Dienstag | 29. Mai 2012 | 19:31 Uhr
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  • FILM REVIEW | Nix zu verlieren
  • Nix zu verlieren

    Komödie | USA 1997
  • | INHALTSANGABE

  • Der Werbekaufmann Nick Beam (Tim Robbins) führt ein Leben wie aus dem Bilderbuch: Im Beruf hat er Erfolg und in seinem Traumhaus in einer feinen, weißen Wohngegend wartet stets die entsprechend bezaubernde Traumgattin (Kelly Preston) auf ihn. Doch als er an seinem Hochzeitstag überraschend früher nach Hause kommt, gerät seine bisher so heile Welt ins Wanken.

    Seltsamen Geräuschen aus dem Schlafzimmer folgend, muss Nick mit Entsetzen feststellen, dass seine Frau ihn betrügt. Und zu allem Überfluss entdeckt er – seinen Augen immer noch nicht trauend – die Manschettenknöpfe seines unsympathischen Chefs (Michael McKean) auf dem Küchentisch! Völlig apathisch setzt Nick sich ins Auto, braust davon und während er nicht mehr mitbekommt, was um ihn herum passiert, manövriert er seinen Großraumwagen schnurstracks in ein ärmliches, schwarzes Wohnviertel (auch Ghetto genannt) hinein.

    Es kommt wie es kommen muss. An der erstbesten roten Ampel findet sich Nick mit einer Pistole an der Schläfe wieder und die fluchende Stimme des quirligen Straßenräubers Terence Paul (Martin Lawrence) fordert ihn auf, seine Brieftasche rauszurücken. Doch der Überfall läuft ein wenig anders ab, als "T." sich das so gedacht hat.

    Mit einem diabolischen Lächeln und den Worten "Du erwischst den falschen Mann am falschen Tag" schließt Beam plötzlich alle Türen, schmeißt die geforderte Brieftasche aus dem Fenster und beginnt, mit T. auf dem Beifahrersitz in einem selbstmörderischen Tempo durch die Straßen zu rasen, so dass sich der Kleingangster recht bald wünscht, er hätte sich einen anderen Wagen ausgesucht.

    Als die beiden nach stundenlanger Fahrt Arizona erreichen und T. sich schon vom vermeintlichen Serienmörder Nick zerstückelt und in der Wüste vergraben sieht, geht ihnen das Benzin aus und sie müssen an einer Raststätte halt machen. Nach weiteren Kabbeleien, in denen sich T. auch Nicks eigentliche Motivation offenbart ("doch nicht etwa wegen deiner Alten ?!") einigen sie sich schließlich darauf, dass T. Nick, der ja sein Geld im wahrsten Sinne des Wortes zum Fenster rausgeworfen hat, das Benzingeld leiht, wenn der ihn dafür zurück in die Stadt fährt.

    Zudem hat Nick – inspiriert durch T. – plötzlich den Einfall, wie er seinem verhassten Chef das Ausspannen seiner Frau heimzahlen kann. Da er als Mitarbeiter genauste Informationen über die Firma hat, plant er mit T.’s Hilfe "den Laden auszuräumen" und so seinen Boss in den Ruin zu stürzen.

    Ein guter Plan. Nur dummerweise überfällt T. aus Geldmangel die Tankstelle und bevor Nick noch irgend etwas dagegen unternehmen kann, befinden sich beide auf der Flucht vor der Polizei, die die zwei nun als „berüchtigte Highway-Killer“ durchs ganze Land jagt. Und die Original-Killer sind schließlich zu allem Überfluss auch nicht wirklich darüber erfreut, dass jemand "in ihrem Revier wildert"...

    Es beginnt eine irrwitzige, turbulente Odyssee, die die beiden zu Beginn noch so gegensätzlichen Charaktere immer mehr zusammenschweißt und nicht zuletzt auch dem vom Leben verwöhnten "Weißbrot" Nick Beam einen Einblick in das perspektivlose Dasein der schwarzen Unterschicht ermöglicht.
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      • | FILMKRITIK

      • Als ich in den Film mit dem trivialen "Nix" im Titel ging, dachte ich, mich würde eine der üblichen 0/8/15 – Komödien erwarten, die in der Traumfabrik bei Studios wie Bunea Vista ja bekanntlich fast schon am Fließband produziert werden und bei denen man sich aus unerfindlichen Gründen in der Übersetzung nicht einmal die Mühe macht, ihnen einen vernünftigen Titel zu geben ("Nix" statt "Nichts"....wirklich sehr originell).

        Mit der allseitsbekannten "Naja-wird-vielleicht-ja-ganz-nett-sein-Stimmung" ging ich also in diesen Film und wurde in meinen Erwartungen und Ansprüchen an ihn alles andere als enttäuscht. Im Gegenteil: Schon der Beginn und damit die Einführung des Protagonisten Nick Beam ist sehr originell. Man sieht zunächst nur ein bierernstes Gesicht, das jemanden mitleidig zu betrachten scheint. Dann beginnt er einer Person, die nicht im Bild ist – offensichtlich handelt es sich um seine Lebensgefährtin – zu gestehen, dass sie für ihn allen Reiz verloren hat, weil sie "fett" und unattraktiv geworden sei.

        Gerade als man sich fast sicher ist, den falschen Film erwischt zu haben und in einem Ehedrama gelandet zu sein, wird das Ganze aufgelöst, indem plötzlich eine bezaubernde und alles andere als übergewichtige junge Frau ins Bild kommt und zunächst noch verstört dreinschaut, nur um dann in mit der Bemerkung "Das kann ich auch" in frivoles Gelächter auszubrechen und ihrerseits das Spiel fortzusetzen.

        Gleich diese erste Szene ist ein Beispiel dafür, was "Nothing to Lose" anderen Filmen an Originalität voraus hat. Zugegeben: Die Story an sich klingt an den Haaren herbei gezogen und der Film wird klar von recht simplem Slapstick dominiert, aber gerade diese netten kleinen humoristischen Sahnestückchen, die zusätzlich ihre Spur durch die ganze Handlung hindurchziehen sind es, die "Nothing to Lose" zu einer mehr als originellen Komödie machen.

        Und wer "Brüllwitz" mag, kommt ohnehin vollends auf seine Kosten. Nicht unentscheidend hierfür ist sicher auch, dass Regisseur Steve Oedekerk mit Tim Robbins und vor allem mit Martin Lawrence zwei begnadete Schauspieler und Komiker für seinen Film gewinnen konnte. Das kontrastierte Spiel zwischen den beiden völlig gegensätzlichen Charakteren macht genauso viel Freude wie ihre rasanten Slapstickeinlagen.

        Überhaupt wird geschickt mit Gegensätzen gearbeitet. Das fängt mit der plötzlichen rasanten Veränderung in Nick Beams Leben an, geht über viele Situationen, wo der eine Protagonist quasi "Herr der Lage" ist, während der andere recht hilflos scheint, das Ganze aber in der nächsten Szene schon wieder völlig umgedreht wird, besonders durch ihre gegensätzliche Herkunft motiviert.

        Der unterschiedliche soziale Ursprung der beiden furchtbar sympathischen Filmhelden ist es denn auch, der dem Film an einigen Stellen den nötigen ernsten Touch gibt, um ihn von den üblichen Mainstream-Produktionen abzuheben. So muss der erfolgreiche weiße Geschäftsmann irgendwann feststellen, dass der kleine quirlige Straßenräuber alles andere als ein gewöhnlicher dummer Strolch ist.

        Als gelernter Ingenieur ist ihm T. sogar in vielerlei Hinsicht überlegen und nur aufgrund seiner Herkunft und seiner Hautfarbe wurden ihm alle Wege in ein besseres Leben verbaut. So wirkt hier die Message "gemeinsam sind wir stark" vielleicht ein wenig romantisch und weltfremd und ist sicher auch nicht der Schwerpunkt des Films, aber sie ist zumindest sehr löblich.

        Besonders gelungen ist übrigens auch der Soundtrack, der nicht nur für sich gut anzuhören ist, sondern vor allem dadurch überzeugt, dass er teilweise wirklich genial in den Film integriert ist. Tim Robbins unfreiwillige Tanzeinlage mit brennenden Schuhen zu "Scatman" gehört zu den stärksten Momenten im Film.

        Durch all diese Elemente schafft es "Nothing to Lose" immer wieder seine Spannung und seinen Witz beizubehalten und sich den Status einer der besten Komödien der letzten Jahre zu verdienen. Auch wenn sicher viele Kinobesucher und Kritiker diese Tatsache vielleicht gar nicht bemerkt haben mögen.
      • | FAZIT

      • Eine wirklich gelungene und originelle Komödie, der es gelingt, durchgängig spannend und witzig zu sein.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Johannes Kühl

      • | Userwertung

      Wertung: 5.0/10 (4 votes)

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