Thriller,
Action,
Krimi
| Großbritannien / USA 1998
| INHALTSANGABE
Die klassischen Thriller der 70er waren eigentlich hoch kompliziert und sehr verschachtelt. Und natürlich actiongeladen, wenn auch mit einer Art von Action, die heutzutage eher altmodisch wirkt. Stilvoll, aber altmodisch. "Ronin", ein Action-Thriller von John Frankenheimer, der seine Sternstunden in den 60er und 70er Jahren mit eben diesen klassischen Filmen hatte, versucht diese Zeit wiederzubeleben, jedoch nicht immer mit Erfolg.
Im Mittelpunkt steht der ehemalige CIA-Agent Sam (Robert DeNiro), der sich seit seinem Ausscheiden aus dem Geheimdienst als Söldner verdient. Sein neuer Auftrag: zusammen mit fünf anderen Männern, jeder ein Spezialist auf seinem Gebiet, soll er einen Koffer aus den Händen der Mafia stehlen. Seine Auftraggeber: unbekannt.
Seine einzige Verbindung hat er in der Irin Deidre (Natasha McElhone), die ihn mit seinen neuen Partnern zusammenführt und von der er die wichtigen Informationen erhält. Zum einen ist da Gregor (Stellen Skarsgard, nach "Breaking the Waves" und "Good Will Hunting" anscheinend wirklich "In"), ein deutscher Computerfreak und ehemaliger KGB-Agent.
Dann Spence (Sean Bean), ein hitzköpfiger Waffendealer, der sein blutiges Handwerk beim Militär gelernt hat, Larry (Skipp Sudduth), ein verdammt guter Autofahrer und Vincent (Jean Reno), sehr mysteriös und undurchsichtig. Zusammen hecken sie einen Plan aus, der schon in der Grundphase schiefgeht.
Beim Waffendeal richten die Männer ein Blutbad an. Sam ist Profi, er weiß, dass das nicht hätte passieren dürfen. So klopft Sam seine Partner auf ihre Schwächen ab – und sorgt dafür, dass Spence aus dem Team fliegt. Dann beginnt die Jagd auf den geheimnisvollen Koffer, von dem niemand weiß, was nun eigentlich drin ist.
Doch Sam muss bald erkennen, dass er eigentlich nur verarscht wird und von Verrätern umgeben ist. Nur zwischen ihm und dem Franzosen Vincent entsteht eine Freundschaft, die auf Vertrauen und Ehre basiert und nur als Team gelingt es ihnen, immer wieder zu überleben.
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| FILMKRITIK
Der Begriff "Ronin" stammt aus der japanischen Mythologie und beschreibt einen unehrenhaft gewordenen Samurai, der den Tod seines Herrn nicht verhindern konnte und deshalb bis zum Ende seines Lebens ziellos umherstreift. Dieser "Ronin" soll Robert DeNiro sein, man wartet nur den ganzen Film darauf, dass man erfährt, warum. Man erfährt es aber nicht.
Und das sind die Probleme des inszenatorisch und technisch bemerkenswerten Thrillers. So ist auch das Geheimnis des Koffers, auf den sich der Film stützt, nichts anderes als ein typischer MacGuffin, ein völlig unwichtiger und austauschbarer Gegenstand, der die gesamte Filmhandlung vorantreibt. Auch Lücken und Längen im Skript können von den äußerst positiven Punkten nicht überdeckt werden.
Der Film beinhaltet drei perfekt inszenierte Verfolgungsjagden, die sowohl mit ihrer Rasanz als auch mit der Anhäufung an Blechschäden wohl alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen dürften. Dies stört den Film jedoch schon wieder, denn gerade weil soviel kaputt geht und die Schnelligkeit aufs Maximum getrieben wird, wirken diese Szenen völlig übertrieben und die Ruhigen zu langsam.
Im Endeffekt wird der recht spannende und atmosphärische Film nur von den Darstellungen Robert DeNiros und Jean Renos zusammengehalten, wobei jedoch auch gesagt werden muss, dass Reno neben DeNiro deutlich blass wirkt. DeNiro selbst hingegen spielt wie gewohnt: lässig, glaubwürdig, orginel, brilliant.
Sein Charakter Sam ist bereits vom Drehbuch her nicht sehr vielschichtig. Dieses Problem löst DeNiro, indem er ihn als sehr wortkarg und in sich gekehrt präsentiert. Ohne ihn würde der Film wohl zusammenbrechen. Oberflächlich gesehen ist der Film brilliant, aber wenn man mal näher drüber nachdenkt, offenbart sich doch die Minimalistik der Story, die nur künstlich zu einem riesen Action-Thriller-Polit-Drama Mischmasch aufgeblasen wird, in der unheimlich viele Möglichkeiten, die von der Ausgangssituation gegeben sind, nicht ausgenutzt werden. In einer kleine Nebenrolle gibt übrigens Eisprinzessin Katharina Witt ihr Schauspieldebüt – und wird sehr schnell auf drastische Weise aus der Handlung wieder entfernt.
| FAZIT
Ein künstlich aufgeblasenes Genre-Mischmasch, dessen Möglichkeiten bei Weitem nicht genutzt werden.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung