Dienstag | 29. Mai 2012 | 19:49 Uhr
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    • | KURZINHALT

    • Ludo ist Macho und Sensationsreporter. Wegen seiner rüden Methoden muss er Sozialstunden im Kindergarten ableisten – ausgerechnet bei Anna, die er schon in der Schule immer verarscht hat. Jetzt ist sie sein Chef – und beginnt seltsamerweise Gefühle für ihn zu hegen. Auch er findet sie, die gar nicht seinem Frauenideal entspricht, überraschenderweise nett; und der Macho und die Öko- und Selbstverwirklichungstante nähern sich aneinander an. Doch passen die beiden wirklich zueinander?
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    • | KURZKRITIK

    • Eine derartige Menge an Cameoauftritten von Stars hat es bisher selten gegeben (das letzte Mal vielleicht am Anfang von „Austin Powers 3“); und viele sind auch nur ganz kurz im Bild. Til Schweiger, Autor, Produzent, Regisseur und Hauptdarsteller, baut so ein großes Netzwerk selbstironischer Referenzen auf. Er entwickelt eine Menge Gags, um die Stars wie um die anderen Charaktere, und bewegt dahindurch seine romantische Liebesgeschichte, die éducation sentimentale eines rüden Machos und die Aufweichung einer enttäuschten, verhärteten Frau.
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    • Wertung: stern stern stern stern stern

      | FILMKRITIK

    • Einmal gibt Ludo in einem Gespräch über Beziehungsfragen und die Welt überhaupt etwas von sich, was durchaus auch Til Schweigers Philosophie sein könnte: Dass man sich nie zum Deppen machen lassen sollte, weil dann entweder dem anderen der Depp irgendwann langweilig wird, oder weil der Depp irgendwann merkt, dass er ein Depp ist und dann die Kacke am Dampfen ist. Darum geht’s den ganzen Film über: Dass irgendwer immer der Depp vom anderen ist, bis sich dann die zwei finden, die sich gegenseitig schon oft genug den Deppen vorgespielt haben.
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    • | VIDEOS ZUM FILM

    • Keinohrhasen: Trailer (3)
      Keinohrhasen: Trailer (1)

    • | SZENENBILDER

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    • | CAST & CREW

    Regie:   Til Schweiger
    Buch:   Til Schweiger als Writer  
      Anika Decker als Writer  
    Musik:   Dirk Reichardt
    Kamera:   Christof Wahl
    Produzent:   Mark Popp als Line Producer  
      Thomas Zickler als Producer  
      Til Schweiger als Producer  
    Darsteller:   Til Schweiger als Ludo Dekker  
      Nora Tschirner als Anna  
      Matthias Schweighöfer als Photograph Moritz  
      Rick Kavanian als Chefredakteur  
      Christian Tramitz als Arzt Typ  
      Elena Uhlig als Wellness Angestellte  
      Barbara Rudnik als Lilli  
      Daniel Krauss als Journalist  
      Yvonne Catterfeld als Celebrity-Braut  
      Wolfgang Stumph als fieser Taxifahrer  
      Wladimir Klitschko als Celebrity-Bräutigam  
      Nina Proll als Daniela Berg  
      Florentine Lahme als Sissi  
      Pasquale Aleardi als Anwalt  
      Sonsee Neu als Richterin  
      Zora Holt als Kellnerin  
      Armin Rohde als Bello  
      Gregor Bloeb als Michi Nussmbaumer  
      Anne-Sophie Briest als Mandy  
      Jürgen Vogel als Jürgen Vogel  
      Luna Schweiger als junge Anna  
      Emma Schweiger als Cheyenne-Blue  
      Lilli Schweiger als Mädchen mit der Mütze  
      Valentin Schweiger als junger Ludo  
    • | USERKOMMENTARE

    • bluefascination| Keinohrhasen
    • Romantikkomödien sind für alle Beteiligten das schwierigste Genre des Filmemachens. Die Grundkonstellation ist dabei immer dieselbe: zwei unterschiedliche Charaktere, die sich zunächst nicht ausstehen können, aber insgeheim ergänzen, verlieben sich im Laufe der Handlung unsterblich ineinander – was sich am Anfang eben (nur) neckt, wird sich am Ende lieben. Der Zuschauer weiß also von Beginn an, wie es ausgehen wird. Das Entscheidende ist also die Umsetzung des Themas. Die Figuren müssen realistisch sein, aber doch ein gewisses Potential an Amüsement enthalten. Die Geschichte selber sollte lebensnah sein, aber dann halt doch auch wieder witzig, wobei der Witz aus den Situationen entstehen sollte und nicht aufgesetzt wirken darf hinter der Absicht, beim Publikum einen Lacher zu erzielen. Die Dialoge zwischen den Hauptfiguren sollten ein feuerwerksartiger Schlagabtausch in bester Screwball-Manier sein – und ihre Inhalte sollten auch noch Tiefgang besitzen und die Problematik „Beziehungen“ jeweils zeitgemäß realistisch abbilden. Das Milieu, in dem die Geschichte spielt, sollte echt sein und die Nebenfiguren nicht nur Sidekicks, sondern wirkliche Charaktere. Die Handlung selber sollte natürlich ebenfalls lebensnah und ohne Schnörkel nachvollziehbar sein. Schließlich die Inszenierung - subtil, gefühlvoll, romantisch, spannend und nicht zuletzt komisch soll sie sein, Tempo an den richtigen Stellen besitzen und dem Zuschauer Zeit geben, Emotionen zu entwickeln.

      Dafür benötigt man nicht mehr und nicht weniger als ein herausragendes Drehbuch, einen sicheren und filmerfahrenen Regisseur, der akribisch genau inszeniert und an seiner Seite Schauspieler hat, die ihre Figuren bis ins kleinste Detail leben.

      Til Schweigers neuer Film „KeinOhrHasen“ hat all dies und ist – um es vorweg zu nehmen – ein Meisterstück des Genres!

      Dass die Leistung der Macher dabei nicht hoch genug einzuschätzen ist, zeigt sich, wenn man sich die Grundkonstellation der Geschichte einmal ansieht. Schweiger selber spielt den Klatschreporter Ludo, der mit seinem Fotografen Moritz (Matthias Schweighöfer) bei einer großen deutschen Tageszeitung für die Promis zuständig ist. Als die beiden heimlich den Heiratsantrag von Wladimir Klitschko an Yvonne Catterfiled knipsen wollen und zu diesem Zweck auf das Glasdach des Hotels klettern, in dem die Feier stattfindet, knallt Ludo durch das selbe und landet – nur mit einem Bademantel bekleidet – auf der Verlobungstorte der beiden. Von einer heimlich rachsüchtigen Richterin, die ehemals mit Ludos Verteidiger verheiratet war, bekommt er acht Monate auf Bewährung aufgebrummt und muss zudem 300 Stunden Sozialdienst in einem Kindergarten ableisten.
      Bereits diese Eingangsszenen enthalten unzählige Klamauk-Fallen, aber Schweiger und Schweighöfer wandeln geradezu traumwandlerisch über sie hinweg. Hier erinnern die beiden kurzzeitig an Helmut Dietls legendären Baby Schimmerlos und seinen Fotografen Herbie Fried aus der Mitte der 80er Jahre erfolgreichen TV-Serie „Kir Royal“, lassen die Vorbilder dann aber auch ganz schnell wieder hinter sich, denn auch die Reporter- und Promi-Szene hat sich seit den 80er verändert.

      Es sind diese kleinen Sorgfältigkeiten, die die Qualität von „KeinOhrHasen“ ausmachen. Natürlich sieht Nora Tschirner mit ihrer Strickjacke und der viel zu großen Hornbrille als Kindergärtnerin Anna zunächst wie ein Klischee-Bild aus, aber was ist ein Klischee? Doch zunächst ein auf den Punkt gebrachtes Abbild der Wirklichkeit. Bleibt es bei dieser Reduktion, wirkt die Figur dann jedoch unglaubwürdig und holzschnittartig, aber Tschirner erfüllt sie in jeder Szene mit Leben, so dass das Klischee einfach in Vergessenheit gerät und man nur noch den Menschen „Anna“ sieht und spürt. Das nennt man große Schauspielkunst.

      Jener schüchtern-verhuschten Anna wird der Frauenheld Ludo nun zugeteilt – und die erkennt ihn sofort wieder. Während er noch rätselt, wann er denn mit ihr im Bett gewesen sein könnte, macht sie ihm langsam klar, dass die beiden während ihrer Kindheit Nachbarn waren und Ludo dem bebrillten und zahnstangenbestückten Mädchen die übelsten Streiche gespielt hat.

      Eine Szene wie die aus dem Trailer bekannte, in der Anna Ludo verbietet, sein Handy zu benutzen – nicht mal, um eine SMS zu lesen – und dabei auf einen Holzbalken tritt, der ihr prompt ins Gesicht knallt, wirkt für sich genommen nur slapstickhaft. In der Handlung hat sich bei Anna jedoch bereits eine Menge Wut auf Ludo aufgestaut, der seinen Job im Kindergarten einfach nicht ernst nehmen will, so dass dieser Faux-Pas absolut glaubwürdig wird – ist doch jeder von uns in einer emotional angestauten Situation schon einmal in einen Fettnapf getreten, der dann nach hinten losgegangen ist. Voraussetzung ist allerdings, dass das auch so gespielt ist, dass man die Vergangenheit der Figur auf ihrem Gesicht und in ihren Gesten spüren kann – und das ist gerade das Schwierige an einer an sich so simplen Einstellung. Hier ist es genau diese menschliche Unbeholfenheit, die Tschirner in den Vordergrund steht – und eben nicht ein oberflächlicher „Ha Ha“-Effekt.


      Steht zu Beginn der Geschichte noch das Komödienhafte im Vordergrund, kommen im Laufe der Handlung nicht nur mehr romantische Elemente und eine größere emotionale Dichte zum Tragen, sondern auch Tiefgang. Die Dialoge besitzen jene Mischung aus Witz und Ernst, wie man sie in letzter Zeit im deutschen Film bisher nur von den Übergangsszenen zwischen Moritz Bleibtreu und Franka Potente in Tom Tykwers „Lola rennt“ kannte. Geschlechtersichtweisen werden auf den Punkt gebracht – und das eben nicht nur in den Dialogen zwischen den Hauptfiguren, hier sind es gerade die Nebenfiguren, die wichtig werden.

      Der Übergang ins Ernsthafte der Handlung nach der ersten Annäherung der beiden Hauptfiguren verlangt dramaturgisch eine Verlagerung des Humors in diverse Subplots und auch da wurde wieder alles richtig gemacht – so dass man mit den Protagonisten mitweinen kann, aber gleichzeitig auch wieder lachen – wenn sich das Vorzeige-Pärchen der Volksmusikszene, deren billige Show Ludo und Moritz zuvor entlarvt haben, etwa mit dem Chefredakteur der Zeitung auf die richtige Vorgehensweise einigen will, die Dinge wieder ins Lot zu bringen. Das ist nicht nur komisch bis zum Geht-nicht-mehr, sondern trifft es auch realiter auf den Punkt.

      Ach ja, dann gibt es freilich auch noch den titelgebenden Stoffhasen ohne Ohren, den Ludo im Kindergarten bastelt. Der sieht nicht nur niedlich aus, sondern tritt auch noch genau an den dramaturgisch richtigen Stellen auf und bleibt so in Erinnerung, weil er eben nicht überstrapaziert, sondern dosiert eingesetzt wird.

      Konsequente Subtilität, ein feinsinniges Timing, Lebensnähe und hintergründiger Humor – all das verleiht „KeinOhrHasen“ seine Wärme und macht ihn so zu den ganz großen Vertretern seines Genres! Ein wunderschöner Film mit großartigen Schauspielern, einem Spitzen-Drehbuch von Anika Decker und Til Schweiger selber und einer ausgeklügelten und klugen Inszenierung.

      Ein Highlight – und zwar nicht nur für das deutsche Kino!




    • 14.11.2007 Bewertung:
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    Wertung: 7.3/10 (16 votes)

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