Drama,
Western,
Fantasy
| Frankreich / Mexiko / USA 2004
| INHALTSANGABE
Charlier Girauds Comicserie "Blueberry" ist in Deutschland weniger bekannt als in Frankreich. Mit "Blueberry und der Fluch der Dämonen" verfilmt Jan Kounen zunächst den Beginn der Abenteuer des Westernhelden Blueberry.
Der junge Mike Blueberry (Hugh O'Conor) wird als Helfer für die Farm seines Onkels in die Siedlung Palomito entsendet. Dort verliert er bei der Prostituierten Lola (Nichole Hiltz) seine Unschuld. Als er diese vor einem Freier beschützen will, kommt es zu einem Schusswechsel und Feuer bricht aus, nur Blueberry kann sich retten. Nach seiner Flucht aus der Stadt wird der erschöpfte Blueberry von Indianern aufgenommen.
Jahre später: Blueberry (Vincent Cassel) ist Marschall von Palomito. Er versucht zwischen der in der Stadt lebenden Bevölkerung und den in den Wäldern lebenden Indianern den Frieden zu erhalten. Leicht fällt ihm das nicht, besonders als der preußische Abenteurer Prosit (Eddie Izzard) sich zusammen mit dem Herumtreiber Blount (Michael Madsen) auf Schatzsuche in die den Indianern heiligen Berge begibt. Trotzdem scheint Blueberry die Situation unter Kontrolle zu haben - bis er in Blount den Mörder von Lola erkennt. Blueberrys Racheversuch schlägt fehl, Blount und Prosit stecken die Stadt in Brand und können entkommen. Mit Hilfe eines schamanischen Rituals seines Indianerfreundes Runi (Temuera Morrison) begibt sich Blueberry zusammen mit seinem Freund Jimmy (Colm Meaney) und seiner Geliebten Maria (Juliette Lewis) in die Berge, um die beiden Schurken zu stellen. In einer Berghöhle treffen er und Blount schließlich zusammen und Blueberry muss sich seinen Dämonen stellen.
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| FILMKRITIK
Blueberry - ein Comic. Mit einer schnellen Bilderfolge in einem dynamisch-fließenden Übergang droht Kounen den Zuschauer mit den atemberaubenden Landschaftspanoramen Mexikos im Cinemascopeformat zu erschlagen. Kurze Einstellungen folgen wie Comicbilder aufeinander, die Kamera ist stets in Bewegung. Auch in ruhigen Szenen fährt sie aus der Frosch- in die Vogelperspektive, umkreist nervös die Akteure und ein Schnitt jagt den nächsten. Blueberry zeigt sich in seiner inneren Unruhe und seinem jugendlichen Streben - die Schamanen stellen sein Ungleichgewicht fest. Beeindruckend ist die ungewöhnliche Sichtweise, die das Naturverständnis der Schamanen illustriert. Die oft sehr tief geführte Kamera betrachtet in Detailaufnahmen das in der Steppe kriechende Chamäleon oder auch Wüstenspinnen. Das Auge des Adlers, den Blueberry zu zähmen versucht, füllt die gesamte Bildfläche. Das filmische Geschehen setzt sich aus einer bunten, spirituellen Collage zusammen. Letztlich klärt Blueberry auch seine eigenen Gewissensbisse in crescendoartig auftauchenden Bildern aus seiner Vergangenheit.
Untermalt wird dies musikalisch mit einer Mischung aus bekanntem Westernsoundtrack und den Klängen schamanischer Ritualmusiken, welche die fremdartige Grundstimmung des Filmes dezent trägt. Entgegen anderen aktuellen Westerns wie z.B. "Unterwegs nach Cold Mountain" drängt sich die Musik hier nicht auf, sondern evoziert eine dem Film angemessene Atmosphäre.
Spätestens als die ersten schlangenartigen Geister in Erscheinung treten wird deutlich - "Blueberry und der Fluch der Dämonen" ist kein gewöhnlicher Western sondern schafft unter Verwendung der schamanischen Mythen eine Fantasywelt, die im Wilden Westen beheimatet ist. Der Kampf zwischen den weißen Eroberern und den Indianern sowie Blueberrys Feindschaft zu Blount und Prosit sind lediglich eine Rahmenhandlung - im Zentrum steht die spirituelle Erfahrung Blueberrys. Nachdem er von Runi einen Indianertrunk erhalten und die schamanischen Geheimnisse gelehrt bekommen hat, ähnelt der zweite Teil des Films einem fortwährendem Rauschzustand. Schließlich begibt sich Blueberry in eine Welt der Geister. Er begegnet dort käfer- und schlangenartigen Kreaturen in einem sich immerfort erweiternden schwarz-gelben Kosmos aus Ornamenten und exotischen organischen Figuren. Der Film entwickelt sich somit zu einer psychedelischen Reise in faszinierende Bildwelten, die ihresgleichen suchen. In der Geisterwelt kann sich Blueberry letztlich auch seinen inneren Dämonen stellen und den Film zu einem unerwarteten Ausgang führen.
"Blueberry und der Fluch der Dämonen" zeigt sich filmisch experimentierfreudig - was Mängel wie die einfallslose Story oder eine etwas fragwürdige Gesangseinlage von Juliette Lewis wettmacht. Schauspielerisch ist der Film dennoch solide besetzt, auch Nebenrollen wie der trocken-sympathische Colm Meaney als Blueberrys Freund Jimmy oder der gerissene Prosit (Eddie Izzard) wirken wie alle anderen Darstellungen authentisch und glaubhaft - nicht etwa selbstironisiert und verklärend wie so oft in Comicverfilmungen.
| FAZIT
Wer kein stilistisches Meisterwerk erwartet und sich von ungewöhnlichen Bildern verzaubern lassen möchte, findet in "Blueberry und der Fluch des Dämonen" eine gelungene Abendunterhaltung, welche einen Schritt über die Unterhaltung hinausgeht.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung