FILM REVIEW | O Brother, Where Art Thou? - Eine Mississippi-Odyssee
O Brother, Where Art Thou? - Eine Mississippi-Odyssee
Abenteuer,
Komödie,
Krimi
| Frankreich / Großbritannien / USA 2000
| INHALTSANGABE
Die Sonne brennt herab auf die unendlich großen Weizenfelder Mississippis. Die Steinhacken schwingen im Tempo, das der Mann mit dem Gewehr vorgibt. Richtig, wir befinden uns unter Gefängnisinsassen, die zur Zwangsarbeit verurteilt wurden und der bewaffnete Typ mit der schicken Uniform ist Polizist.
Nein, das Leben mit der Hacke und in der gestreiften Kleidung ist nicht schön - denkt sich auch der schlitzohrige Everett Ulysses McGill (George Clooney). Und so beschließt er, mit seinen etwas tölpeligen Kumpels Pete (John Turturro) und Delmar (Tim Blake Nelson) abzuhauen. Eigentlicher Grund der eiligen Flucht ist die Tatsache, dass in drei Tagen der Mississippi aufgespült wird, so dass der Platz, an dem er die 1,2 Millionen Dollar aus seinem Überfall auf einen Geldtransporter versteckt hat, bald nicht mehr erreichbar sein wird.
Es sind die frühen 30er Jahre, vom ersten Weltkrieg ist nicht mehr viel zu merken und den zweiten ahnt noch gar keiner. Doch die Wirtschaftskrise hat das Land schwer getroffen und so herrscht Armut. Quer durch den Staat geht die Odyssee die Everett, Pete und Delmar nun hinter sich legen müssen und ein schwarzer Hellseher prophezeit ihnen bereits zu Beginn, dass ihr Ziel nicht das sein wird, worauf sie jetzt hoffen.
Ihre Reise führt sie in allerlei ungewöhnliche Situationen, so finden sie in dem durchgeknallten Bankräuber "Babyface" Nelson (Michael Badalucco) einen Freund fürs Leben, werden von dem Bibel verkaufenden Zyklopen Big Dan (John Goodman) ausgeraubt, machen die Bekanntschaft mit drei wunderschönen, aber auch gefährlichen Wäscherinnen, die sie mit ihrem Gesang betören, schlagen dem Ku-Klux-Klan ein Schnäpchen und nehmen zwischendurch noch mit dem schwarzen Tommy (Chris Thomas King), der seine Seele gegen ein perfektes Gitarrenspiel an den Teufel verschachert hat, einen Song auf, der im ganzen Land zum Hit wird.
Und die ganze Zeit über ist ihnen der diabolische Sheriff Cooley (Daniel von Bargen) dicht auf den Fersen. Kurz vor dem Ziel muss Everett Farbe bekennen. Sein wirkliches Ziel ist nicht etwa das Geld, sondern seine Ehefrau Penny (Holly Hunter) und seine sechs Kinder. Als Everett in den Bau ging, ließ sich Penny scheiden und will nun den schleimigen Vernon (Ray McKinnon) heiraten.
Der arbeitet als Wahlkampfberater für den rassistischen Politiker Homer Stokes (Wayne Duvall). Der lieferts sich gerade ein Duell mit dem amtierenden Governour Pappy O'Daniel (Charles Durning). In diesen Kampf werden die drei Flüchtlinge mit hineingezogen...
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| FILMKRITIK
Die "Odyssee" gilt bis heute als eines der größten Fabelwerke der Antike. Teile der Reisen des Odysseus, des Königs von Ithaka, dürfte jeder kennen und wenn auch nur als die Abenteuer des Kirk Douglas. Joel und Ethan Coen, die filmschaffenden Brüder, die bereits mit Werken wie "Fargo", "Hudsucker" oder "Barton Fink" Meilensteine des grotesk-surrealistischen Kinos ablieferten, haben sich nun der Sage angenommen und die Story um den berühmten Seefahrer in ein neuzeitliches Gewand gehüllt, um gleichzeitig eine ätzende Satire auf das ach so jungfräuliche Amerika der 30er Jahre zu entwickeln. Und das gelingt ihnen in ihrem Film "O Brother, Where Art Thou" auf eine grandiose Art.
Wie bei Odysseus ist die Reise der drei Zuchthausflüchtlinge in verschiedene Etappen und Abenteuer unterteilt und in jeder findet man Aspekte aus der "Odyssee" wieder. Besonders gut gelungen ist die Darstellung des bösen Zyklopen, der im Orginal einige von Odysseus Männern zum Fressen gern hat und der schließlich sein eines Auge durch die Speerspitze des Helden einbüßen muss.
Hier ist der Zyklop ein großer Gauner. John Goodman spielt den angeblichen Bibelverkäufer, der anfangs Everett besiegt und ausraubt, auch hier erleiden die Helden erst einen Rückschlag. Die Rache folgt später, hier wird jedoch mit den Storyelementen gespielt.
Parodistisch wird es in der Geschichte mit den Sirenen, die Odysseus mit ihrem Gesang in den Bann schlagen, dem sich dieser nicht wieder entziehen kann. Hier tauchen drei wunderschöne Wäscherinen als singende Unholde auf und treiben in den Helden die Hormone hoch. Was im ersten Moment wie eine nette, aber recht zusammenhanglose Hommage an Homer wirkt, wird jedoch durch die Erklärung, dass die drei Mädels auf die Belohnung, die auf die Köpfe der drei Helden ausgestzt ist, scharf sind, eher zu einer sarkastischen Note, was diese Episode wieder in die Story eingliedert.
Die Gags sind absolut grotesk, oftmals schwarzhumoriger Natur und immer äußerst einfallsreich. Und der Film verlässt sich auf sein grandioses Darstellertrio, bei dem noch am schlechtesten der Stammdarsteller der Coens, John Turturro, weg kommt. Denn dieser hat leider keine Momente die wirklich in Erinnerung bleiben, so dürfen sich um den Thron "Bester Darsteller im neuen Film der Coen-Brüder" Tim Blake Nelson und George Clooney streiten.
Nelson liefert mit herrlich doofem Blick, aber mit einer äußerst intensiven Darstellung eine klasse Leistung ab, Clooney hingegen beherrscht seine Szenen mit viel Charme und Esprit und ist sich auch nicht zu schade dafür, seine Figur, besonders wenn er sich haufenweise Pommade ins Haar knetet, selber etwas in den Dreck zu ziehen. Sein "Odysseus" hat schließlich Format… .
Wo im Original Odysseus am Ende nach Hause kommt und sich erstmal seiner Widersacher um die Gunst der schönen Penelope entledigen muss, trifft Everett hier auf eine sehr kratzbürstige Penny, die ihren Kindern erzählt hat, dass ihr Vater vom Zug überfahren wurde. So leicht wie es Odysseus hatte, hat Everett es noch lange nicht. Und wieder tritt das Spiel mit den Farbelementen in Kraft. Wo Odysseus sich gegen die Feinde in der eigenen Stadt wehren muss, tritt Everett gegen den Ku-Klux-Klan an.
Die Coen-Brüder haben mit "O Brother, Where Art Thou?" wieder einen Meilenstein in ihrem Universum geschaffen, der zwar nicht an ihr größtes Meisterwerk, die böse Hollywood-Satire mit Horroreinschlag "Barton Fink", heranreicht, aber der durch seinen üblichen Hang zu grandios-grotesken Übersteigerungen überzeugen kann.
Die wenigen Schwächen in der Story werden durch das überdrehte Spiel der Darsteller aufgefangen, so dass sich dem Zuschauer, der auch gerne mitdenkt, ein fantastisches Spektakel bietet, das nicht aus der Hollywood-Retorte, sondern noch aus menschlichen Gehirnzellen stammt und das zu Recht für die Goldene Palme in Cannes nominiert wurde.
| FAZIT
Ein Meilenstein im Coen-Universum. Grandios-Grotesk und klassisch gut.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
Gesamtwertung:
Autor: Sebastian Schmidt
| FILMPLAKAT
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