Dienstag | 29. Mai 2012 | 14:11 Uhr
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  • FILM REVIEW | O Brother, Where Art Thou? - Eine Mississippi-Odyssee
  • O Brother, Where Art Thou? - Eine Mississippi-Odyssee

    Abenteuer, Komödie, Krimi | Frankreich / Großbritannien / USA 2000
  • | INHALTSANGABE

  • Die Sonne brennt herab auf die unendlich großen Weizenfelder Mississippis. Die Steinhacken schwingen im Tempo, das der Mann mit dem Gewehr vorgibt. Richtig, wir befinden uns unter Gefängnisinsassen, die zur Zwangsarbeit verurteilt wurden und der bewaffnete Typ mit der schicken Uniform ist Polizist.

    Nein, das Leben mit der Hacke und in der gestreiften Kleidung ist nicht schön - denkt sich auch der schlitzohrige Everett Ulysses McGill (George Clooney). Und so beschließt er, mit seinen etwas tölpeligen Kumpels Pete (John Turturro) und Delmar (Tim Blake Nelson) abzuhauen. Eigentlicher Grund der eiligen Flucht ist die Tatsache, dass in drei Tagen der Mississippi aufgespült wird, so dass der Platz, an dem er die 1,2 Millionen Dollar aus seinem Überfall auf einen Geldtransporter versteckt hat, bald nicht mehr erreichbar sein wird.

    Es sind die frühen 30er Jahre, vom ersten Weltkrieg ist nicht mehr viel zu merken und den zweiten ahnt noch gar keiner. Doch die Wirtschaftskrise hat das Land schwer getroffen und so herrscht Armut. Quer durch den Staat geht die Odyssee die Everett, Pete und Delmar nun hinter sich legen müssen und ein schwarzer Hellseher prophezeit ihnen bereits zu Beginn, dass ihr Ziel nicht das sein wird, worauf sie jetzt hoffen.

    Ihre Reise führt sie in allerlei ungewöhnliche Situationen, so finden sie in dem durchgeknallten Bankräuber "Babyface" Nelson (Michael Badalucco) einen Freund fürs Leben, werden von dem Bibel verkaufenden Zyklopen Big Dan (John Goodman) ausgeraubt, machen die Bekanntschaft mit drei wunderschönen, aber auch gefährlichen Wäscherinnen, die sie mit ihrem Gesang betören, schlagen dem Ku-Klux-Klan ein Schnäpchen und nehmen zwischendurch noch mit dem schwarzen Tommy (Chris Thomas King), der seine Seele gegen ein perfektes Gitarrenspiel an den Teufel verschachert hat, einen Song auf, der im ganzen Land zum Hit wird.

    Und die ganze Zeit über ist ihnen der diabolische Sheriff Cooley (Daniel von Bargen) dicht auf den Fersen. Kurz vor dem Ziel muss Everett Farbe bekennen. Sein wirkliches Ziel ist nicht etwa das Geld, sondern seine Ehefrau Penny (Holly Hunter) und seine sechs Kinder. Als Everett in den Bau ging, ließ sich Penny scheiden und will nun den schleimigen Vernon (Ray McKinnon) heiraten.

    Der arbeitet als Wahlkampfberater für den rassistischen Politiker Homer Stokes (Wayne Duvall). Der lieferts sich gerade ein Duell mit dem amtierenden Governour Pappy O'Daniel (Charles Durning). In diesen Kampf werden die drei Flüchtlinge mit hineingezogen...
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      • | FILMKRITIK

      • Die Coen-Brothers haben wieder zugeschlagen. Und dieses Mal widmen sie sich einem Stoff, der schon vor langer Zeit zu Papier gebracht wurde: Der "Odysee" von Homer. Eine originalgetreue Umsetzung darf man freilich nicht erwarten. Vielmehr zeigen die Brüder, wie sie wohl damals die Geschichte geschrieben hätten - und die ist genauso skurril wie das Original.

        Die Coen-Brothers: Etwas skeptisch ging ich dann doch ins Kino, habe ich ihren Film "Fargo" noch recht gut in Erinnerung. Aber die Pressestimmen waren o.k., ich hörte von begeisterten Freunden wie toll der Film doch sei und auch ich war gewillt, über meinen Schatten zu springen und dem Film eine faire Chance zu geben. Diese bekam er dann auch. Zu Begeisterungsstürmen bin ich zwar nicht hingerissen worden, aber der Film ist durchaus unterhaltsam.

        Die Handlung ist in den dreißiger Jahren angesiedelt, worauf schon das kesse Oberlippenbärtchen von George Clooney hinweist. Auch seine Sucht nach Pommade passt sehr gut in diese Zeit. Und um den Film noch mehr Authentizität zu verleihen, kam man auf die glorreiche Idee, das Bild ein wenig zu "vergilben". Das sieht nicht nur sehr gut aus, sondern lässt tatsächlich ein Feeling für diese Zeit aufkommen.

        Der Film ist in Episoden unterteilt, was zur Folge hat, dass er qualitativ zeitweise doch sehr stark schwankt. Missglücken einige Szenen völlig, sind andere wieder herrlich skurril und originell. Wenn Delmar glaubt, dass sein Freund in einen Frosch verwandelt wurde, oder die Kinder von Ulysses ihm erklären, dass er keine gute Partie ist, wenn die drei ihre Lieder zum Besten geben, oder der Fluchtversuch mit der Eisenbahn misslingt - da kann man herzhaft lachen. Auch wenn die Szenen sehr nach Slapstick klingen, so beschränkt sich diese Art von Humor nur auf ein Minimum. Es ist der feinsinnige Humor, der dann vielleicht nicht zu Lachstürmen hinreißt, aber doch zum Schmunzeln anregt.

        Einer der größten Pluspunkte des Films ist zweifelsohne der fabelhafte Soundtrack. Schwungvolle Countryrhythmen und feinfühlige Gospelsongs laden zum mitwippen ein und auch die (nicht selbstgesungenen) Auftritte der drei Helden wissen zu gefallen und erinnern phasenweise an Bands wie ZZ Top oder Rednex.

        Die Schauspieler Clooney, Turturro und Nelson sind die Idealbesetzung für die Verkörperung des trotteligen Trios. Ihr könnt mir glauben: Mit so einem bescheuerten Gesichtsausdruck wie hier, habt ihr Clooney noch nicht gesehen. Den Contest für den blödesten Gesichtsausdruck gewinnt allerdings Nelson mit klarem Vorsprung.Ich kann mir schon vorstellen, dass das für einen Schauspieler eine große Herausforderung ist, so einen Charakter zu spielen. Eher weniger gelungen ist der Kurzauftritt von John Goodman, doch man wird rasch mit drei holden Mädel vertröstet, die den Helden ein schönes Lied zum Besten geben.
      • | FAZIT

      • "O Brother, Where art thou?" ist 106 Minuten Kinovergnügen - allerdings doch mit einigen Längen.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Claus Schlamadinger

      • | Userwertung

      Wertung: 7.6/10 (15 votes)

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