Dienstag | 29. Mai 2012 | 14:42 Uhr
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  • FILM REVIEW | Unleashed - Entfesselt
  • Unleashed - Entfesselt

    Thriller, Action | USA 2004
  • | INHALTSANGABE

  • „Hol ihn dir“ brüllt Unterweltboss Bart, wenn er seiner menschlichen Kampfmaschine Danny (Jet Li) sein Halsband abnimmt und ihn auf Schuldner oder Champions illegaler Kämpfe loslässt. Danny ist seinem brutalen Hundeherrn, der ihn in einem Käfig unter dem Boden hält, völlig ausgeliefert, da er sich aufgrund mangelnder Bildung und Zuwendung außerhalb seiner Welt der Gewalt und Unterdrückung nicht zurecht finden würde. Er ähnelt einem Kind, das noch nicht frei für sich selbst denken kann. Das ändert sich, als Bart umgebracht wird und Danny aus der Unterwelt flieht. Beim blinden Klavierstimmer Sam und dessen Stieftochter Victoria wird er warm aufgenommen. Er erkundet die „normale“ Welt und lernt deren Köstlichkeiten wie die Geborgenheit einer Familie, die Freude am Klavierspielen und Vanilleeis kennen. Als er dann jedoch erfährt, dass Bart doch nicht tot ist und sein braves Hündchen zurückhaben möchte, kommt sein neu errungenes Glück ins Wanken.
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      • | FILMKRITIK

      • Ein Blutstropfen fällt auf Dannys Kinderbuch, in dem das Alphabet anhand von romantischen Alltagsszenen erklärt wird. In diesem ein wenig zu deutlichen symbolischen Bild werden uns zu Anfang von Unleashed Dannys Gefangenschaft in einer Umgebung der Gewalt und seine Sehnsucht nach der anderen, normalen Welt dargestellt.

        Die zwei sich widersprechenden Welten werden durch die Farbdramaturgie kontrastiert. Aus der grauen und dunklen betongemauerten Fabrikhallenatmosphäre der Unterwelt kommt Danny in die fröhlich bunte Welt seiner neuen und ersten Familie voller geblümter Tischdecken und bedruckter Schlafanzüge.

        In seinen abgerissenen, dreckigen Kleidern wirkt Danny wie ein männliches Aschenputtel, das von der klavierspielenden Prinzessin Victoria und dem immer gut-gestimmten König aus der Versklavung befreit wird. Man hätte von Drehbuchautor Luc Besson, der für brillante achtziger Jahre Klassiker wie „Subway“ verantwortlich ist, mehr erwartet als Klischeecharaktere wie das zahnspangige, immerfröhliche Waisenkind und ihren blinden, aufopferungsvollen afroamerikanischen Stiefvater oder den mit Vulgärausdrücken um sich werfenden, nuttenvögelnden Brutaloboss.

        Auch wird dem Zuschauer nicht zugetraut, die tiefgreifende Bedeutung der überdeutlichen Symbolik – wie den mehrmals auftauchenden Blutstropfen auf dem blütenweißen Anzug des Unterweltbosses – zu entschlüsseln. Die Interpretation des Films wird in plumpen Dialogen gleich mitgeliefert: „Du hast einen Menschen in einen Hund verwandelt“ erklärt da zum Beispiel ein abgekarteter Gangster mit sorgenvoller Miene.

        Auch bei der Charakterisierung des Helden wird leider ein bisschen zu dick aufgetragen. So reicht es nicht, seine kindliche Verfassung durch Teddybär und Kinderbuch klarzumachen, er muss sich auch noch unter dem Bett verstecken, die Suppe beim Essen im ganzen Gesicht verteilen und sein neugewähltes Lieblingsspielzeug, ein Keyboard, fest umklammert in den Armen halten. Zu allem Unglück scheint auch Hauptdarsteller und Martial Arts Star Jet Li mehr fürs Kämpfen geschaffen als fürs Schauspielen, und seine übertriebene Gestik und Mimik trägt nicht dazu bei, ein wenig Butter vom Brot zu nehmen. Er reißt die Augen bis zum Anschlag auf, um kindliche Unbedarftheit zu vermitteln und schlägt sie tief gesenkten Kopfes wie eine scheue Jungfrau nieder, um auch keinen vergessen zu lassen, dass er das Opfer spielt.

        Selbst die Kampfsszenen werden trotz Jet Lis bekanntermaßen großartigen Könnens mit der Zeit langweilig, da weder durch die Wahl der Kampforte noch die Fähigkeiten der Gegner Abwechslung geboten wird. Da hilft leider auch ein bunter Strauß in den Kampf geworfener Waffen nicht weiter. Ein kleines Highlight bildet die Musik von Massive Attack, welche die futuristisch-maschinelle Atmosphäre der Kampfszenen gelungen unterstützt und Anstoß zu einfallsreicheren Choreographien hätte geben können.

        Die kalte Brutalität der Duelle in der betoneingefassten Welt von Herr und Hund ist überzeugend dargestellt: Während Dannys Schläge mechanisch auf die Gegner niedergehen, ist der Sound auf die Knirschgeräusche in Mitleidenschaft gezogener Knochen und das hündische Keuchen des Helden reduziert. Auch gibt es in der Geschichte des geprügelten Kampfhundes, der wieder Mensch werden will, einige wenige Momente der Intensität, zum Beispiel, als Victoria Danny sein Halsband abnimmt und man für einen Moment das beängstigende Gefühl hat, er könne sich doch wieder in den beißenden Hund zurückverwandeln.

        Wem der letzte Kampf gehört und wer ihn gewinnen wird, ist von Beginn des Films an klar, und das ist vielleicht ein Grund, warum der finale Showdown so schlapp wirkt. Man hätte sich vermutlich weniger auf die ohnehin vorhersagbare Geschichte und mehr auf die Choreographie der Kampfszenen konzentrieren sollen.
      • | FAZIT

      • Martial Arts Film mit überflüssig aufgesetzter Tiefe oder Entwicklungsdrama mit zu viel unnötiger Prügelei.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Julia von Lucadou

      • | Userwertung

      Wertung: 7.0/10 (12 votes)

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