Dienstag | 29. Mai 2012 | 10:41 Uhr
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  • FILM REVIEW | Garden State
  • Garden State

    | USA 2004
  • | INHALTSANGABE

  • Andrew Largemans (Zach Braff) Welt ist dumpf. Er lebt in Kalifornien, in einem völlig weißen Appartement, und als er per Anrufbeantworter erfährt, dass seine Mutter gestorben sei, scheint ihn auch das nicht besonders zu interessieren. Oder interessieren zu können.

    Zur Beerdigung kommt er nach Hause in den „Garden State“ New Jersey. Dort erwartet ihn sein Vater (Ian Holm), ein Mediziner, mit dem er sich nicht auseinandersetzen kann und will, dazu alte Schulfreunde, die es irgendwie nicht geschafft haben, aus der Vorortwelt herauszufinden. Alte Zeiten leben auf, Partys werden gefeiert. Aber erst die flippige Sam (Natalie Portman), die Andrew kennen und lieben lernt, kann ihn ein wenig aus seiner pharmakologisch bedingten wie lebensermüdeten Lethargie rütteln. Mit ihr und seinem High School-Kumpel, dem Totengräber Mark (Peter Saarsgard) macht sich Andrew am letzten Tag seines Besuches auf eine Odyssee, denn Mark hat noch ein besonderes Geschenk, das er noch unbedingt für ihn besorgen muss.
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      • | FILMKRITIK

      • Eigentlich geschieht nicht viel in ‚Garden State’. Ein junger Mann kehrt heim, trifft auf unverarbeitete Probleme in der Familie, treibt sich mit Freunden herum, verguckt sich in ein Mädchen. Doch es ist nicht die Handlung, die zählt, auch wenn sie ein paar skurrile Einfälle und nette Pointen parat hält (z.B. was es mit Marks Abschiedsgeschenk auf sich hat). ‚Garden State’ ist ein Coming of Age-Film, ein Film über einen jungen Mann, der zu sich findet, zumindest aber zu sich kommt, ein wenig wenigstens. Vor allem aber ist ‚Garden State’ ein Stimmungsfilm.

        Die Art, wie Zach Braff die selbst im Sonnenschein nach Frühlingsregen schmeckende suburbia New Jerseys als (zumindest teils autobiographische) Heimat entwirft, ist meisterhaft in ihrer Balance aus Melancholie und Ironie. Sein Debüt in Sachen Regie und Buch ist denn auch ein Film der zwei Welten, zweier Kontraste. Mit eleganten Aufnahmen wie sarkastischen Bildideen schafft er es, die süße Qual eines Ortes des Stillstandes heraufzubeschwören, vor dessen Erinnerungen, gar Flüchen, und Pressalien man zu gerne fliehen mag, deren Vertrautheit und Geborgenheit man zugleich aber auch nicht abschütteln kann.

        ‚Garden State’ hat einige Schwächen, selbst wenn das großes Lob und die vielen Nominierungen und Preise (darunter den Independet Spirit Award für den besten Newcomerfilm und das beste Script) das verschleiern, und seine größte liegt eben in derselben Zwiespältigkeit, die den Film zugleich auszeichnet. Im Gegensatz zur Hassliebe gegenüber der Heimat schaffte es Braff nicht immer, einen Ausgleich im Erzählen zu finden. Mitunter kollidieren da die artifiziell-spöttischen Momente, die an den überkandidelten wie distanzierten Humor eines Wes Anderson (‚Rushmore’, ‚Die Tiefseetaucher’) erinnern (z.B. Andrews Freund, der mit lautlosem Klettverschluss ein Vermögen gemacht hat und es nun in eine riesige Villa voller kindsköpfigem Luxus investiert) mit den existentiellen, magischen Augenblicken eines Dramas Atom Egonyans. Entsprechend positioniert ist auch das Schauspielerensemble. Braff als phlegmatischer, immer etwas comichafter Hauptdarsteller wird von Natalie Portman und Ian Holm schlichtweg an die Wand gespielt. Deren tragischkomisches Potential muss Braff dann als Regisseur wie als Andrew notgedrungen vernachlässigen, um in Story und Spiel mithalten zu können.

        Aber das zählt im Grunde nicht viel, ebenso wenig wie die eher handwerklichen Schludereien, die den Film als Erstling vielmehr noch sympathischer machen: Die Menge an Anschlussfehlern. Oder das Überdehnen einiger Szenen, so zum Beispiel wenn Sam / Portman - in den Fußstapfen von Kate Winslets Clementine in ‚Eternal Sunshine Of A Spotless Mind’ – in ihrem Zuhause als überdrehtes, so verschroben wie liebenswerte Person etabliert wird. Oder die Lieder. Die setzt Braff allzu schematischen mithin vorhersehbaren ein. Und trotzdem sind es wunderbare Songs, von Iron and Wine und The Shins – nicht umsonst gab es einen Grammy als „Best Compilation Soundtrack Album“. Jedes der Lieder gehört denn auch passgenau dahin, wo es sich schließlich in ‚Garden State’ wiederfindet.

        Vielleicht ist es das, was Braffs Film so schön macht, die unbedingte Liebe zu seinen Figuren, zu seinem Thema des Verlorenseins – und der Verbundenheit zur wie auch immer gearteten Heimat. Alles etwas, dass an zu großer Perfektion kaputt gehen würde. Und was gerade das beinahe verlorene Happy End zu einer echten Größe bringt.
      • | FAZIT

      • Ein nicht immer ausgewogenes Independet-Debüt mit manch (bösem) Witz und viel Charme.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bernd Zywietz

      • | Userwertung

      Wertung: 9.0/10 (1 vote)

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