Dienstag | 29. Mai 2012 | 18:37 Uhr
Sie befinden sich hier: KINO | Startseite > Reviewübersicht > Reviewdetails
  • FILM REVIEW | Der Mondmann
  • Der Mondmann

    Komödie | USA 1999
  • | INHALTSANGABE

  • "Hallo, ich bin Andy und das ist mein Film!" sagt der Mann mit den verkniffenen Gesichtszügen dem Zuschauer gleich zu Anfang direkt ins Gesicht. "Der Film ist aber nicht gut geworden, nein, er ist richtig schlecht. Deshalb hab ich ihn auch umgeschnitten und jetzt ist er viel kürzer. Um genau zu sein, er ist jetzt schon zu Ende." Und so kommen die Endcredits, bevor überhaupt die Anfangscredits kamen. Das Bild wird dunkel und...nichts passiert.

    Nach einer ganzen Weile schaut plötzlich der Mann von der Seite wieder ins Bild: "Ich wollte ja nur, dass die Leute weggehen, die mich eh nicht verstehen." Und damit sagt uns Andy eigentlich schon, dass er sich von seinem Publikum nie wirklich verstanden fühlte. Andy Kaufman (Jim Carrey) wächst in einer ganz normalen amerikanischen Kleinstadt mit ganz normalen Eltern auf, hat jedoch bereits von frühester Jugend an den Drang, sich vor anderen zum Clown zu machen. Allerdings zu einem Clown nach seinen eigenen Vorstellungen.

    Mitte der 70er Jahre tritt Andy als Stand-Up-Comedian in heruntergekommen Clubs auf und wird hier von dem bekannten Talentsucher George Shapiro (Danny DeVito) entdeckt. Dieser ahnt zwar, dass Andys eigenwilliger Humor problematisch zu verkaufen sein wird, jedoch gelingt es ihm, Andy einen Auftritt bei "Saturday Night Live" zu besorgen.

    Mit einfachsten Mitteln bringt Andy das Publikum zum Lachen und wird zum Liebling der Nation. Doch von Anfang an stört es ihn, dass jeder in ihm einen Komiker sieht, er selber bezeichnet sich als Sänger und Tänzer. Die Rolle eines vertrottelten Automechanikers in der ABC-Sitcom "Taxi" gefällt ihm zwar ganz und gar nicht, jedoch festigt es sein Image.

    Bereits nach einem halben Jahr verspürt Andy den Drang, aus der Serie auszusteigen, denn sie gibt ihm nichts. Zusammen mit seinem Freund und Autor Bob Zmuda (Paul Giamatti) erfindet Andy den imaginären Entertainer Tony Clifton, den Andy in Verkleidung mit den rüpelhaftesten Manieren darstellt und dem er einen Gastauftritt in der Serie ermöglichen will. Das jedoch nur, damit Tony gefeuert wird und damit auch Andy selbst.

    Sein Plan misslingt. Nach seinem Auftritt ist Tony Clifton nicht minder populär wie Andy selbst. Neben der Fernsehserie beginnt Andy mit seiner ganz persönlichen Tour durchs Land zu reisen, doch sein exzentrischer Humor kommt außerhalb des Fernsehens nicht an. Danach entwickelt er mit Bob einen auf lange Zeit geplanten Gag. Andy beginnt zu catchen.

    Dabei verspottet er nicht nur Frauen, sondern auch die Südstaatler. Jedoch versteht niemand Andys neue Show als Parodie, Amerika lernt Andy Kaufman zu hassen. Doch Andy ist das egal, er treibt es auf die Spitze. Bei seiner Show lernt er die attraktive Lynn (Courtney Love) kennen und schließlich auch lieben. Sie unterstützt ihn nach besten Möglichkeiten, doch sie kann nicht verhindern, dass die Erfolglosigkeit bei Andy Depressionen verursacht.

    Anfang der 80er Jahre wird bei Andy eine seltene Art von Kehlkopfkrebs diagnostiziert. Die Meldung, dass Andy Kaufmann totkrank ist, schlägt beim Publikum wie eine Bombe ein, denn jeder fragt sich, ob dies wieder einer von Andys geplanten Gags ist. Seine letzten große Show, und damit auch die Erfüllung seines Traums, findet in der Carnegy Hall statt und ist ein voller Erfolg.

    Andy Kaufman stirbt im Alter von 35 Jahren mit der Gewissheit, dass ihn zwar kaum einer wirklich verstanden hat, dass er aber viele Menschen zum Lachen gebracht hat. Und so organisiert er bereits vor seinem Tod seine Beerdigung als große Revue mit Musik und Tanz. Der tote Andy Kaufman liegt im Sarg aufgebahrt, der lebendige Andy Kaufman ist auf der Leinwand zu sehen, er schunkelt mit seinen Trauergästen, seinem letzten Publikum...
    WERBUNG
      • | FILMKRITIK

      • 1993 veröffentlichte die Halb-Indie-Band R.E.M. ihr Album "Automatic for the People". Der Lead-Song "Man on the Moon" handelte von der früh verstorbenen Fernsehlegende Andy Kaufman. "Man on the Moon" wurde ein Riesenhit und Kaufman kam dem amerikanischen Volk wieder in Erinnerung. Trotzdem dauerte es sechs Jahre, bis seine Biographie auf die Kinoleinwand gebannt wurde. R.E.M. schrieb den Soundtrack zum Film.

        Und jetzt bin ich wohl wieder mal in der Zwickmühle, schließlich handelt es sich bei "Der Mondmann" um einen Jim Carrey-Film. Der Komiker mit den brachialen Gesichtszügen gehörte, ähnlich wie Adam Sandler, zu meinen verhasstesten Chaotendarstellern. Und nach der "Truman Show" und dem "Mondmann" muss ich eines zugeben: Jim Carrey ist genial.

        Er überzeugt nicht nur auf ganzer Linie, er triumphiert regelrecht, denn es gelingt ihm, Andy Kaufman plastisch zu machen. Resultat: Gebt dem Jungen die richtigen Rollen und er ist grandios. Milos Forman, der bereits mit "Larry Flynt" 1996 das Portrait einer bizarren amerikanischen Legende zeichnete, zieht die Kraft seines Films aus zwei Dingen. Zum einen aus der 70er Jahre Atmosphäre, die den Film umweht, zum anderen aus Carreys kraftvoller Darstellung.

        Das Drehbuch tut sein übriges. Es versucht nicht Kaufmans Lebensweg nachzuzeichnen, sondern vielmehr seinen Charakter darzustellen. Zeitlich ist der Film relativ losgelöst, so genau weiß man nie, wieviel Zeit eigentlich zwischen Kaufmans einzelnen Etappen auf der Erfolgsleiter vergehen. Die Biographie wird so auch zur Hommage an ein verkanntes Genie, in der sich auch viele Personen aus Kaufmans wirklichem Leben als Gastdarsteller verpflichteten - so z.B. fast die gesamte Crew von "Taxi" wie Judd Hirsch und Christopher Lloyd, aber auch der echte George Shapiro hat als Clubchef einen kurzen Auftritt, ebenso der echte Bob Zmuda.

        Bei der Besetzung der Hauptrolle hatte das Studio die Wahl zwischen Jim Carrey und Edward Norton. Carrey wurde gewählt, weil sein Name mehr Dollars versprach. Ironischerweise stürzte "Man on the Moon" an den amerikanischen Kinokassen ziemlich ab. Trotzdem ist Carrey - sorry Mr. Norton, ich weiß, dass Du einer der besten Darsteller der neuen Generation bist - die bessere Besetzung, denn er ist Andy Kaufman sehr ähnlich.

        Auch Carreys Humor spaltete die Nation und nach seinen Darstellungen der neueren Zeit muss man auch ihn als verkanntes Genie bezeichnen. Bleibt zu hoffen, dass Carrey nicht in seinen Blödelhumor zurückfällt, sondern weiterhin Filme wie "Truman Show" und "Man on the Moon" dreht.
      • | FAZIT

      • Anspruchsvolles Autorenkino für die breitere Masse, ebenso witzig wie bitter.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Sebastian Schmidt

      • | Userwertung

      Wertung: 7.8/10 (4 votes)

      • | Cinefacts bei Facebook
      Facebook Logo
        • | WEITERE INFOS
            •   AKTIONEN