Dienstag | 29. Mai 2012 | 18:45 Uhr
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  • FILM REVIEW | Der Musterschüler
  • Der Musterschüler

    Thriller | USA 1998
  • | INHALTSANGABE

  • In einer ruhigen amerikanischen Kleinstadt lebt Todd Bowden (Brad Renfro), ein ganz normaler amerikanischer Jungendlicher, in der Schule äußerst gut, nur im Sport eher mäßig begabt, bei Mädchen beliebt. Ein wohl überdurchschnittlicher, aber völlig normaler Schüler. Bis zu dem Tag wo Todd im Geschichtsunterricht beginnt, den zweiten Weltkrieg durchzunehmen, das Thema des Nationalsozialismus wird aber eher gestreift.

    Daher beginnt sich Todd auch privat in diese Epoche zu vertiefen. Er ist fasziniert von der erbarmungslosen Konsequenz mit der die Nazis vorgingen, fasziniert von der Möglichkeit der absoluten Machtausübung über ein ganzes Volk. Todd ist eigentlich nicht gewalttätig, auch kein Rechtsradikaler, Todd kann nur nicht verstehen wie so etwas überhaupt möglich war. Und dann sitzt Todd im Bus und glaubt seinen Augen nicht zu trauen.

    Er sieht einen alten Mann mit Stock und Hut, und erkennt ihn. Er hat ihn in Büchern gesehen. Todd beginnt, den Mann zu beobachten, besorgt sich seine Fingerabdrücke und ist sich schließlich völlig sicher, dieser Mann ist Kurt Dusander (Ian McKellan), ein weltweit gesuchter Nazi-Verbrecher, Mörder von Tausenden von Menschen.

    Todd klingelt an der Vorstadthäuschen-mit-nettem-kleinem-Garten-Tür des Mannes und gibt ganz offen zu, dass er weiß, wer der Mann ist. Der alte Mann leugnet natürlich alles, doch er erkennt schnell, dass das keinen Sinn hat. Todd stellt ihm zwei Möglichkeiten zur Auswahl: entweder er erzählt ihm alle Geschichten über die Zeit der Nationalsozialisten oder Todd verpfeift ihn.

    Dusander hat keine andere Wahl und so beginnt er Todd von den Konzentrationslagern zu erzählen, von den Tötungsarten und den Manipulationen. Je mehr Zeit Todd mit Dusander verbringt, desto mehr versetzt er sich auch in jene Zeit - und immer mehr lässt er auch seinem eigenen Drang nach Gewaltauslebung nach.

    Er beginnt Albträume zu haben und wird immer schlechter in der Schule. Dusander sieht nun den Moment gekommen den Spieß umzudrehen. Lange bereits hat er Todds Spielchen ertragen, fühlt sich selber von ihm gequält und gedemütigt. Als Todds Großvater schleicht er sich beim Vertrauenslehrer Edward French (David Schwimmer) ein, erzählt diesem, dass Todds Eltern dem Alkohol verfallen sind und dass er bereit ist, sich um Todd zu kümmern.

    So kommt es dazu, dass French sich zu dem Versprechen hinreißen lässt Todds Eltern nichts zu erzählen, wenn Todd in Zukunft bei seinem "Großvater" lernt. Todd gerät nun unter Druck, Dusander hat nun die Gewalt über ihn. Drohen hat auch keinen Zweck mehr, zu tief steckt Todd bereits drin. Dusander beginnt nun, Todd zu manipulieren, er will ihn zu seinem Ebenbild machen...
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      • | FILMKRITIK

      • Bryan Singer, Regisseur des großartigen Noir-Thrillers "Die üblichen Verdächtigen" hat sich eine von Stephen Kings subtilsten Geschichten gegriffen, um einen ebenso subtilen Film zu drehen. Schade nur, dass ihm dies nicht gelingt. Das Hauptproblem ist die Psychologie des Films, die leider oberflächlich und nicht nachvollziehbar bleibt.

        Warum tut Todd von Anfang an dies alles, wodurch definiert sich für ihn seine Faszination? Was animiert ihn dazu, am Ende gemeinsame Sache mit einem Nazi zu machen, warum ist es einem Jungen wie Todd Bowden, der anstänig erzogen wurde und ganz genau weiß, was Recht und was Unrecht ist, nicht möglich diese Bestie von Mensch zu denunzieren?

        Todds Ausgangssituation wird nicht richtig betont. Es wird zwar gezeigt, dass er wie besessen ist, alles über jene Zeit zu erfahren, aber was in seinem Kopf vorgeht erfährt der Zuschauer niemals. Und so bleibt ein zwar sehr unterhaltsamer, schnörkelloser, aber recht unmotivierter Psycho-Drama-Thriller-Mix. Der Film will zeigen, dass die manipulative Art, wie die Nationalsozialisten sie benutzten, überall anders auch wieder Fuß fassen könnte, auch im patriotischen Amerika. Dieser Anspruch wird jedoch nicht ernst genug genommen, um zu überzeugen.

        Der Film lebt hauptsächlich von dem grandiosen Schauspielduell, dass sich der alte Hase Ian McKellen mit dem jungen Spund Brad Renfro liefert. Die beiden Herren ergeben ein verdammt gutes Team. Aber zwei brilliante Schauspieler und ein gut gemeinter Film reichen halt nicht, wenn die Ausführung nicht dementsprechend ist.
      • | FAZIT

      • Ein zwar subtiler und sehr unterhaltsamer aber recht unmotivierter Film, der seinem eigenen Anspruch nicht genügt.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Sebastian Schmidt

      • | Userwertung

      Wertung: 5.2/10 (5 votes)

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