Er ist durch die Hölle gegangen und das ist nun der Dank dafür. Nach außen hin geben sie ihm einen Orden aber unter den eigenen Leuten gilt er als Nestbeschmutzer, als Feigling, als Ehrloser. Captain John Boyd (Guy Pearce) hat das Grauen gesehen, so dass ihm beim Anblick von tierischen Nahrungsmitteln schon der Brechreiz kommt.
Es ist 1847 und der Krieg zwischen Amerika und Mexiko tobt. In einer grausamen Schlacht wurde Boyd von seinen Ängsten übermannt, so dass er sich tot stellte und zu den anderen, teilweise grausig zugerichteten Leichen geworfen wurde. Doch dies brachte ihn auf die gegnerische Seite und in einem Anfall von Mut und Verzweiflung wuchs Boyd über sich hinaus und eroberte den Stützpunkt im Alleingang.
Den Tapferkeitsorden bekommt er dafür, doch seine Vorgesetzen sehen es als puren Verrat an der Armee, dass Boyd nicht wie seine Kameraden den Tod auf dem Kriegsfeld gestorben ist. Um ihn loszuwerden, versetzen sie ihn nach Fort Spencer, einer trostlosen und einsamen Militärbasis in der Sierra Nevada. Hierhin verirrt sich normalerweise niemand, so sind die Bewohner von Fort Spencer entsprechend frustriert, gelangweilt und teilweise verroht.
Geleitet wird das Fort von dem milden Offizer Hart (Jeffrey Jones), desweiteren sind da noch der leicht verblödete Cleaves (David Arquette), der störrische Arzt Knox (Stephen Spinella), Reich (Neal McDonough), der dem Militär und seinen Traditionen treu ergeben ist und deswegen Boyd auch verachtet, sowie der zurückhaltende Toffler (Jeremy Davis) und ein indianisches Geschwisterpaar, das die Soldaten versorgt.
Als Boyd gerade beginnt, sich in seine karge Situation zu fügen, taucht in der Nacht ein halb erfrorener Mann vor dem Fort auf. Nachdem Knox ihm das Leben gerettet hat, erzählt er freimütig seine grausige Geschichte. Er stellt sich als Colquhoun (Robert Carlyle) vor, der Mitglied eines Siedlertrecks war, der von dem grausamen Colonel Ives angeführt wurde.
Als die Gruppe in einen Schneesturm geriet, versteckten sich die Menschen in einer Höhle. Als nach Wochen die Nahrungsmittel zu Ende gingen, tötete Ives einen der Männer und begann, sein Fleisch zu verzehren. Aus Hunger wurden auch die anderen schließlich zu Kannibalen. Ives wütete unter den Menschen grausam, sein Hunger schien unstillbar.
Als nur noch drei Menschen am Leben waren, trat Colquhoun, angewiedert und angsterfüllt vor Ives, die Flucht durch den Wald an, und landete schließlich im Fort. In seiner Abenteuerlust befehligt Hart sofort den Start einer Rettungsmission um die letzten Überlebenden des Trecks vor Ives zu retten. Hart, Boyd, Toffler, Reich, der Indianer und Colquhoun brechen auf.
Der nur schwer begehbare Weg führt sie quer durch das Unwetter, bis sie schließlich die Höhle erreichen. Boyd und Reich steigen hinab. In der Höhle bietet sich ihnen ein Bild des Grauens. Überall hängen fein säuberlich hergerichtet die Skelette der Toten an den Wänden, auch die Uniform von Colonel Ives findet sich hier. Boyd kommt eine böse Vorahnung.
Als er und Reich die Höhle verlassen, liegt Hart erstochen, Toffler erschlagen und der Indianer erschossen vor ihnen. Reich macht sich sofort auf die Jagd nach dem wahnsinnigen Colquhoun, während Boyd sich lieber schnell aus dem Staub machen will, denn sein Instinkt sagt ihm, dass sie so keine Chance haben. Vor dem Abgrund einer kleinen Schlucht kommt es zum Kampf zwischen den drei Männern.
Am Ende finden sich Reich und Boyd in einem von Baumästen geschützten Loch am Boden der Schlucht wieder, Reich tot, Boyd schwer verletzt. Er beginnt, sich still zu verhalten, die Angst lässt ihn seine Schmerzen vergessen. Die Tage vergehen, Boyd bleibt in der Schlucht, doch der Hunger treibt ihn schließlich in eine ausweglose Lage und so bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich an Reichs Leiche zu vergreifen.
Als er es endlich wagt, sein Versteck zu verlassen, sind seine Wunden schon fast verheilt. Er schleppt sich zurück ins Fort, wo ihm allerdings niemand seine Geschichte abnimmt. Der zur Hilfe gerufene Colonel Slausen (John Spencer) befehligt eine Untersuchung der fehlgeschlagenen Rettungsmission, vorübergehend wird ein neuer Leiter des Forts eingesetzt. Als Boyd hört, dass dies Colonel Ives sein soll, ahnt er bereits Schlimmes.
Und tatsächlich taucht bald Colquhoun in Ives Uniform auf. Natürlich wird Boyd, als er mit einem Messer auf Ives losgeht, gefangen genommen. Zwischen ihm und dem Kannibalen Ives beginnt ein grausames Psychospiel, das in einem Blutbad gipfelt...
WERBUNG
| FILMKRITIK
"Ravenous" ist ein Film den man entweder liebt oder hasst, dazwischen gibt es eigentlich nichts. Die renommierte Regisseurin Antonia Bird, die durch ihre Filme "Der Priester" und "Mad Love" bekannt geworden ist, wirft den Zuschauer in eine bizarre Mischung aus Horrorfilm, Psychothriller und schwarzhumoriger Groteske, wobei sie das Tabuthema Kannibalismus mit einer unglaublichen Roheit anpackt.
Nicht dass sie mit vollem Zoom draufhalten würde, wenn Boyd sich an dem toten Reich vergreift, ganz im Gegenteil wendet sich die Kamera völlig ab. Jedoch gelingt es ihr, die Stimmung so bedrohlich wie sarkastisch einzufangen, so dass man als Zuschauer keine andere Möglichkeit hat, als die eigene Phantasie zu benutzen.
Noch schlimmer ist das beim brillianten Robert Carlyle, der hier mit einer süffisanten Ironie seine vermeintliche Übermenschlichkeit präsentiert: kalt grinsend schaut er seine zukünftigen Opfer an und man glaubt in seinen Augen schon sehen zu können, wie er sich vorstellt, dass er sie über dem Feuer röstet und ihnen am Ende einen Apfel in den Mund steckt.
Eine grausig-unterhaltsame Vision einer entzivilisierten Menschheit, gespickt mit fiesestem Sarkasmus, der allein schon durch Michael Nymans ungewöhnlichen Score entsteht, einer seltsamen Mischung aus Folk, Karussellmucke und Düsternis, die besonders in Szenen, in denen Carlyle das Messer schwingt unglaublich grotesk wirkt. Ohne Frage Ausnahmekino. Aber wer's mag, der wird sich bestens amüsieren. Und ich mag den Film sehr.
| FAZIT
Eine bizarre Mischung aus Horrorfilm, Psychothriller und schwarzhumoriger Groteske. Ausnahmekino das man nur lieben oder hassen kann.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
Gesamtwertung:
Autor: Sebastian Schmidt
| FILMPLAKAT
Derzeit ist kein Plakat für diesen Film vorhanden.