"Jeder Mensch hat ein Talent, welches ist Deines?" - "Ich kann gut Unterschriften fälschen, Lügengeschichten erzählen und Leute imitieren." Dickie Greenleaf (Jude Law) staunt nicht schlecht darüber, was sein Freund Tom Ripley (Matt Damon) so alles kann. Zwei Amerikaner im Italien der späten 50er Jahre, anscheinend zwei Freunde aus vergangenen Tagen. Wirklich?
Wenige Tage zuvor hat Dickie, Sohn eines reichen Fabrikanten und seit einiger Zeit als Playboy in Italien lebend, Tom am Strand getroffen. Tom hat ihn sofort wiedererkannt, schließlich gingen sie beide auf das renommierte Princeten-College. Dickie erinnert sich zwar nicht an Tom, aber warum sollte der ihn anlügen?
Dickie ahnt nicht, dass Tom von Dickies Vater Herbert Greenleaf (James Rebhorn) den Auftrag erhalten hat, Dickie nach Amerika zurückzubringen. Tom merkt aber schnell, dass nichts Dickie Greenleaf dazu veranlassen wird, sein Feriendomizil zu verlassen. Er ist hier angesehen, verbringt sein Leben mit Spaß und hat zudem in der schönen Marge Sherwood (Gwyneth Paltrow) seine große Liebe gefunden - auch wenn er hinter ihrem Rücken Affären hat.
So passt sich Tom an, schleimt sich ein, genießt mit Dickie und Marge das gute Leben. Dabei verliebt er sich in Dickies Lebensstil - und auch in Dickie selbst. Seine Begierde nach der Macht, die der Arbeitersohn niemals zu erreichen gehofft hatte, wird immer stärker.
Dickie und Tom werden die besten Freunde, was sich jedoch mit dem Eintreffen von Freddie Miles (Philip Seymour Hoffman), einem reichen und eingebildeten guten Freund Dickies, zu ändern beginnt. Freddie mag Tom nicht. Er sieht ihm an, dass er lügt und auch, dass Tom etwas begehrt, was er nicht haben kann. Freddie denkt dabei eher an Marge, er ahnt nicht, dass sich Tom heimlich nach dem schönen Dickie verzehrt.
Als Dickies Geliebte schwanger und von ihm verlassen Selbstmord begeht, bricht Dickies kleine Welt ein. Tom weiß um sein kleines Geheimnis, schwört aber, niemals etwas zu verraten. Zu sehr ist in ihm die Illusion bereits zur Wirklichkeit geworden, dass nichts in der Welt ihn und Dickie noch trennen kann. Tom jedoch fällt Dickie bald auf die Nerven und auch Marge fühlt sich von ihm gestört.
Dickie drängt Tom dazu, nach New York zurückzukehren, zuvor wollen sie jedoch noch einen letzten gemeinsamen Ausflug machen. Eine Bootspartie vor San Remo endet tragisch. Tom beichtet Dickie seine Gefühle, wird von ihm jedoch zurückgewiesen und eher belächelt. Dickie gibt ihm gegenüber zu, dass er sehr wohl weiß, dass Tom lügt und nur ein armer Wicht ist, der eine Chance ergriffen hat und ihn ausnutzt. Tom fühlt sich daraufhin gedemütigt und schlägt Dickie mit einem Paddel zu Boden.
Es kommt auf dem kleinen Boot zur Prügelei und am Ende liegt Dickie tot darnieder. Tom beseitigt die Leiche und flieht nach Rom. Hier baut er sich eine perfekt gefälschte Identität auf. Er ist nun Dickie und keiner merkt es. Lange kann das aber nicht gutgehen und bald verstrickt sich Tom in einem Gewirr aus Lügen und Geheimnissen. Er muss seine neue Identität verteidigen, auch wenn er vielleicht noch mehr Menschen dafür töten muss...
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| FILMKRITIK
Nach seiner oscargekrönten Liebesschmonzette "Der englische Patient" setzt Regisseur Anthony Minghella auf psychologischen Thrill vom Feinsten. Der Roman von Patricia Highsmith war bereits 1956 unter dem Titel "Nur die Sonne war Zeuge" mit Alain Delon verfilmt worden - die Unmoral des Romans, dass der Bösewicht mit seinen Taten durchkommt, wurde hier natürlich beschönigt.
In Minghellas Verfilmung ist dies nicht so. Die Rolle des bösen Tom Ripley ist mit Matt Damon nicht nur völlig gegen den Strich besetzt, sondern Tom Ripley wird für den Zuschauer auch zur direkten Identifikationsfigur, der man ihren Erfolg gönnt, auch wenn er am Ende für seine Nichtbestrafung und ein Leben in Saus und Braus einen hohen Preis zahlen muss.
Besetzungstechnisch haben die Casting-Leute, auch wenn die Rollen nicht den üblichen Darstellerklischees entsprechen, großartige Arbeit geleistet. Vor allem Matt Damon brilliert dank seiner grandiosen Mimik als aufsteigender Sonderling, Jude Law sprüht nur so vor Charme wie auch vor Arroganz. Gwyneth Paltrow hingegen wird leider etwas zur Staffage, was nicht daran liegt, dass ihr Spiel farblos ist, sondern eher daran, dass ihre Figur nicht genug ausgebaut wurde.
Insgesamt ist Minghella ein perfekt durchgestylter Psycho-Thriller gelungen, der dank seiner flirrenden Atmospäre vor der großartigen Kulisse Italiens durchweg fesseln und begeistern kann. Großes Kino mit eigentlich geringem Aufwand inszeniert, so kostete "Der talentierte Mr Ripley" nur 40 Millionen Dollar, wobei er allein in den USA schon mehr als das doppelte eingespielt hat. Ein Fest für Geist und Auge.
| FAZIT
Ein perfekt durchgestylter Psycho-Thriller mit flirrender Atmosphäre. Großes Kino, das begeistern kann.
| BEWERTUNG
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