Am Ende des großen Streits um Contergan steht ein Vergleich. Damit endet der zweiteilige Spielfilm, damit beginnt die Dokumentation: Denn nach dem Prozess gegen Grünenthal fängt der Kampf für die Opfer erst richtig an. Sie müssen mit der Behinderung leben lernen und mit einer finanziellen Unterstützung, die für die meisten viel zu knapp ist. Heute sind die damals vereinbarten 100 Millionen Deutsche Mark Schadenersatz von Grünenthal längst aufgebraucht, zahlen muss für die Folgen seitdem allein der Steuerzahler. Wie damals vereinbart, erhalten die Schwerstbehinderten maximal knapp 550 Euro, weitergehende Ansprüche sind ausgeschlossen worden. Hinter den juristischen Auseinandersetzungen stehen Menschen, und die müssen mit ganz neuen Problemen fertig werden, denn viele Eltern und Ärzte sind auch emotional überfordert. Da ist Klaus, dem die Hände damals direkt aus den Schultern gewachsen sind. Er hat das Glück, dass seine Eltern zu ihm stehen, ihn nicht verleugnen. Stefanie dagegen wird ausgestoßen, wie sie sagt. Ihre Eltern lassen das Kind in einem Heim für geistig Behinderte aufwachsen. Und Birgit, heute 48, muss trotz großer Schmerzen Prothesen tragen, weil der Vater nicht erträgt, dass man auf sein Kind ohne Beine herabschaut. Persönliche Dramen, fünfzig Jahre nach der "einzigen Tablette", die nicht in öffentlichen Prozessen verhandelt wurden, aber das Leben von Opfern und Eltern beherrschen - immer noch. Und dann sind da noch die Firma und ihre Eigentümer, auf deren Worte des Bedauerns Klaus, Stefanie und Birgit noch heute warten. Da sind die "Opfer-Anwälte", die nun von Behinderten heftig kritisiert werden. Und da sind nicht zuletzt die Staatsanwälte, die erst heute einen Blick hinter die Kulissen der widerstreitenden Interessen von Unternehmen, Politik und Opfern gestatten.