Michael Radford filmt nahe an Shakespeares Vorlage. Der verarmte adlige Bassino (Joseph Fiennes) möchte um die Hand der schönen und reichen Portia (Lynn Collins) anhalten. Hierfür leiht er sich bei seinem Freund und Geschäftsmann Antonio (Jeremy Irons) 3000 Dukaten, so dass er mit seinen Mitstreitern ebenbürtig um Portia werben kann.
Antonio hat das Geld jedoch nicht vorrätig, da alle seine Handelsschiffe auf See sind. Er leiht es sich deshalb bei dem jüdischen Geldverleiher Shylock (Al Pacino), der als Pfand jedoch ein Pfund von Antonios eigenem Fleisch verlangt, falls dieser das Geld nach drei Monaten nicht zurückzahlen kann. Seiner baldigen Zahlungsfähigkeit sicher, willigt Antonio dem absurden Vertrag trotz der Bedenken Bassinos ein.
Mit dem geliehenen Geld macht sich Bassino zu Portia auf und kann sie nach dem Lösen eines Rätsels zu seiner Frau nehmen. Antonio hingegen wird vom Glück verlassen. Alle seine Schiffe versinken auf dem Meeresgrund und er kann die geliehenen Dukaten nicht rechtzeitig an Shylock zurückzahlen. Der durch Diskriminierung erbitterte Shylock verlangt deshalb seinen Blutzoll, auch als der nun reiche Bassino ihm die doppelte Summe an Geld zurückzahlen will. In einem Gerichtsverfahren soll über Antonios Schicksal entschieden werden, doch die Gesetze von Venedig bestätigen die Rechtmäßigkeit von Shylocks Forderungen.
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| FILMKRITIK
Wieder einmal wird ein Klassiker Shakespeares verfilmt, wieder einmal „Der Kaufmann von Venedig“. Das zeitlose Werk über Kränkung, Rachsucht und Menschlichkeit vermag es, wie viele Stücke Shakespeares, immer wieder Menschen in Theater und Kinos zu locken. Die kunstvoll miteinander verwobenen Handlungsfäden und Figurenschicksale verhelfen dem „Kaufmann von Venedig“ zu einer außergewöhnlichen Tragik.
Der junge, unbeschwerte Held, die intriganten Weiber und der hinterhältige jüdische Geldverleiher sind Stereotypen, die im Film dennoch nicht stereotyp wirken. Mit originalen Dialogzeilen und einer opulenten Ausstattung lässt Michael Radford die Handlung in der Elisabethanischen Zeit wiederauferstehen. Dialogpassagen werden geschickt in den Film eingebaut und lassen mit Humor, aber ohne Albernheit, Drehbuch und Theaterstück verschmelzen.
Die Originaltreue zum Stück scheint ein wesentliches Anliegen des Films zu sein, obwohl gerade der Versuch, seiner Vorlage getreu zu sein, oft ein wesentliches Problem darstellt. Besonders die in der Vorlage enthaltenen, zeitgenössischen antisemitischen Ansichten wirken auf das deutsche Publikum verstörend. Informationstafeln vor dem Film dienen scheinbar nicht nur als historische Erläuterung, sondern auch als Rechtfertigung oder Entschuldigung für den kommenden Inhalt.
Al Pacino spielt großartig und erweckt den Anschein, nie etwas Anderem als dem Beruf des jüdischen Geldverleihers Shylock nachgegangen zu sein. Der durch die Verachtung der Christen verbitterte, alte Mann kann zwar erst Mitgefühl und Anteilnahme auf sich ziehen, seine erbarmungslose Rachsucht wirkt jedoch abstoßend und unmenschlich. Antonio charakterisiert ihn als erbarmungslosen Wolf und gefühlslosen Felsen, als den Juden.
Sowie die Darstellung von Juden schon in Mel Gibsons „Die Passion Christi“ für große Aufregung sorgte, ist hierfür in „Der Kaufmann von Venedig“ prinzipiell noch mehr Anlass gegeben. Es stellen sich zu dem Film also gemischte Gefühle ein, da es andererseits auch erfreulich ist, dass Shakespeare nicht nachträglich schöngefärbt wird. Radfords Verfilmung verneigt sich vor Shakespeare als dem Original nahes Werk, das dennoch in filmisch schönen Bildern funktioniert. Es mangelt zwar ab und zu an etwas Frische (auch Portias Villa zeigt schon Verwitterungserscheinungen), doch exzellente Schauspieler und eine schnelle Story machen aus „Der Kaufmann von Venedig“ eine kurzweiligen Shakespeare-Abend.
| FAZIT
Gelungene Umsetzung eines schwierigen Stoffes.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung