Es ist sozusagen die Heimkehr eines Helden. Ken Carter hatte es einst durch seine Leistung im Basketball geschafft, dem Armenviertel Richmond, einem Stadtteil von Los Angeles, zu entfliehen. Nun hat er sich entschieden, die müde Mannschaft seiner alten Schule, die „Richmond Oilers“, auf Trab zu bringen. Die erwarten ihn allerdings alles andere, als mit offenen Armen und sind nicht nur müde, sie sind alle miteinander aggressive und bockige Jungs ohne eine Zukunftsperspektive.
Um die Bande in den Griff zu bekommen, stellt er knallharte Regeln auf. Alle müssen einen Vertrag unterschreiben, diese einzuhalten. Harte Strafen werden bei nicht Einhalten vergeben. Außerdem muss jeder der Spieler in der Schule eine akzeptable Note haben und dort immer anwesend sein.
Carters ganzer Ehrgeiz gilt, den Jungs eine Zukunft zu bieten, sie durch ein Sportstipendium aufs College zu bringen.
Carter schafft es, dem Team zu erstaunlich vielen Siegen zu verhelfen.
Schließlich steht die Landesmeisterschaft an. An ihr teilzunehmen ist das große Ziel. Die Mannschaft, die in kürzester Zeit unglaubliche Erfolge hinlegte, versagt aber an anderer Stelle: in der Schule hängen sich die meisten der Jungs immer noch lange nicht so rein, wie beim Sport. Carter verhängt die Höchststrafe: er schließt die Sporthalle zu und sagt die anstehenden Spiele mit den Konkurrenzmannschaften ab.
Kurz bevor beides zu scheitern droht, der Erfolg auf dem Spielfeld und der in der Schule passiert aber etwas Unerwartetes.
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| FILMKRITIK
Anstatt einen zweiten Sportladen aufzumachen und mit seiner Frau nach Mexiko in den Urlaub zu fahren, übernimmt Ken Carter für einen Hungerlohn eine Basketballmannschaft, die es kaum schafft, die volle Minutenzeit eines Spiels konditionsmäßig durchzuhalten.
Er ist ein Idealist. Einer der so hart ist wie ein Leutnant der Armee. Mit „Sir“ will er angesprochen werden und mit Krawatte und Sakko wird von nun ab bei den Spielen angetreten.
Er ist der Mann, der es schafft, eine Horde junger ungestümer Männer, die später ohne ihn zu großen Teilen im Gefängnis gelandet wären, auf andere Wege zu leiten. Er verschafft ihnen Selbstvertrauen. Die Sache scheint ihm aber, mehr als nur einmal, zu entgleiten. Einige der Jungs sind nicht immer so diszipliniert wie er das gern hätte und als sich die Presse für ihn und seine Methoden interessiert, lässt er trotzdem nicht von diesen ab. Er ist hart, er ist fair und er verlangt unbedingten Teamgeist. Er schafft es, alle gegen sich zu bringen, sein Lehrerkollegium, die Eltern und sogar das ganze Viertel.
Die aus Schwarzen, Hispanos und einem Weißen bestehende Mannschaft ist ein Pulverfass. Die Jungs leben zwischen Drogendealern und Bandenkriegen. Die archaischen Grundregeln des Ghettos, wobei der Stärkere überlebt, wurden ihnen von Kind an beigebracht. So wird auch der Drogendealer-Cousin von Timo, einem besonders zähen Widerständler der Truppe nicht als verführender Bösewicht dargestellt. Vielmehr als ein großer Bruder, der seinem Schützling auch mal ein paar Scheine extra, für einen besonders gut gelungenen Deal, zuschiebt. Allerdings wird er, exemplarisch für ein solches Kleingangsterleben, erschossen.
Die Jungs, die nichts mehr zu verlieren haben, scheinen nicht Angst davor zu haben zu versagen, es ist vielmehr die Angst vor der eigenen Courage. Angst Erfolg zu haben und im „Licht zu stehen, die Anderen damit zu überstrahlen“ wie es Timo formuliert.
Die Nebenstränge fokussieren das Privatleben von Carter am Rande und nehmen sich besonders drei Schicksale heraus: Das von Timo, der immer wieder abzukippen droht, das von Junior, der sich selbst für dumm hält und das von Jason und Kyra die zusammen ein Kind erwarten. Anhand dieser Geschichten wird das Leben in den Strassen des Viertels veranschaulicht und ein gut abgewogener Gegenpart zu den Sport- und Schulszenen geboten.
Samuel L. Jackson, der den Trainer spielt, ist einfach richtig gut. Er schafft es, seine Figur nicht nur die beinharte Strenge zeigen zu lassen, nebenbei ist diese niemals unsympathisch. Immer liegen die Sympathien auf Carters Seite. Sogar, oder gerade dann, wenn im Film alle gegen ihn sind. Ganz bei sich spielt er den nach einem real existierenden Vorbild erschaffenen Ken Carter, sogar mit einer guten Portion Humor. Allerdings macht auch er eine Entwicklung durch. Er merkt, dass Autorität alleine nicht weiterführt und erst als er das erkennt, werden er und die Mannschaft zum Team.
Dem Regisseur Thomas Carter gelingt mit „Coach Carter“ ein Film für große Emotionen. Wobei er eine messerscharfe Gradwanderung zwischen Kitsch und allzu plakativer Darstellung des Ghettolebens vollführen muss. Dies gelingt ihm aber hervorragend.
An dieser kollektiven Aschenputtel-Geschichte stört einzig, die manchmal etwas zu sehr das Militärische und die Leistung verherrlichende Darstellung. Die Quintessenz des Films sagt im Grunde: passe dich an und mache Karriere, oder du gehst unter. Trotzdem taugt gerade dieser Stoff zu einer traumhaften Hollywoodfilm Vorlage. Und das ist dieser Film auch ganz einfach: perfekt gemachtes Hollywoodkino, wie es besser kaum sein könnte.
| FAZIT
Auf Tatsachen beruhender, sehr gut konstruierter Hollywoodfilm, mit interessantem, seltenem Sujet. Mit viel Emotionen ohne emotional zu sein.
Allerdings mit etwas zu sehr militaristischer und leistungsorientierter Grundaussage.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung