36 Stunden in Los Angeles. Der weiße Staatsanwalt Rick Cabot (Brendan Fraser) und seine Frau Jean (Sandra Bullock) werden von zwei schwarzen Autodieben überfallen. Jean lässt die Schlösser in ihrer Wohnung austauschen, verdächtigt aber den mexikanisch aussehenden Handwerker, einer kriminellen Gang anzugehören. Der schwarze Polizeidetektiv Graham Waters (Don Cheadle) wird von Staatsanwalt Cabot genötigt, Untersuchungsbefunde von einem anderen Tatort zurückzuhalten. Aus politischen Gründen soll der erschossene schwarze Polizist nicht Drogendealer gewesen, sondern unschuldig getötet worden sein.
Der schwarze Fernsehregisseur Cameron Thayer (Terrence Howard) und seine Frau Christine (Thandie Newton) werden von einer Polizeistreife angehalten. Der weiße Polizist John Ryan (Matt Dillon) erniedrigt Christine sexuell. Ryans Streifenkollege Thomas Hansen (Ryan Phillippe) lässt sich versetzen, und begegnet später Cameron wieder, als der mit einem der Autodiebe in seinem Wagen kämpft. Ein wütender iranischer Ladenbesitzer erschießt beinahe die Tochter des Schlossers, und Officer Hansen nimmt einen schwarzen Anhalter mit. Im Auto gibt es einen fatalen Streit.
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| FILMKRITIK
Ein Schwarzer kämpft mit einem ebenfalls schwarzen, jugendlichen Beifahrer, der ihm das Auto klauen will. Eine Polizeistreife stoppt die wilde Fahrt. Der Mann am Steuer hat erst gestern erlebt, wie ein weißer Polizist seine Frau erniedrigte. Wie viele Chancen rechnet er sich jetzt wohl aus, den Gesetzeshütern zu erklären, dass der andere Schwarze nicht sein Kumpan ist, dass die Waffe nicht ihm gehört, und auch dass kein Blut fließen muss?
Willkommen im Schmelztiegel Los Angeles, wo in Wahrheit Sprachlosigkeit und Angst zwischen Angehörigen verschiedener Hautfarben und Schichten herrschen. Eine bedrückende Ausweglosigkeit ist die Lektion in „Crash“, wenn sich zufällig und kurz mal einzelne Weiße, Schwarze, Asiaten, Mexikaner begegnen und sich bereits mit dem ersten Wortwechsel beleidigen. Jeder trägt sein Päckchen Demütigungen wegen seiner Hautfarbe oder Herkunft, jeder befürchtet erneute Kränkungen oder will die alten an einem zufälligen Opfer abreagieren.
Regisseur Paul Haggis, der auch das Drehbuch mitverfasste, legt in seinem ersten Spielfilm Wert auf große Realitätsnähe der Szenen und Figuren. Der tägliche Rassismus und die daraus resultierende allgemeine Angst sollen nicht länger geleugnet werden, meint Haggis, der auch das Drehbuch zu „Million Dollar Baby“ schrieb. Der Independentfilm „Crash“ splittet die verschiedenen Erzählstränge in sehr kurze Szenen von manchmal nicht mehr als zwei bis drei Dialogsätzen auf. Man sieht, was gleichzeitig mit den vielen Menschen passiert, die sich irgendwann im Film begegnen.
Eine große Rolle in der Geschichte spielt die Stadt Los Angeles selbst. Nach Aussagen der Filmemacher und Schauspieler fährt man in L.A., ganz im Gegensatz zu New York, die meiste Zeit einsam in seinem Auto von einem Ort zum anderen. Man habe kaum spontane Kontakte mit anderen Menschen, die nach Hautfarbe und Schicht getrennt in verschiedenen Vierteln wohnen. Das Auto biete eine Schutzfunktion, um anderen nicht begegnen zu müssen.
Am Ende der 36 Stunden, wenn die Anspannung bei vielen Figuren bereits in Erschöpfung übergeht, fallen plötzlich Schneeflocken vom Himmel. Es ist Weihnachtszeit in Los Angeles, doch Cameron, der aus seinem Wagen steigt, starrt die seltenen Flocken ungläubig wie ein Wunder an. Diese Szene erinnert an einen anderen Film über Einsamkeit, der in Los Angeles spielte: „Magnolia“ von Paul Thomas Anderson. Dort ist das Naturwunder, die Botschaft aus einer freieren Welt noch drastischer, als plötzlich Frösche vom Himmel fallen.
Die schicksalhafte Zuspitzung der Begegnungen in „Crash“ geht unter die Haut, ebenso wie die Dialoge, in denen stets neue Tretminen lauern. Haggis’ Film ist auch deswegen so spannend, weil sein betont realistischer Stil fast schon dokumentarisch wirkt. Die Menschen aber werden sensibel, ohne Klischees porträtiert und alle haben auch gute Seiten. Das, was sie hier erleben, ist schmerzhaft, doch die Erschütterung öffnet manchen von ihnen die Augen.
| FAZIT
Realitätsnaher Film über den alltäglichen Rassismus in Los Angeles, der unter die Haut geht.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung