zoomt wieder weg, und schon befinden sich die Akteure an dem besagten Ort.

        Nur in einer Szene hätte die Kamera nicht so drauf halten müssen, wie sie es getan hat: Der mit einem Messer durchgeführte Luftröhrenschnitt von Bodo war wirklich grausig und hätte die Szene noch etwas länger gedauert, dann hätte es in unserer Kinoreihe eventuell eine kleine Sauerei gegeben.

        "Der Krieger und die Kaiserin" ist ein zweischneidiges Schwert. Die lähmende Darbietung von Potente machen ihn teilweise zu einer wahren Plage, doch Fürmann ist hier der für den Zuschauer rettende Gegenpol. Die Kameraführung und der Soundtrack sind wie gesagt voll in Ordnung, so dass der Film alles in allem dann doch noch ein wenig über dem Durchschnitt zu bewerten ist.
      • | FAZIT

      • Ein teilweise unsäglich gedehntes Drama mit schönem Soundtrack und einer tollen Kameraführung.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Claus Schlamadinger

      • | Userwertung

      Wertung: 5.5/10 (2 votes)

      • | Cinefacts bei Facebook
      Facebook Logo
        • | WEITERE INFOS
            •   AKTIONEN