Bislang kannte ich nur wenige und kurze Ausschnitte aus dem Mitschnitt dieser Veranstaltung - das waren natürlich ausschließlich die, in denen Kinski lautstark ausrastet, was ja immer wieder gern zur allgemeinen Belustigung verwendet wird.
Nun einmal die nahezu komplette Länge dieser Dokumentation zu sehen, wirft doch ein völlig anderes Bild auf die Geschehnisse des 20. November 1971: da steht ein Künstler auf der Bühne, der schlichtweg einen Vortrag halten möchte und unzählige Male durch penetrante Zwischenrufe und Gepöbel unterbrochen wird. Als dann auch noch mehrere Zuschauer die Bühne erstürmen, um unverschämter- und ungerechtfertigterweise selbst das Wort zu ergreifen, reagiert Kinski eben auf seine exzentrisch-radikale Art und weist die Provokateure auf eine zwar sehr aggressive, aber inhaltlich absolut richtige Weise zurecht - was diese dann nur umso mehr anstachelt.
Die ganze Veranstaltung exkaliert mehrfach und muß schließlich abgebrochen werden, doch nach dem Abspann ist ebenfalls noch dokumentiert, daß Kinski seinen Text spät in der Nacht dann doch noch vor wenigen hundert Zuhörern halbwegs störungsfrei sprechen konnte.
"Es muß unheimlich schwer sein, anderthalb Stunden lang ruhig zu sein.", sagt er an einer Stelle treffend - eine Selbstverständlichkeit eigentlich, die ihm damals von Teilen des Publikums nicht zugestanden wurde.
Insgesamt ist der Film eine sehr lebendige und höchstinteressante Dokumentation über den Künstler und Exzentriker Klaus Kinksi, sowie gleichermaßen auch ein Spiegelbild der Gesellschaftskultur im Deutschland der frühen 70er Jahre.
4,5 Sterne für Kinski, 0 Sterne für das "scheiß Gesindel". ;-)