Thriller,
Action,
Abenteuer,
Science Fiction
| USA 2004
| INHALTSANGABE
Der Klimaforscher Jack Hall (Dennis Quaid) befindet sich auf einer Expedition in der Antarktis, als es zu einem bemerkenswerten Zwischenfall kommt: Ein Eisschelf von der Größe Rhode Islands bricht ab, und das auch noch inmitten seines Forschungslagers. Daraufhin versucht er, auf einer internationalen Klimakonferenz im verregneten Indien die Staatsoberhäupter der Welt vor einem drohenden Klimakollaps, der in 100 bis 1000 Jahren anstehen soll, zu warnen. Doch es kommt alles viel schneller als gedacht. In Japan werden plötzlich Menschen von Golfballgroßen Hagelbrocken erschlagen, Fluten und Stürme ungeahnter Ausmaße brechen auf allen Teilen der Erde aus und Tornados zerstören Los Angeles.
Mit Hilfe seines Kollegen Professor Rapson (Ian Holm) gelingt es ihm, Berechnungen und Analysen über die Ausmaße der Katastrophe anzufertigen. Es stellt sich heraus, dass in nur wenigen Tagen eisige Stürme eine neue Eiszeit auf der Erde werden ausbrechen lassen, ein Irrtum ist ausgeschlossen. Hall steht jetzt vor mehreren Herausforderungen: Er muss den zweifelnden Vizepräsidenten sowie den Präsidenten von seinen Evakuierungsplänen für die Südstaaten der USA überzeugen (der Norden ist bereits verloren) und seinen in der New Yorker Bibliothek auf ihn wartenden Sohn Sam (Jake Gyllenhaal) retten. In einem Wettstreit mit den immensen Naturgewalten und der fortschreitenden Zeit begibt er sich schließlich zusammen mit zwei Kollegen gen Norden um seinen Sohn zu suchen, während die Evakuierungsarbeiten im Süden weiterlaufen und immer mehr Amerikaner in Mexiko aufgenommen werden.
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| FILMKRITIK
"The Day After Tomorrow" ist ein ultimativer Katastrophenfilm. Wenn in bisherigen Filmen die Menschheit immer lediglich von einer Naturkatastrophe heimgesucht wurde, kommen hier viele Bedrohungen zusammen: die hereinbrechende Eiszeit, gigantische Tornados und die Sintflut. In unglaublichen Bildern der Zerstörungskraft und mit beeindruckenden Spezialeffekten bricht ein Desaster ungeahnten Ausmaßes über die Menschheit herein. Roland Emmerich versteht es dabei wie immer gekonnt, die Fakten mit der Fiktion zu verbinden. So wird anhand von knappen Stichpunkten in kurzen Dialogen und Konferenzen die tatsächliche Funktionsweise des globalen Klimas erklärt und auch die anfangs dargestellten, kleineren Ereignisse sind nicht rein fiktiv. Tote durch Hagel gab es bereits in China, Bilder von verheerenden Stürmen in Florida sind nichts neues und auch an die außergewöhnlichen Fluten der letzten Jahre in Mitteleuropa wird man sich noch bestens erinnern können. Für Emmerich ist es eine Leichtigkeit, diese ersten Anzeichen eines defekten Klimasystems auszubauen und die Zerstörung auf die Spitze zu treiben. Untermalt mit dem passend atmosphärischen, doch etwas charakterlosen Soundtrack von Harald Kloser wird der Zuschauer in ein kraftvolles Spektakel hineingerissen.
Immer wieder kommt es zu neuen Ausbrüchen der Naturgewalten, welche stets an Intensität zunehmen. In Schottland gefriert das Benzin in den Helikoptern und die Menschen erfrieren am Boden innerhalb von Sekunden. Gigantische Flutwellen ertränken New York, während die Bedrohung durch einen schnell wachsenden Blizzard kontinuierlich steigt. Auf der ISS sehen die Astronauten dem nur fassungslos zu und können gelegentlich mit Bildern und Analysen weiterhelfen. Dass hinter all dem die Story etwas lasch bleibt, ist fast schon selbstverständlich. Bei allen spektakulären Bilder vergisst Emmerich jedoch nicht seine Charaktere - das Menschliche ist in Beziehungen und Unsicherheiten immer wieder präsent, der Zuschauer kann sich nie gänzlich in den Bildern der Zerstörung verlieren.
Große Bedeutung wird dem Familienkonflikt Halls sowie der Zusammenarbeit des Wissenschaftlers mit Professor Rapson beigemessen. Auch die dezent eingearbeitete Liebesgeschichte zwischen Sam und seiner Freundin Laura (Emmy Rossum) verleiht dem Film etwas Bodenständiges. Sorgfältig gecastet wurde die schauspielerische Besetzung für alle Rollen, es finden sich keine überlebensgroßen Stars, dafür aber ausnahmslos sympathische Talente. Durch die jungen und allesamt für angesehene Preise nominierten Darsteller gewinnt der Film etwas zusätzliche Frische, die andere Actionfilme in Ermangelung qualifizierter Schauspieler oft einbüßen. Doch auch die Schauspieler in "The Day After Tomorrow" können die permanent außergewöhnlich hohe Aufopferungsbereitschaft füreinander kaum logisch begründen, und so entsteht zeitweise der Eindruck, dass es etwas sehr irrational und lebensmüde zugeht. Durch bedrohliche Situationen wird gekonnt immer wieder von neuem nervenaufreibende Spannung erzeugt. Ob nun das Eis unter den Füßen wegbricht, der Partner vor dem Sturz in die Tiefe kaum mehr zu retten ist, oder entflohene Wölfe sich auf einem im verschneiten Manhattan gestrandeten Schiff auf Nahrungssuche begeben - immer wieder ist der Ausgang der Situation unsicher. Genau in diesen Einzelmomenten, in denen eine Nebenperson sterben könnte (und dies manchmal auch tut) fiebern wir gespannt mit.
Spannend wird auch die Reaktion auf "The Day After Tomorrow" sein. Emmerich stellt einen sehr unsympathischen Vizepräsidenten der USA dar, wagt es jedoch nicht, den Präsidenten selbst direkt anzutasten. Die Staaten werden in ihrer Umweltpolitik kritisiert, während der Vizepräsident kapitalistisch orientiert das fragile System der Natur nur mit dem angeblich noch viel fragilerem System der amerikanischen Wirtschaft vergleichen kann. Erst in letzter Sekunde, als es eigentlich zu spät ist, kommt er zur Einsicht. Er bedankt sich zudem für die bereitwillige Aufnahme amerikanischer Flüchtlinge in den Staaten der Dritten Welt. "The Day After Tomorrow" prangert nicht nur die nachlässige Behandlung des Ökosystems, sondern auch die ungerechte Weltwirtschaft an und ironisiert die missliche Lage der Industriestaaten nach dem Einbruch der Eiszeit. Es entflammt sogar etwas Kritik an den auf Spektakularität ausgelegten Medien. Ein sensationsgeiler Reporter glaubt sich sicher und berichtet um jeden Preis von den Tornados in Los Angeles - bis er von einem herumfliegenden Werbeschild mitgerissen wird. Natürlich kommt die Behandlung dieser Themen im Film relativ kurz, weil er in erster Linie ja als Sommer-Popcorn-Movie unterhalten soll. Auch ist das von der Natur gezeichnete Bild etwas fragwürdig, da sie hier als ein einziges Element der Zerstörung und der Bedrohung dargestellt wird. Die beiläufig vermittelte Botschaft ist ein positiver Nebeneffekt, welcher die brisanten Themen immerhin unterschwellig ins Bewusstsein ruft. Ein hauptsächliches Ziel ist dies natürlich nicht, sonst hätte Emmerich die auf Spezialeffekte verwendeten, endlosen Millionen von Dollars auch Greenpeace oder Amnesty spenden können und damit einen noch wirksameren Effekt erzielt. Stattdessen bekommt der Zuschauer einen unvergleichlichen Augenschmaus an beeindruckenden Bildern zu sehen und verbleibt in der Hoffnung, dies hoffentlich niemals Live miterleben zu dürfen.
| FAZIT
Mitreißende Spezialeffekte in atemberaubenden Landschaften sowie gnadenlose Spannung gemischt mit dem Hauch einer Message machen aus "The Day After Tomorrow" ein sehenswertes Actionspektakel sowie ein herausragendes Meisterwerk seines Genres.
| BEWERTUNG
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