Selten war ein Film so total reine Ansichtssache wie der hier. Man kann verständlicherweise der Ansicht sein, dass Poppy (Sally Hawkins) beneidenswert in ihrem grenzenlosen Optimismus ist, andere meinen sie sei bemitleidenswert in ihrer Naivität. Wie dem auch sei, es ist kein toller Film. Mike Leigh hat sich an eine Art Komödie gewagt, die bisher erst einmal sein Metier war. Poppy kann einem ganz schön auf den Senkel gehen mit ihrer affigen Albernheit. Sie zelebriert das Chaos um sich herum, weil sie doch wohl etwas schlicht ist. Und so plätschert ihr Geplapper ohne Witz und Charme so vor uns hin. Eine Dreißigjährige benimmt sich eigentlich nicht so infantil. Es wird zunehmend langatmiger und bleibt eindimensional, denn die Handlung dreht sich im Kreise (Fahrstunde, Flamencokurs Pennergespräch). Gäbe es keinen One-Night-Stand mit einem Sozialarbeiter, wäre die Männerwelt völlig außen vor geblieben. Und selbst dabei benimmt sich Poppy etwas doof und keineswegs sexy. Und dann bricht als dramatischer Höhepunkt völlig unvorbereitet eine sinnfreie aber handgreifliche Auseinandersetzung mit ihrem Fahrlehrer aus. Kurz und heftig - ergebnisoffen! Die Message: ’Poppy will die ganze Welt glücklich machen!’ So einfach ist das. Na wer’s glaubt!?
Dieser Film wird ja oft als "Feel-Good-Movie" bezeichnet, was meinem Eindruck nach nicht so ganz stimmt. Der Zuschauer wird von der ersten Sekunde an mitten in die Welt der Hauptfigur "Poppy" hineingeworfen und erlebt diverse, über einige Wochen verteilte, Situationen mit ihr - teilweise unzusammenhängend, teilweise einige kleine Erzählfäden bildend. Poppy ist immer lustig und gut drauf - und dies auf eine beinahe schon penetrante Art und Weise. Sie hat ein offenes Herz und will allen Menschen nur Gutes tun - bleibt dabei jedoch eher oberflächlich und spaßorientiert. Ihren Gegenpol bildet ihr Fahrlehrer Scott, ein frustrierter Griesgram voller Wut auf die Welt. Zwei Welten prallen hier aufeinander, was sie umso mehr dazu anstachelt, ihn spaßeshalber nach und nach um den Finger zu wickeln - was ihn letztendlich aber schwer in die Verzweiflung treibt. Einem Obdachlosen gegenüber, der keinen verständlichen Satz mehr herausbringt, gibt sie vor, ihn zu verstehen - nur um ihm gleich darauf wieder in die Verlorenheit der Nacht verschwinden zu lassen und beim Versuch, einem auffällig aggressiven Kind zu helfen, welches zu hause Prügel bezieht, lernt sie ganz nebenbei natürlich ihren Traumtypen kennen - und die Probleme des Kindes werden danach nur noch mit dem lapidaren Satz kommentiert: "Das wird schon wieder..."
"Du kannst nicht alle Menschen glücklich machen", sagt ihre Freundin gegen Schluß des Films, und da hat sie leider vollkommen Recht... und es scheint so, als hätte auch Poppy begriffen, daß die Welt nicht nur aus Friede-Freude-Eierkuchen besteht und sie durch diese Selbsterkenntnis doch ein kleines Stückchen mehr erwachsen geworden ist.
Mike Leigh ist hier trotzdem ein recht guter Film gelungen, der zu sehr großen Teilen von seiner wunderbaren Hauptdarstellerin Sally Hawkins getragen wird. Und wenn man ein wenig zwischen den Zeilen liest, wird schnell klar, daß der Regisseur diverser düsterer Sozialdramen nicht zufällig dafür sorgt, daß am Ende des Films beim Zuschauer doch ein wenig das Gefühl im Hinterkopf verbleibt, daß die doch recht naive und sehr oberflächliche Feel-Good-Philosophie der Hauptfigur nicht immer der harten und komplexen Wirklichkeit gewachsen ist...